THEMA INHALT EDITORIAL 3 Wir sind unsere Lobby THEMA Ein gemeinsamer Lehrplan für 21 Kantone 4 Interview mit Kathrin Schmocker 6 Der erste Bündner Bildungstag 8 PAGINA GRIGIONITALIANA 10 PAGINA RUMANTSCHA 11 PORTRAIT Schwester Priska Füglistaler 12 AUS DER GESCHÄFTSLEITUNG LEGR Austauschtreffen LEGR – EKUD 14 Reallohnerhöhung auch für Lehrpersonen 17 Delegiertenversammlung 2008 in San Vittore 17 Engagement zeigen … 18 STUFENVERBÄNDE 20 AGENDA 22 DIES UND DAS 24 REZENSION 27 AMTLICHES 28 IMPRESSUM 31 Am 12. November 2008 wurden am 1. Bündner Bildungstag in Davos Fackeln entzündet. Es war ein Tag, an dem Geselligkeit gepflegt wurde. Ein Tag, an dem wir uns mit spannenden Referaten, Wortspielereien, Musik und kulinarischen Leckerbissen verwöhnen liessen. Ludwig Hasler plädierte für die Sinnlichkeit, wir erlebten sie. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das an diesem Tag entstand, war wohltuend. Für einmal wurde die grosse Anzahl Leute sichtbar, welche sich an der Bildung im Kanton Graubünden beteiligen. Mit 2000 Mitgliedern ist der LEGR einer der grössten Berufsverbände des Kantons. Die Bildungsdiskussion entzündet seit längerem immer wieder neue Fackeln. Aktuell stehen zwei gewichtige Vernehmlassungen an: auf nationaler Ebene diejenige zum Deutschschweizer Lehrplan, auf kantonaler Ebene diejenige zur Totalrevision des Schulgesetzes. Beide Vorlagen stehen miteinander in Zusammenhang. Mit der Totalrevision des Bündner Schulgesetzes eröffnet sich die Möglichkeit, unsere konkreten Forderungen bezüglich Anstellungs- und Arbeitsbedingungen einzubringen. Ich denke da insbesondere an eine Reduktion der Pflichtpensen und an eine Entlastung für Klassenlehrpersonen. Die Schule scheint in einem steten Wandel zu sein. Ich sehne mich gelegentlich nach «Entschleunigung», nach Temporeduktion. All diesen Veränderungen lustvoll zu begegnen, stellt eine Herausforderung dar. Fit bleiben wird darum immer wichtiger und schwieriger. Die Aussagen von Esther Artho in diesem Schulblatt helfen dabei. Die anstehenden Reformen verlangen, dass wir gemeinsam auftreten. Dabei ist die Meinung jeder Lehrperson gefragt, es ist wichtig, dass Lehrpersonen am Entscheidungsprozess teilhaben. Durch einen geeinten Auftritt der Lehrpersonen aller Schulstufen können wir uns gestärkt der Öffentlichkeit präsentieren und für eine starke Bündner Volksschule einstehen. Ich wünsche mir eine faire und sachliche Auseinandersetzung mit den anstehenden Bildungsthemen. Ich wünsche mir eine Partizipation der Lehrpersonen. Nur damit können wir etwas erreichen, denn wir selbst sind unsere Lobby. Mit dem erfolgreichen gemeinsamen Auftritt am Bildungstag haben wir ein starkes Zeichen gesetzt. Das Feuer wurde entfacht. Wir wollen es nun weitertragen, um unsere Anliegen durchzusetzen. Sandra Locher Benguerel BÜNDNER SCHULBLATT | Februar 2009 Ein gemeinsamer Lehrplan Erstmals soll ein gemeinsamer Lehrplan für alle 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone entstehen. Der neue Lehrplan vereinheitlicht die Ziele und Inhalte für den Unterricht an der Volksschule und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Harmonisierung der obligatorischen Schule. Der neue Lehrplan basiert auf den bestehenden Lehrplänen und bezieht den aktuellen Stand der fachdidaktischen Diskussion ein. Er trägt den Namen Lehrplan 21. VON DANIELLE SILBERSCHMIDT BILDUNGSDIREKTOREN-KONFERENZ ZENTRALSCHWEIZ HarmoSBildungsbereiche Fachbereiche Lehrplan 1 2 1. Zyklus 3 4 5 2. Zyklus 6 7 8 9 3. Zyklus 10 11 2. Fremdsprache Sozial- und Geisteswissenschaften Mathematik Mathematik Natur und Technik (mit Physik, Chemie, Biologie) Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (mit Hauswirtschaft) Räume, Zeiten, Gesellschaften (mit Geografie, Geschichte) Ethik, Religionen, Gemeinschaft (mit Lebenskunde) Musik, Kunst und Gestaltung Bewegung und Gesundheit Gestalten Bildnerisches Gestalten Textiles und technisches Gestalten Musik Musik Bewegung und Sport Bewegung und Sport Gesundheit => überfachliches Thema Überfachliche Kompetenzen Mathematik und Naturwissenschaften Überfachliche Themen 1. Fremdsprache – ICT/Medien – Berufliche Orientierung – Nachhaltige Entwicklung – Politische Bildung – Gesundheit Schulsprache Sprachen Personale, soziale und methodische Kompetenzen 4 Zusätzliche kantonale Bildungsangebote Bis vor kurzem war es selbstverständlich, dass (fast) jeder Kanton einen eigenen Lehrplan hat. Die drei deutschsprachigen EDK-Regionalkonferenzen (NW EDK, EDK-Ost und BKZ)1 haben im Jahr 2004 zur Diskussion gestellt, einen gemeinsamen Lehrplan für die Deutschschweiz zu erarbeiten. Nachdem die Kantone positiv darauf reagiert hatten, konnten Ende 2006 die Arbeiten am THEMA 5 für 21 Kantone sungsmässige Verpflichtung ein, die Projekt Deutschweizer Lehrplan aufgeZiele der Schule zu harmonisieren. nommen werden. Das Projekt wurde Zudem werden mit dem gemeinsamen in zwei Teile aufgeteilt: In einer ersten Phase wurden die Grundlagen des Lehr- Lehrplan Mobilitätshindernisse für Familien mit schulpflichtigen Kindern plans entwickelt und danach soll der und Lehrpersonen weiter abgebaut. Die Lehrplan erarbeitet werden. AnschliesZusammenlegung der Kräfte optimiert send führen die Kantone den Lehrplan den Einsatz der finanziellen Mittel im ein. Die Grundlagen für den sprachregionalen Lehrplan liegen nun vor und sind Bereich der ohnehin fälligen Anpassung der Lehrpläne. Sie bündelt zudem das bis Ende Mai in der Vernehmlassung. fachdidaktische Know-how und ermögNach Abschluss der Vernehmlassungsauswertung wird der Lehrplan erarbeitet. licht die Partizipation der Lehrpersonen in der Deutschschweiz. Der neue LehrIn der Westschweiz wurde bereits ein Lehrplan ausgearbeitet, der im Schuljahr plan wird ein praxisnahes, gebrauchsfertiges Produkt sein. Die Bezeichnung des 2009/2010 eingeführt werden soll. neuen Lehrplans lautet in Anlehnung an die 21 Projektkantone und das 21. Jahrhundert Lehrplan 21. Grundlagen für den neuen Lehrplan sind erarbeitet Für die Erarbeitung der Grundlagen wurde eine Projektorganisation gebildet, die Entscheidungsträger aus der Politik sowie Fachleute aus Wissenschaft, Schulpraxis und den Bildungsverwaltungen der Kantone einbindet.2 Rund zwei Jahre lang hat die Projektgruppe an den Grundlagen des Lehrplans gearbeitet. Diese Konzeptarbeit wurde in regelmässigen Abständen von der breit abgestützten Begleitgruppe reflektiert, in welcher alle Kantone vertreten sind. Die 21 Deutschschweizer Kantone3 lösen mit diesem Lehrplan die verfas1 Nordwestschweizerische ErziehungsdirektorenKonferenz, Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein sowie die BildungsdirektorenKonferenz Zentralschweiz 2 Die Projektorganisation finden Sie auf www.lehrplan.ch. 3 Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Basel-Landschaft, Basel Stadt, Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Uri, Wallis, Zug, Zürich. Der neue Lehrplan umfasst elf Jahre: die Zeit von zwei Jahren Kindergarten und neun Schuljahren. Er beschreibt das Bildungsangebot für den Pflicht- und Wahlpflichtbereich der obligatorischen Schulzeit. Der Lehrplan 21 baut auf den bestehenden Lehrplänen auf und bezieht den aktuellen Stand der fachdidaktischen Diskussion ein. Auf den traditionellen Begriff der Fächer wird verzichtet, da der Begriff Fachbereich den heute üblichen breiten Zugang der Schule zu den Phänomenen der Welt genauer ausdrückt. Der Lehrplan gliedert sich in die Fachbereiche gemäss Darstellung Seite 4. Bei den Sprachen hat der Kanton Graubünden je nach Region eine abweichende Lösung. Dies macht zusätzliche Fachbereichslehrpläne nötig, die im Rahmen des Lehrplanprojekts erarbeitet werden. Der neue Lehrplan orientiert sich an Kompetenzen. Er beschreibt, was alle Schülerinnen und Schüler wissen und können müssen. Der Lehrplan wird Mindesterwartungen an das Können aller Schülerinnen und Schüler festlegen und überdies für leistungsfähigere Lernende entsprechende weitergehende Erwartungen und Angebote enthalten. Weiteres Vorgehen Nach dem 31. Mai 2009 werden die Rückmeldungen der Vernehmlassung systematisch ausgewertet und fliessen in den Grundlagenbericht ein. Auf dieser Basis startet die Erarbeitung des Lehrplans. Anschliessend erarbeiten Lehrplanteams die Inhalte des Lehrplans. Diese Teams setzen sich aus Fachpersonen aus Fachdidaktik sowie Lehrpersonen aus der Schulpraxis zusammen. Die unterschiedlichen Interessengruppen können sich während der Erarbeitungsphase in Hearings einbringen. Ab Sommer 2012 werden die ersten Kantone den Lehrplan 21 einführen. Lehrpersonen können sich via Geschäftsstelle LEGR ebenfalls an der Vernehmlassung beteiligen. Inputs sind bis Ende Februar an die Geschäftsstelle LEGR zu richten: [email protected] Alle Unterlagen zur Vernehmlassung (Vernehmlassungsbericht, Fragebogen, Vernehmlassungspartner) finden Sie auf www.lehrplan.ch/vernehmlassung. 6 BÜNDNER SCHULBLATT | Februar 2009 Interview mit Kathrin Schmocker stv. VON JÖRI SCHWÄRZEL, LEITER GESCHÄFTSSTELLE LEGR Was ist neu am Lehrplan 21? Neu ist, dass es nur noch einen Lehrplan für alle Kantone der Deutschschweiz geben wird. Und das für alle elf Schuljahre inklusive Kindergarten. Zudem wird der neue Lehrplan den Bildungsauftrag an die Schulen kompetenzorientiert abfassen. Mit der Kompetenzorientierung verändert sich die Sichtweise auf den Unterricht. Lernen wird verstärkt als aktiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden. Schülerinnen und Schüler erwerben Wissen und Fähigkeiten, die sie in unterschiedlichen Situationen anwenden und umsetzen lernen. Immer wieder müssen im Unterricht deshalb anspruchsvolle Anwendungs- und Lernsituationen geschaffen werden. Ein Akzent wird mit dem Fachbereich Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (mit Hauswirtschaft) auf Sekundarstufe I gesetzt. Themen wie Geld, Konsum, Arbeit und Freizeit, Haushalt, Ernährung, Rohstoffe, Umgang mit Ressourcen und weitere Wirtschaftsfragen sollen verstärkt Eingang in die Schule finden. Wie ist der Lehrplan 21 zur neuen Stundenverteilung gekommen? Worauf hat sich das Projekt abstützen können? Gleich zu Beginn eine Klärung: Der Lehrplan 21 verteilt keine Stunden! Das tun weiterhin die Kantone. Sie legen die Stundentafeln für ihre Schulen fest. Im Lehrplanprojekt erhalten die Lehrplanteams lediglich Planungsannahmen, mit welchem Zeitbudget pro Fachbereich zu rechnen ist. Dieser Orientierungs- THEMA 7 Projektleiterin Lehrplan 21 rahmen soll es ermöglichen, die Ziele des Lehrplans realistisch zu setzen. Diese Planungsannahmen beruhen auf einer Analyse der heutigen Stundentafeln der 21 Projektkantone. Welche Bereiche müssen Federn lassen? Nochmals: der aktuelle Lehrplan macht nur zeitliche Vorgaben für die Lehrplanteams, die die Ziele und Inhalte des Lehrplans erarbeiten. Diese Vorgaben orientieren sich am Durchschnitt aller Stundentafeln der Deutschschweiz. Ich kann also nicht sagen, welche Auswirkungen dies auf die kantonalen Stundentafeln haben wird. Angebot. In diesen Fachbereichen werden von vielen Kantonen zusätzliche, frei wählbare Lektionen angeboten. Im Fachbereich Bewegung und Sport werden gemäss den Vorgaben des Bundes drei Lektionen pro Woche angenommen. wird in vielen Fachbereichen bereits an Lehrmitteln gearbeitet, die sich an Kompetenzen orientieren. Während der Erarbeitung des Lehrplans wird die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen für die Lehrmittel verstärkt gesucht, damit eine gute Passung zwischen Lehrplan und Lehrmitteln gewährleistet ist. Wird der Lehrplan 21 sprachenlastig? Kaum sprachenlastiger als bisherige Lehrpläne. Die Sprachenstrategie der EDK mit zwei Fremdsprachen an der Primarschule ist in kantonalen Parlamentsentscheiden sowie Volksabstimmungen bestätigt worden. Die Sprachenstrategie der Kantone ist für den Lehrplan eine Vorgabe. Die prozentuale Verteilung der Planungsannahmen pro Fachbereich unter- Wer erarbeitet den Lehrplan scheidet sich kaum von den Ergebnissen 21? Wie können Lehrpersonen der Analyse der Stundentafeln der bei der Entstehung des neuen Kantone. Einzig im Bereich der Natur-, Lehrplans mitreden? Sozial- und Geisteswissenschaften wird eine Schwerpunktbildung vorgenommen. Uns ist der Einbezug der LehrperEinerseits sind die Naturwissenschaften sonen sehr wichtig. Deshalb sind die gemäss PISA-Studie zeitlich eher Lehrkräfte auch bereits in die jetzige knapp dotiert. Andererseits sind viele Projektorganisation eingebunden. Auch Aspekte der überfachlichen Themen in zur Vernehmlassung der Grundlagen diese Fachbereiche zu integrieren, was können die Lehrkräfte über die kantoentsprechende Zeitgefässe erfordert. nalen Lehrerorganisationen Stellung Mathematik wird leicht gesenkt. Dies ist nehmen. Der Lehrplan wird anschliesvertretbar, da die Ergebnisse bezüglich send von Teams erarbeitet, die sich aus der Mathematikleistungen in den PISAFachpersonen aus Fachdidaktik sowie Studien 2000–2007 insgesamt zufrieLehrpersonen aus der Schulpraxis denstellend waren und mathematische zusammensetzen. Fragen und deren Bearbeitung auch in den naturwissenschaftlichen Fächern Eingang finden. In den Bereichen Was bedeutet der Lehrplan 21 Gestalten, Musik und Hauswirtschaft für die Lehrmittel? machen die Planungsannahmen nur Aussagen zum Pflicht- und WahlpflichtDie Abstimmung von Lehrplan und bereich, nicht aber zum frei wählbaren Lehrmitteln ist notwendig. Zurzeit Was bleibt auch mit dem Lehrplan 21 noch offen? Wo hat die einzelne Lehrperson selbst noch Gestaltungsmöglichkeiten? Der Lehrplan gibt nur die Ziele vor, die zu erreichen sind. Der Weg dahin liegt weiterhin im Gestaltungsfreiraum der Lehrpersonen. Sie wählen die dafür geeigneten Methoden und Vorgehensweisen. Zudem wird der Lehrplan so gestaltet, dass nur 85 Prozent der Zeitanteile mit Inhalten gefüllt werden. Die restliche Zeit steht den Schulen und den Lehrkräften zur Verfügung. Danke bestens für das Interview. Kathrin Schmocker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Deutschschweizer Lehrplan und stellvertretende Projektleiterin. Bevor sie im Sommer 2007 zum Projekt Deutschschweizer Lehrplan gestossen ist, war sie knapp zehn Jahre lang an der pädagogischen Fachstelle im Erziehungsdepartement BaselStadt tätig. Kathrin Schmocker ist ursprünglich Primarlehrerin und hat Kunstgeschichte, Pädagogik und Germanistik studiert. 8 BÜNDNER SCHULBLATT | Februar 2009 Der erste Bündner Bildungstag entsprach Auf Einladung des Verbandes Lehrpersonen Graubünden LEGR fanden sich am 12. November 1200 interessierte Personen aus dem Bereich Bildung im Kongresszentrum in Davos ein. Gefeiert wurden 125 Jahre LEGR. Ein rundum gelungener Anlass mit interessanten Referaten, Musik, Kabarett, feinem Essen und vielen Gesprächen. TEXT UND FOTOS VON MARIETTA KOBALD «Bienenstock» war der erste Gedanke beim Betreten der Halle im Kongresszentrum. Es herrschte ein unglaubliches Gewusel und Geschnatter. 1200 Personen aus dem Bildungsbereich trafen sich. Man unterhielt sich in Gruppen, bei Kaffee und Gipfeli, scherzte und lachte oder begrüsste sich herzlich mit Worten wie: «Hallo, schon lange nicht mehr gesehen.» Bereit, die Herausforderung anzunehmen Die Gespräche mussten bald einmal unterbrochen werden, Bildung war angesagt. Den lockeren Einstieg übernahm Sängerin Letizia Gemsch mit ihren zwei Musiker-Kollegen. LEGR Präsident Fabio Cantoni zeigte sich erfreut über das grosse Interesse am 1. Bündner Bildungstag. Unter dem Titel «Bildung schafft Zukunft», stellte Cantoni eine mit den anderen Bündner Bildungsverbänden ausgearbeitete Resolution vor: «Alle Kinder sollen unabhängig vom sozialen Stand, vom Geschlecht, der Religion oder der Ethnie am Prozess der Bildung teilhaben können. Schule und Eltern unterstützen eine aktive Zusammenarbeit und zeitgemässe Strukturen; motivierte Lehrpersonen und qualifizierte Fachpersonen ermöglichen ein gemeinsames, aktives Lernen.» Ihre Bereitschaft, die Herausforderungen anzunehmen, welche der gesellschaftliche Wandel an die Schule stellt, bezeugten die Anwesenden, indem sie sich – wahrscheinlich ohne Ausnahme – erhoben. THEMA 9 einem echten Bedürfnis Wiedersehen in zwei Jahren Der höchste Chef der Bildungsverantwortlichen, Regierungsrat Claudio Lardi, machte darauf aufmerksam, dass die Bedeutung der Arbeit der Lehrpersonen in der Öffentlichkeit nicht immer richtig wahrgenommen wird, und dass die Mehrheit von ihnen diese bedeutsame und schwierige Aufgabe tagein, tagaus mit grosser Begeisterung und ebenso grosser Kompetenz meistert. Zur Freude aller Anwesenden versprach Lardi, dass der zweite Bildungstag im Jahr 2010 durch das EKUD ausgerichtet werden soll. Während der folgenden Stunde vermochte der Referent Ludwig Hasler, Publizist und Philosoph, mit seinem Plädoyer für mehr Sinnlichkeit in Schule und Bildung, vorgetragen voller Biss und Schalk, die Aufmerksamkeit aller mehr als aufrecht zu erhalten. «Ein gesundes Selbstvertrauen», sagte er, «ist ungleich wichtiger für die Schüler als einzelne Verstandesoperationen.» «Ich kann das», Neugier und eine gewisse Frechheit müssten Schülerinnen im Lehrer vorgelebt sehen. Nahrung nicht nur für den Geist Nach der geistigen Nahrung die körperliche. Stehlunch war angesagt. Dieser entpuppte sich als kulinarisch äusserst vielseitig und fand reissenden Absatz. Vom Salatbuffet zu den Hauptspeisen mit frisch gebratener Rösti, unzähligen Fleischgerichten und Gemüse bis zum Dessertbuffet mit Fruchtsalat, Törtchen und nur für kurze Zeit sichtbaren MiniCremeschnitten. Dabei kamen auch die Gespräche nicht zu kurz, und einig waren sich alle Angesprochenen, dass der erste Bildungstag einem echten Bedürfnis entsprach. «Man weiss manch- mal nicht mehr, wer in der eigenen Gemeinde Unterricht gibt», sagte ein Anwesender. Zurück zum Geist. Der Journalist und Filmproduzent Reinhard Kahl aus Hamburg gab in seinem Referat und mit Filmausschnitten Einblick in Schulen, die mit ihrer eher unternehmerischen Art des Unterrichts oft mehr erreichen, als solche mit herkömmlichen Methoden. Kahl plädierte für «Fackeln entzünden, statt Fässer füllen». Der allseits bekannte Spruch «Aus Fehlern lernt man» findet bei ihm ebenso Zustimmung wie «Gute Schulen lernen von den Problemen ihrer Schüler». Den Abschluss dieses Tages und die Auflockerung der nach dem Referat von Kahl etwas nachdenklich dasitzenden Teilnehmer übernahm das Theaterkabarett Birkenmeier Vogt mit ihrem fulminanten Programm «Die Schule ist eine Erkläranlage». 10 BÜNDNER SCHULBLATT PAGINA GRIGIONITALIANA | Februar 2009 La formazione crea il futuro TRADUZIONE DI GERRY MOTTIS Risoluzione riguardante la 1a giornata grigionese di formazione «estraneo e famigliare» a Davos Cambiamenti sempre più considerevoli nella società e nell’economia rendono la formazione un bene di crescente interesse. Essa assicura in futuro opportunità di vita e di lavoro a tutti i ragazzi. Nel nostro Cantone la formazione è una delle risorse sociali ed economiche più importanti. Essa permette alle future generazioni di assumersi responsabilità in ambito economico, politico e sociale, formando la personalità e rafforzando le persone in merito alle sfide della vita quotidiana. Anche la scuola pubblica grigionese è esposta a questi cambiamenti. In questo ambito, essa deve continuamente porsi delle domande e modernizzarsi. Questi processi producono nuove sfide per tutti gli attori interessati, dal momento che avvenimenti estranei prendono il posto di soggetti famigliari, originando insicurezza. Queste trasformazioni producono ciononostante e al contempo nuove possibilità, favorendo lo sviluppo della scuola pubblica e la realizzazione dei suoi obiettivi più importanti, quali rendere accessibile a tutti i bambini del Canton dei Grigioni, indipendentemente dal loro luogo di domicilio, una formazione di base. Affinché la scuola possa garantire un futuro ai nostri ragazzi e promuovere un valore aggiunto per la società grigionese, tutti i politici nei Comuni e in Gran Consiglio, assieme a tutte le istituzioni scolastiche ma anche alla società in generale, sono chiamati a sostenere le seguenti condizioni quadro: Imparare assieme Tutti i ragazzi hanno il diritto di partecipare al processo di formazione, indipendentemente dal loro stato sociale, dal loro sesso, dalla loro appartenenza religiosa o etnica. Le strategie di insegnamento integrativo sono in quest’ambito una risposta all’aumento di eterogeneità nelle classi. Scuola e genitori assieme I genitori sono motivati ad eseguire i loro compiti nell’ambito formativo e in maniera ancora più accentuata. La scuola e i genitori sostengono una collaborazione attiva. Le strutture scolastiche giornaliere, che rispondono alle esigenze delle famiglie, servono a quelle che le vogliono o che le devono usare. Inoltre, queste sono necessarie onde permettere a diversi ragazzi una vera possibilità di studio e di apprendimento, che favorisca pure i genitori nei loro importanti compiti di sostegno. Strutture adeguate ai tempi nelle singole scuole La scuola è luogo di insegnamento e di vita per i ragazzi e per il personale di insegnamento. Un’infrastruttura adeguata e una dimensione della classe opportuna permettono un apprendimento congiunto e attivo. Direzioni scolastiche professionali sostengono e accompagnano gli insegnanti nel loro compito di formazione e di educazione. Insegnanti motivati e capaci di entusiasmare Il puntuale lavoro degli insegnanti presuppone un apprendimento duraturo e continuo negli anni, nonché molto idealismo. Per questo motivo, si auspicano condizioni di lavoro e d’assunzione giuste, corrette e adeguate ai tempi, a favore del personale di insegnamento. Di conseguenza, sono necessari dei salari equiparabili a livello federale e una possibilità d’apertura su una vasta formazione continua. Insegnanti motivati portano infine nella scuola grande entusiasmo, funzionale ad animare i ragazzi e i giovani nell’apprendimento attivo. Sostegno attraverso persone competenti Le molteplici esigenze e la varietà di necessità dei ragazzi richiedono molto alla scuola. Per poter realizzare in maniera adeguata il concetto grigionese di Pedagogia specializzata è necessario un sostegno funzionale agli insegnanti, attraverso persone competenti e qualificate, oltre ad un’offerta di promozione in loco garantita. I partecipanti alla 1a prima giornata di formazione grigionese sono pronti ad accettare le sfide che la società in evoluzione pone loro. In questo ambito, essi devono poter valersi delle condizioni quadro sopraelencate. I partecipanti sono disposti a mettersi a disposizione con grande impegno per la realizzazione di un futuro a favore dei nostri ragazzi. Davos, 12 novembre 2008 Contatto: [email protected] www.gmottis.ch THEMA RUMANTSCHA PAGINA 11 Fuormaziun rumantscha alla scoula ota da pedagogia SAP VON JOHANNES FLURY Eu dod minchatant plants reguard la fuormaziun da las studentas e dals students da la SAP impustüt reguard la lingua materna. Chi nu sapchan inandret rumantsch, chi capitan massa blers sbagls cur chi scrivan e cha’l s-chazi da pleds nu saja grand avuonda. Quists plants sun güstifichats, almain per part. E quist artichel nu voul defender la SAP (sch’eu less scriver üna defaisa, schi füss’la inamöd plütost per las studentas), ma simplamaing spiegar la situaziun. Il cas il plü ideal es cha inchün crescha sü in üna famiglia ingio chi vain discurrü rumantsch, va lura in üna scoula rumantscha e vain a la SAP davo üna maturità bilingua, tudais-ch – rumantsch. Dafatta in quel cas resta amo il fat ch’el ha dudi bleras chosas p.ex. d’istorgia, da geografia e.u.i. be in tudais-ch e fand seis prüms pass illa scoula sto’l tradüer bler e tscherchar il vocabulari adattà. Ma quai es uschè daspö decennis. Quai chi ha müdà es cha quist cas ideal exista be amo in duos o trais exemplars per annada. Bler plü «normal» sun biografias linguisticas chi partan d’ün dachasa tudaisch ed üna scoula rumantscha, e lura üna scoula media dal tuot tudais-cha, o da la situaziun d’inchün giò la Bassa chi ha discurrü a chasa rumantsch, ma chi mai nun ha gnü üna lecziun da rumantsch. Scha quista giuvna less uossa davo la maturità giò Turich far la SAP a Cuoira – che esa da far? Tilla refüsar perche ch’ella ha fadia scrivand rumantsch? Sco dit scha no acceptain be amo quellas studentas chi accumplischan tuot las normas lura pudaina fingià uossa redüer il numer talmaing chi nu cunvain plü da fuormar magisters rumantschs. Scha no lain mantgnair quella fuormaziun – e quai es nossa ferma vöglia – lura stuvain acceptar eir interessentas ed interessents cun biografias linguisticas incumpletas. E lura as muossa üna seguonda difficultà: La SAP cul nouv sistem nu dà plü lingua o matematica o biologia, ma be amo didactica da linguas, da matematica, da biologia. Voul dir, ils rams üsitats nu daja gnanca plü, no stuvain ans fidar cha quai es gnü fat dürant la scoula media. Uschè pudaina gualivar oura ed implir las loccas existentas be amo cun lavur suplementaria dals singuls. No ans lubin da correger texts, no dain eir tips co chi’s pudess megldrar la cumpetenza linguistica. Ma tuot quai sto gnir fat dürant il temp liber. Eu n’ha fingià dudi cha quai contrastescha ferm cul fat cha per talian ed inglais vegnan pretais uossa standards ter ots e chi’s stuvess tantüna dumandar tals standards eir illa lingua materna. Quist argumaint ans ha persvas e perquai vaina introdüt a la fin dal prüm an ün examen linguistic illa prüma lingua, pels rumantschs vain quai fat in rumantsch e tudais-ch perche ch’els tschüffan a la fin dal stüdi ün diplom dubel. Quist examen es pretenzius, no vain gnü divers resultats negativs e cun quai repetiziuns da quel. Scha no lain melgdrar la situaziun lura voula sforzs da tuot las varts, da la SAP, da las studentas e dals students, dals magisters da practicum e dals collegas. Güdar es meglder co güdichar. Ma i resta üna senda difficila tanter pretender e güdar, tanter giavüschar chi fetschan la fuormaziun rumantscha e scumandar ingio chi nun es pussibel. Mantgnair il rumantsch dumanda ün masdügl da fermezza e toleranza ed es üna lavur chi nu finischa mai. Üna persuna chi sa quai e chi viva quai es Martin Mathuiet, l’autur da quista pagina daspö ans. El ha giavüschà da’s retrar uossa da quista fatschenda. La redacziun ha stuvü acceptar quai e til ingrazcha da cour per las bleras lingias ch’el ha savü implir cun texts da qualità. Grazia fich, Martin o cun la bella expressiun sursilvana Dieus paghi! La pagina actuala es simplamaing ün passagi. Dal prossem numer davent esa previs cha las cunferenzas surpiglian la respunsabiltà per la pagina rumantscha. Perche eir quia vala: Mantgnair quella nu vain gnanca discutà! Martin Mathiuet Geschätzter Martin Nach vielen Jahren und noch viel mehr Ausgaben des Bündner Schulblattes verlässt du die Redaktion des Bündner Schulblattes. Deine vielfältigen Engagements und Beziehungen zur Schule zeigten deutlich, dass Du den Schulalltag und die Nöte der Lehrpersonen in- und auswendig kennst. Du selbst bezeichnest die Schule als «ein Liebeskind». Dies sagt eigentlich alles und bedarf keiner weiteren Erklärungen. Wir sind sicher, dass Dein Engagement – insbesondere für die Schule – auch im Regionalparlament Surselva und somit in der Bündner Politik spürbar bleiben wird. Auf diesem Weg danken wir Dir für Deinen Einsatz und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft. Geschäftsleitung LEGR This document was created with Win2PDF available at http://www.win2pdf.com. The unregistered version of Win2PDF is for evaluation or non-commercial use only. This page will not be added after purchasing Win2PDF.