THEMA
INHALT
EDITORIAL
3
Wir sind unsere Lobby
THEMA
Ein gemeinsamer Lehrplan
für 21 Kantone
4
Interview mit
Kathrin Schmocker
6
Der erste Bündner
Bildungstag
8
PAGINA GRIGIONITALIANA
10
PAGINA RUMANTSCHA
11
PORTRAIT
Schwester Priska Füglistaler
12
AUS DER GESCHÄFTSLEITUNG
LEGR
Austauschtreffen
LEGR – EKUD
14
Reallohnerhöhung auch
für Lehrpersonen
17
Delegiertenversammlung 2008
in San Vittore
17
Engagement zeigen …
18
STUFENVERBÄNDE
20
AGENDA
22
DIES UND DAS
24
REZENSION
27
AMTLICHES
28
IMPRESSUM
31
Am 12. November 2008 wurden am
1. Bündner Bildungstag in Davos Fackeln entzündet. Es war ein Tag, an dem
Geselligkeit gepflegt wurde. Ein Tag, an
dem wir uns mit spannenden Referaten,
Wortspielereien, Musik und kulinarischen Leckerbissen verwöhnen liessen.
Ludwig Hasler plädierte für die Sinnlichkeit, wir erlebten sie. Das Gefühl der
Zusammengehörigkeit, das an diesem
Tag entstand, war wohltuend. Für einmal
wurde die grosse Anzahl Leute sichtbar,
welche sich an der Bildung im Kanton
Graubünden beteiligen. Mit 2000 Mitgliedern ist der LEGR einer der grössten
Berufsverbände des Kantons.
Die Bildungsdiskussion entzündet seit
längerem immer wieder neue Fackeln.
Aktuell stehen zwei gewichtige Vernehmlassungen an: auf nationaler Ebene
diejenige zum Deutschschweizer Lehrplan, auf kantonaler Ebene diejenige
zur Totalrevision des Schulgesetzes.
Beide Vorlagen stehen miteinander in
Zusammenhang. Mit der Totalrevision
des Bündner Schulgesetzes eröffnet
sich die Möglichkeit, unsere konkreten
Forderungen bezüglich Anstellungs- und
Arbeitsbedingungen einzubringen. Ich
denke da insbesondere an eine Reduktion der Pflichtpensen und an eine
Entlastung für Klassenlehrpersonen.
Die Schule scheint in einem steten
Wandel zu sein. Ich sehne mich gelegentlich nach «Entschleunigung», nach
Temporeduktion. All diesen Veränderungen lustvoll zu begegnen, stellt eine
Herausforderung dar. Fit bleiben wird
darum immer wichtiger und schwieriger.
Die Aussagen von Esther Artho in
diesem Schulblatt helfen dabei.
Die anstehenden Reformen verlangen,
dass wir gemeinsam auftreten. Dabei ist
die Meinung jeder Lehrperson gefragt,
es ist wichtig, dass Lehrpersonen am
Entscheidungsprozess teilhaben. Durch
einen geeinten Auftritt der Lehrpersonen aller Schulstufen können wir uns
gestärkt der Öffentlichkeit präsentieren
und für eine starke Bündner Volksschule
einstehen.
Ich wünsche mir eine faire und sachliche Auseinandersetzung mit den anstehenden Bildungsthemen. Ich wünsche
mir eine Partizipation der Lehrpersonen.
Nur damit können wir etwas erreichen,
denn wir selbst sind unsere Lobby. Mit
dem erfolgreichen gemeinsamen Auftritt
am Bildungstag haben wir ein starkes
Zeichen gesetzt. Das Feuer wurde entfacht. Wir wollen es nun weitertragen,
um unsere Anliegen durchzusetzen.
Sandra Locher Benguerel
BÜNDNER SCHULBLATT | Februar 2009
Ein gemeinsamer Lehrplan
Erstmals soll ein gemeinsamer Lehrplan für alle 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone entstehen. Der neue Lehrplan vereinheitlicht die Ziele
und Inhalte für den Unterricht an der Volksschule und leistet damit einen
wichtigen Beitrag zur Harmonisierung der obligatorischen Schule. Der neue
Lehrplan basiert auf den bestehenden Lehrplänen und bezieht den aktuellen
Stand der fachdidaktischen Diskussion ein. Er trägt den Namen Lehrplan 21.
VON DANIELLE SILBERSCHMIDT
BILDUNGSDIREKTOREN-KONFERENZ ZENTRALSCHWEIZ
HarmoSBildungsbereiche
Fachbereiche Lehrplan
1
2
1. Zyklus
3
4
5
2. Zyklus
6
7
8
9
3. Zyklus
10
11
2. Fremdsprache
Sozial- und
Geisteswissenschaften
Mathematik
Mathematik
Natur und Technik
(mit Physik, Chemie, Biologie)
Natur,
Mensch,
Gesellschaft
(NMG)
Wirtschaft, Arbeit, Haushalt
(mit Hauswirtschaft)
Räume, Zeiten, Gesellschaften
(mit Geografie, Geschichte)
Ethik, Religionen, Gemeinschaft
(mit Lebenskunde)
Musik, Kunst
und Gestaltung
Bewegung und
Gesundheit
Gestalten
Bildnerisches Gestalten
Textiles und
technisches Gestalten
Musik
Musik
Bewegung und Sport
Bewegung und Sport
Gesundheit => überfachliches Thema
Überfachliche Kompetenzen
Mathematik und
Naturwissenschaften
Überfachliche Themen
1. Fremdsprache
– ICT/Medien – Berufliche Orientierung – Nachhaltige Entwicklung – Politische Bildung – Gesundheit
Schulsprache
Sprachen
Personale, soziale und methodische Kompetenzen
4
Zusätzliche kantonale Bildungsangebote
Bis vor kurzem war es selbstverständlich, dass (fast) jeder Kanton einen
eigenen Lehrplan hat. Die drei deutschsprachigen EDK-Regionalkonferenzen
(NW EDK, EDK-Ost und BKZ)1 haben im
Jahr 2004 zur Diskussion gestellt, einen
gemeinsamen Lehrplan für die Deutschschweiz zu erarbeiten. Nachdem die
Kantone positiv darauf reagiert hatten,
konnten Ende 2006 die Arbeiten am
THEMA
5
für 21 Kantone
sungsmässige Verpflichtung ein, die
Projekt Deutschweizer Lehrplan aufgeZiele der Schule zu harmonisieren.
nommen werden. Das Projekt wurde
Zudem werden mit dem gemeinsamen
in zwei Teile aufgeteilt: In einer ersten
Phase wurden die Grundlagen des Lehr- Lehrplan Mobilitätshindernisse für
Familien mit schulpflichtigen Kindern
plans entwickelt und danach soll der
und Lehrpersonen weiter abgebaut. Die
Lehrplan erarbeitet werden. AnschliesZusammenlegung der Kräfte optimiert
send führen die Kantone den Lehrplan
den Einsatz der finanziellen Mittel im
ein. Die Grundlagen für den sprachregionalen Lehrplan liegen nun vor und sind Bereich der ohnehin fälligen Anpassung
der Lehrpläne. Sie bündelt zudem das
bis Ende Mai in der Vernehmlassung.
fachdidaktische Know-how und ermögNach Abschluss der Vernehmlassungsauswertung wird der Lehrplan erarbeitet. licht die Partizipation der Lehrpersonen
in der Deutschschweiz. Der neue LehrIn der Westschweiz wurde bereits ein
Lehrplan ausgearbeitet, der im Schuljahr plan wird ein praxisnahes, gebrauchsfertiges Produkt sein. Die Bezeichnung des
2009/2010 eingeführt werden soll.
neuen Lehrplans lautet in Anlehnung
an die 21 Projektkantone und das 21.
Jahrhundert Lehrplan 21.
Grundlagen für den neuen
Lehrplan sind erarbeitet
Für die Erarbeitung der Grundlagen
wurde eine Projektorganisation gebildet,
die Entscheidungsträger aus der Politik
sowie Fachleute aus Wissenschaft,
Schulpraxis und den Bildungsverwaltungen der Kantone einbindet.2 Rund
zwei Jahre lang hat die Projektgruppe an
den Grundlagen des Lehrplans gearbeitet. Diese Konzeptarbeit wurde in
regelmässigen Abständen von der breit
abgestützten Begleitgruppe reflektiert,
in welcher alle Kantone vertreten sind.
Die 21 Deutschschweizer Kantone3
lösen mit diesem Lehrplan die verfas1
Nordwestschweizerische ErziehungsdirektorenKonferenz, Erziehungsdirektoren-Konferenz der
Ostschweizer Kantone und des Fürstentums
Liechtenstein sowie die BildungsdirektorenKonferenz Zentralschweiz
2 Die Projektorganisation finden Sie auf
www.lehrplan.ch.
3 Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell
Innerrhoden, Basel-Landschaft, Basel Stadt,
Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Luzern,
Nidwalden, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz,
Solothurn, St. Gallen, Thurgau, Uri, Wallis, Zug,
Zürich.
Der neue Lehrplan umfasst elf Jahre: die
Zeit von zwei Jahren Kindergarten und
neun Schuljahren. Er beschreibt das
Bildungsangebot für den Pflicht- und
Wahlpflichtbereich der obligatorischen
Schulzeit. Der Lehrplan 21 baut auf den
bestehenden Lehrplänen auf und bezieht den aktuellen Stand der fachdidaktischen Diskussion ein. Auf den traditionellen Begriff der Fächer wird verzichtet,
da der Begriff Fachbereich den heute
üblichen breiten Zugang der Schule
zu den Phänomenen der Welt genauer
ausdrückt. Der Lehrplan gliedert sich in
die Fachbereiche gemäss Darstellung
Seite 4.
Bei den Sprachen hat der Kanton Graubünden je nach Region eine abweichende Lösung. Dies macht zusätzliche
Fachbereichslehrpläne nötig, die im
Rahmen des Lehrplanprojekts erarbeitet
werden.
Der neue Lehrplan orientiert sich an
Kompetenzen. Er beschreibt, was alle
Schülerinnen und Schüler wissen und
können müssen. Der Lehrplan wird
Mindesterwartungen an das Können
aller Schülerinnen und Schüler festlegen und überdies für leistungsfähigere
Lernende entsprechende weitergehende
Erwartungen und Angebote enthalten.
Weiteres Vorgehen
Nach dem 31. Mai 2009 werden die
Rückmeldungen der Vernehmlassung
systematisch ausgewertet und fliessen in den Grundlagenbericht ein. Auf
dieser Basis startet die Erarbeitung des
Lehrplans. Anschliessend erarbeiten
Lehrplanteams die Inhalte des Lehrplans. Diese Teams setzen sich aus
Fachpersonen aus Fachdidaktik sowie
Lehrpersonen aus der Schulpraxis
zusammen. Die unterschiedlichen Interessengruppen können sich während
der Erarbeitungsphase in Hearings
einbringen. Ab Sommer 2012 werden
die ersten Kantone den Lehrplan 21
einführen.
Lehrpersonen können sich via Geschäftsstelle LEGR ebenfalls an der Vernehmlassung
beteiligen. Inputs sind bis Ende Februar an die
Geschäftsstelle LEGR zu richten:
[email protected]
Alle Unterlagen zur Vernehmlassung
(Vernehmlassungsbericht, Fragebogen,
Vernehmlassungspartner) finden Sie auf
www.lehrplan.ch/vernehmlassung.
6
BÜNDNER SCHULBLATT | Februar 2009
Interview mit Kathrin Schmocker stv.
VON JÖRI SCHWÄRZEL, LEITER GESCHÄFTSSTELLE LEGR
Was ist neu am Lehrplan 21?
Neu ist, dass es nur noch einen
Lehrplan für alle Kantone der Deutschschweiz geben wird. Und das für alle
elf Schuljahre inklusive Kindergarten.
Zudem wird der neue Lehrplan den
Bildungsauftrag an die Schulen kompetenzorientiert abfassen. Mit der Kompetenzorientierung verändert sich die
Sichtweise auf den Unterricht. Lernen
wird verstärkt als aktiver, situativer
und konstruktiver Prozess verstanden.
Schülerinnen und Schüler erwerben
Wissen und Fähigkeiten, die sie in unterschiedlichen Situationen anwenden und
umsetzen lernen. Immer wieder müssen
im Unterricht deshalb anspruchsvolle
Anwendungs- und Lernsituationen
geschaffen werden.
Ein Akzent wird mit dem Fachbereich
Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (mit Hauswirtschaft) auf Sekundarstufe I gesetzt.
Themen wie Geld, Konsum, Arbeit und
Freizeit, Haushalt, Ernährung, Rohstoffe,
Umgang mit Ressourcen und weitere
Wirtschaftsfragen sollen verstärkt Eingang in die Schule finden.
Wie ist der Lehrplan 21 zur
neuen Stundenverteilung
gekommen? Worauf hat sich
das Projekt abstützen können?
Gleich zu Beginn eine Klärung: Der
Lehrplan 21 verteilt keine Stunden! Das
tun weiterhin die Kantone. Sie legen die
Stundentafeln für ihre Schulen fest. Im
Lehrplanprojekt erhalten die Lehrplanteams lediglich Planungsannahmen, mit
welchem Zeitbudget pro Fachbereich
zu rechnen ist. Dieser Orientierungs-
THEMA
7
Projektleiterin Lehrplan 21
rahmen soll es ermöglichen, die Ziele
des Lehrplans realistisch zu setzen.
Diese Planungsannahmen beruhen auf
einer Analyse der heutigen Stundentafeln der 21 Projektkantone.
Welche Bereiche müssen
Federn lassen?
Nochmals: der aktuelle Lehrplan macht
nur zeitliche Vorgaben für die Lehrplanteams, die die Ziele und Inhalte des
Lehrplans erarbeiten. Diese Vorgaben
orientieren sich am Durchschnitt aller
Stundentafeln der Deutschschweiz. Ich
kann also nicht sagen, welche Auswirkungen dies auf die kantonalen
Stundentafeln haben wird.
Angebot. In diesen Fachbereichen
werden von vielen Kantonen zusätzliche,
frei wählbare Lektionen angeboten. Im
Fachbereich Bewegung und Sport werden gemäss den Vorgaben des Bundes
drei Lektionen pro Woche angenommen.
wird in vielen Fachbereichen bereits
an Lehrmitteln gearbeitet, die sich an
Kompetenzen orientieren. Während der
Erarbeitung des Lehrplans wird die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen
für die Lehrmittel verstärkt gesucht,
damit eine gute Passung zwischen Lehrplan und Lehrmitteln gewährleistet ist.
Wird der Lehrplan 21
sprachenlastig?
Kaum sprachenlastiger als bisherige
Lehrpläne. Die Sprachenstrategie
der EDK mit zwei Fremdsprachen an
der Primarschule ist in kantonalen
Parlamentsentscheiden sowie Volksabstimmungen bestätigt worden. Die
Sprachenstrategie der Kantone ist für
den Lehrplan eine Vorgabe.
Die prozentuale Verteilung der Planungsannahmen pro Fachbereich unter- Wer erarbeitet den Lehrplan
scheidet sich kaum von den Ergebnissen 21? Wie können Lehrpersonen
der Analyse der Stundentafeln der
bei der Entstehung des neuen
Kantone. Einzig im Bereich der Natur-,
Lehrplans mitreden?
Sozial- und Geisteswissenschaften wird
eine Schwerpunktbildung vorgenommen. Uns ist der Einbezug der LehrperEinerseits sind die Naturwissenschaften sonen sehr wichtig. Deshalb sind die
gemäss PISA-Studie zeitlich eher
Lehrkräfte auch bereits in die jetzige
knapp dotiert. Andererseits sind viele
Projektorganisation eingebunden. Auch
Aspekte der überfachlichen Themen in
zur Vernehmlassung der Grundlagen
diese Fachbereiche zu integrieren, was
können die Lehrkräfte über die kantoentsprechende Zeitgefässe erfordert.
nalen Lehrerorganisationen Stellung
Mathematik wird leicht gesenkt. Dies ist nehmen. Der Lehrplan wird anschliesvertretbar, da die Ergebnisse bezüglich
send von Teams erarbeitet, die sich aus
der Mathematikleistungen in den PISAFachpersonen aus Fachdidaktik sowie
Studien 2000–2007 insgesamt zufrieLehrpersonen aus der Schulpraxis
denstellend waren und mathematische
zusammensetzen.
Fragen und deren Bearbeitung auch in
den naturwissenschaftlichen Fächern
Eingang finden. In den Bereichen
Was bedeutet der Lehrplan 21
Gestalten, Musik und Hauswirtschaft
für die Lehrmittel?
machen die Planungsannahmen nur
Aussagen zum Pflicht- und WahlpflichtDie Abstimmung von Lehrplan und
bereich, nicht aber zum frei wählbaren
Lehrmitteln ist notwendig. Zurzeit
Was bleibt auch mit dem
Lehrplan 21 noch offen?
Wo hat die einzelne Lehrperson selbst noch
Gestaltungsmöglichkeiten?
Der Lehrplan gibt nur die Ziele vor, die
zu erreichen sind. Der Weg dahin liegt
weiterhin im Gestaltungsfreiraum der
Lehrpersonen. Sie wählen die dafür
geeigneten Methoden und Vorgehensweisen. Zudem wird der Lehrplan so
gestaltet, dass nur 85 Prozent der
Zeitanteile mit Inhalten gefüllt werden.
Die restliche Zeit steht den Schulen und
den Lehrkräften zur Verfügung.
Danke bestens für das Interview.
Kathrin Schmocker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Deutschschweizer Lehrplan und stellvertretende Projektleiterin. Bevor
sie im Sommer 2007 zum Projekt Deutschschweizer Lehrplan gestossen ist, war sie
knapp zehn Jahre lang an der pädagogischen
Fachstelle im Erziehungsdepartement BaselStadt tätig. Kathrin Schmocker ist ursprünglich Primarlehrerin und hat Kunstgeschichte,
Pädagogik und Germanistik studiert.
8
BÜNDNER SCHULBLATT | Februar 2009
Der erste Bündner Bildungstag entsprach
Auf Einladung des Verbandes Lehrpersonen Graubünden LEGR fanden sich am 12. November 1200 interessierte
Personen aus dem Bereich Bildung im Kongresszentrum in Davos ein. Gefeiert wurden 125 Jahre LEGR. Ein rundum gelungener Anlass mit interessanten Referaten, Musik, Kabarett, feinem Essen und vielen Gesprächen.
TEXT UND FOTOS VON MARIETTA KOBALD
«Bienenstock» war der erste Gedanke
beim Betreten der Halle im Kongresszentrum. Es herrschte ein unglaubliches
Gewusel und Geschnatter. 1200 Personen aus dem Bildungsbereich trafen
sich. Man unterhielt sich in Gruppen,
bei Kaffee und Gipfeli, scherzte und
lachte oder begrüsste sich herzlich mit
Worten wie: «Hallo, schon lange nicht
mehr gesehen.»
Bereit, die Herausforderung
anzunehmen
Die Gespräche mussten bald einmal
unterbrochen werden, Bildung war angesagt. Den lockeren Einstieg übernahm
Sängerin Letizia Gemsch mit ihren
zwei Musiker-Kollegen. LEGR Präsident
Fabio Cantoni zeigte sich erfreut über
das grosse Interesse am 1. Bündner
Bildungstag. Unter dem Titel «Bildung
schafft Zukunft», stellte Cantoni eine mit
den anderen Bündner Bildungsverbänden ausgearbeitete Resolution vor: «Alle
Kinder sollen unabhängig vom sozialen
Stand, vom Geschlecht, der Religion
oder der Ethnie am Prozess der Bildung
teilhaben können. Schule und Eltern unterstützen eine aktive Zusammenarbeit
und zeitgemässe Strukturen; motivierte
Lehrpersonen und qualifizierte Fachpersonen ermöglichen ein gemeinsames, aktives Lernen.» Ihre Bereitschaft,
die Herausforderungen anzunehmen,
welche der gesellschaftliche Wandel an
die Schule stellt, bezeugten die Anwesenden, indem sie sich – wahrscheinlich
ohne Ausnahme – erhoben.
THEMA
9
einem echten Bedürfnis
Wiedersehen in zwei Jahren
Der höchste Chef der Bildungsverantwortlichen, Regierungsrat Claudio Lardi,
machte darauf aufmerksam, dass die
Bedeutung der Arbeit der Lehrpersonen
in der Öffentlichkeit nicht immer richtig
wahrgenommen wird, und dass die
Mehrheit von ihnen diese bedeutsame
und schwierige Aufgabe tagein, tagaus
mit grosser Begeisterung und ebenso
grosser Kompetenz meistert. Zur Freude
aller Anwesenden versprach Lardi, dass
der zweite Bildungstag im Jahr 2010
durch das EKUD ausgerichtet werden
soll.
Während der folgenden Stunde vermochte der Referent Ludwig Hasler,
Publizist und Philosoph, mit seinem
Plädoyer für mehr Sinnlichkeit in Schule
und Bildung, vorgetragen voller Biss und
Schalk, die Aufmerksamkeit aller mehr
als aufrecht zu erhalten. «Ein gesundes
Selbstvertrauen», sagte er, «ist ungleich
wichtiger für die Schüler als einzelne
Verstandesoperationen.» «Ich kann das»,
Neugier und eine gewisse Frechheit
müssten Schülerinnen im Lehrer vorgelebt sehen.
Nahrung nicht nur für den
Geist
Nach der geistigen Nahrung die körperliche. Stehlunch war angesagt. Dieser
entpuppte sich als kulinarisch äusserst
vielseitig und fand reissenden Absatz.
Vom Salatbuffet zu den Hauptspeisen
mit frisch gebratener Rösti, unzähligen
Fleischgerichten und Gemüse bis zum
Dessertbuffet mit Fruchtsalat, Törtchen
und nur für kurze Zeit sichtbaren MiniCremeschnitten. Dabei kamen auch
die Gespräche nicht zu kurz, und einig
waren sich alle Angesprochenen, dass
der erste Bildungstag einem echten Bedürfnis entsprach. «Man weiss manch-
mal nicht mehr, wer in der eigenen
Gemeinde Unterricht gibt», sagte ein
Anwesender.
Zurück zum Geist. Der Journalist und
Filmproduzent Reinhard Kahl aus Hamburg gab in seinem Referat und mit Filmausschnitten Einblick in Schulen, die mit
ihrer eher unternehmerischen Art des
Unterrichts oft mehr erreichen, als solche mit herkömmlichen Methoden. Kahl
plädierte für «Fackeln entzünden, statt
Fässer füllen». Der allseits bekannte
Spruch «Aus Fehlern lernt man» findet
bei ihm ebenso Zustimmung wie «Gute
Schulen lernen von den Problemen ihrer
Schüler».
Den Abschluss dieses Tages und die
Auflockerung der nach dem Referat von
Kahl etwas nachdenklich dasitzenden
Teilnehmer übernahm das Theaterkabarett Birkenmeier Vogt mit ihrem
fulminanten Programm «Die Schule ist
eine Erkläranlage».
10
BÜNDNER SCHULBLATT
PAGINA
GRIGIONITALIANA
| Februar 2009
La formazione crea il futuro
TRADUZIONE DI GERRY MOTTIS
Risoluzione riguardante la 1a
giornata grigionese di formazione
«estraneo e famigliare» a Davos
Cambiamenti sempre più considerevoli
nella società e nell’economia rendono la
formazione un bene di crescente interesse. Essa assicura in futuro opportunità di
vita e di lavoro a tutti i ragazzi. Nel nostro
Cantone la formazione è una delle risorse
sociali ed economiche più importanti. Essa
permette alle future generazioni di assumersi responsabilità in ambito economico,
politico e sociale, formando la personalità
e rafforzando le persone in merito alle sfide
della vita quotidiana.
Anche la scuola pubblica grigionese è
esposta a questi cambiamenti. In questo
ambito, essa deve continuamente porsi
delle domande e modernizzarsi. Questi
processi producono nuove sfide per tutti gli
attori interessati, dal momento che avvenimenti estranei prendono il posto di soggetti
famigliari, originando insicurezza.
Queste trasformazioni producono ciononostante e al contempo nuove possibilità,
favorendo lo sviluppo della scuola pubblica
e la realizzazione dei suoi obiettivi più
importanti, quali rendere accessibile a tutti
i bambini del Canton dei Grigioni, indipendentemente dal loro luogo di domicilio, una
formazione di base.
Affinché la scuola possa garantire un
futuro ai nostri ragazzi e promuovere
un valore aggiunto per la società
grigionese, tutti i politici nei Comuni
e in Gran Consiglio, assieme a
tutte le istituzioni scolastiche ma
anche alla società in generale, sono
chiamati a sostenere le seguenti
condizioni quadro:
Imparare assieme
Tutti i ragazzi hanno il diritto di partecipare
al processo di formazione, indipendentemente dal loro stato sociale, dal loro sesso,
dalla loro appartenenza religiosa o etnica.
Le strategie di insegnamento integrativo
sono in quest’ambito una risposta all’aumento di eterogeneità nelle classi.
Scuola e genitori assieme
I genitori sono motivati ad eseguire i loro
compiti nell’ambito formativo e in maniera
ancora più accentuata. La scuola e i genitori sostengono una collaborazione attiva.
Le strutture scolastiche giornaliere, che
rispondono alle esigenze delle famiglie,
servono a quelle che le vogliono o che le
devono usare. Inoltre, queste sono necessarie onde permettere a diversi ragazzi una
vera possibilità di studio e di apprendimento, che favorisca pure i genitori nei loro
importanti compiti di sostegno.
Strutture adeguate ai tempi nelle
singole scuole
La scuola è luogo di insegnamento e di
vita per i ragazzi e per il personale di
insegnamento. Un’infrastruttura adeguata
e una dimensione della classe opportuna
permettono un apprendimento congiunto
e attivo. Direzioni scolastiche professionali
sostengono e accompagnano gli insegnanti
nel loro compito di formazione e di educazione.
Insegnanti motivati e capaci di
entusiasmare
Il puntuale lavoro degli insegnanti presuppone un apprendimento duraturo e continuo negli anni, nonché molto idealismo.
Per questo motivo, si auspicano condizioni
di lavoro e d’assunzione giuste, corrette e
adeguate ai tempi, a favore del personale
di insegnamento. Di conseguenza, sono
necessari dei salari equiparabili a livello
federale e una possibilità d’apertura su una
vasta formazione continua.
Insegnanti motivati portano infine nella
scuola grande entusiasmo, funzionale ad
animare i ragazzi e i giovani nell’apprendimento attivo.
Sostegno attraverso persone
competenti
Le molteplici esigenze e la varietà di necessità dei ragazzi richiedono molto alla scuola.
Per poter realizzare in maniera adeguata il
concetto grigionese di Pedagogia specializzata è necessario un sostegno funzionale
agli insegnanti, attraverso persone competenti e qualificate, oltre ad un’offerta di
promozione in loco garantita.
I partecipanti alla 1a prima giornata
di formazione grigionese sono
pronti ad accettare le sfide che la
società in evoluzione pone loro. In
questo ambito, essi devono poter
valersi delle condizioni quadro
sopraelencate.
I partecipanti sono disposti a
mettersi a disposizione con grande
impegno per la realizzazione di un
futuro a favore dei nostri ragazzi.
Davos, 12 novembre 2008
Contatto:
[email protected]
www.gmottis.ch
THEMA RUMANTSCHA
PAGINA
11
Fuormaziun rumantscha alla scoula ota da pedagogia SAP
VON JOHANNES FLURY
Eu dod minchatant plants reguard la
fuormaziun da las studentas e dals
students da la SAP impustüt reguard
la lingua materna. Chi nu sapchan
inandret rumantsch, chi capitan
massa blers sbagls cur chi scrivan e
cha’l s-chazi da pleds nu saja grand
avuonda.
Quists plants sun güstifichats, almain per
part. E quist artichel nu voul defender la
SAP (sch’eu less scriver üna defaisa, schi
füss’la inamöd plütost per las studentas),
ma simplamaing spiegar la situaziun.
Il cas il plü ideal es cha inchün crescha
sü in üna famiglia ingio chi vain discurrü
rumantsch, va lura in üna scoula
rumantscha e vain a la SAP davo üna
maturità bilingua, tudais-ch – rumantsch.
Dafatta in quel cas resta amo il fat ch’el
ha dudi bleras chosas p.ex. d’istorgia, da
geografia e.u.i. be in tudais-ch e fand seis
prüms pass illa scoula sto’l tradüer bler e
tscherchar il vocabulari adattà. Ma quai es
uschè daspö decennis.
Quai chi ha müdà es cha quist cas ideal
exista be amo in duos o trais exemplars per
annada. Bler plü «normal» sun biografias
linguisticas chi partan d’ün dachasa tudaisch ed üna scoula rumantscha, e lura üna
scoula media dal tuot tudais-cha, o da
la situaziun d’inchün giò la Bassa chi ha
discurrü a chasa rumantsch, ma chi mai
nun ha gnü üna lecziun da rumantsch. Scha
quista giuvna less uossa davo la maturità
giò Turich far la SAP a Cuoira – che esa
da far? Tilla refüsar perche ch’ella ha
fadia scrivand rumantsch? Sco dit scha
no acceptain be amo quellas studentas
chi accumplischan tuot las normas lura
pudaina fingià uossa redüer il numer
talmaing chi nu cunvain plü da fuormar
magisters rumantschs.
Scha no lain mantgnair quella fuormaziun –
e quai es nossa ferma vöglia – lura stuvain
acceptar eir interessentas ed interessents
cun biografias linguisticas incumpletas.
E lura as muossa üna seguonda difficultà:
La SAP cul nouv sistem nu dà plü lingua o
matematica o biologia, ma be amo didactica da linguas, da matematica, da biologia.
Voul dir, ils rams üsitats nu daja gnanca
plü, no stuvain ans fidar cha quai es gnü
fat dürant la scoula media. Uschè pudaina
gualivar oura ed implir las loccas existentas
be amo cun lavur suplementaria dals
singuls. No ans lubin da correger texts, no
dain eir tips co chi’s pudess megldrar la
cumpetenza linguistica. Ma tuot quai sto
gnir fat dürant il temp liber.
Eu n’ha fingià dudi cha quai contrastescha
ferm cul fat cha per talian ed inglais vegnan
pretais uossa standards ter ots e chi’s
stuvess tantüna dumandar tals standards
eir illa lingua materna. Quist argumaint
ans ha persvas e perquai vaina introdüt
a la fin dal prüm an ün examen linguistic
illa prüma lingua, pels rumantschs vain
quai fat in rumantsch e tudais-ch perche
ch’els tschüffan a la fin dal stüdi ün diplom
dubel. Quist examen es pretenzius, no vain
gnü divers resultats negativs e cun quai
repetiziuns da quel.
Scha no lain melgdrar la situaziun lura voula
sforzs da tuot las varts, da la SAP, da las
studentas e dals students, dals magisters
da practicum e dals collegas. Güdar es
meglder co güdichar. Ma i resta üna senda
difficila tanter pretender e güdar, tanter
giavüschar chi fetschan la fuormaziun
rumantscha e scumandar ingio chi nun es
pussibel.
Mantgnair il rumantsch dumanda ün
masdügl da fermezza e toleranza ed es üna
lavur chi nu finischa mai. Üna persuna chi
sa quai e chi viva quai es Martin Mathuiet,
l’autur da quista pagina daspö ans. El
ha giavüschà da’s retrar uossa da quista
fatschenda. La redacziun ha stuvü acceptar
quai e til ingrazcha da cour per las bleras
lingias ch’el ha savü implir cun texts da
qualità. Grazia fich, Martin o cun la bella
expressiun sursilvana Dieus paghi!
La pagina actuala es simplamaing ün
passagi. Dal prossem numer davent esa
previs cha las cunferenzas surpiglian la
respunsabiltà per la pagina rumantscha.
Perche eir quia vala: Mantgnair quella nu
vain gnanca discutà!
Martin Mathiuet
Geschätzter Martin
Nach vielen Jahren und noch viel mehr
Ausgaben des Bündner Schulblattes
verlässt du die Redaktion des Bündner
Schulblattes. Deine vielfältigen Engagements und Beziehungen zur Schule
zeigten deutlich, dass Du den Schulalltag
und die Nöte der Lehrpersonen in- und
auswendig kennst. Du selbst bezeichnest
die Schule als «ein Liebeskind». Dies
sagt eigentlich alles und bedarf keiner
weiteren Erklärungen.
Wir sind sicher, dass Dein Engagement
– insbesondere für die Schule – auch im
Regionalparlament Surselva und somit in
der Bündner Politik spürbar bleiben wird.
Auf diesem Weg danken wir Dir für Deinen Einsatz und wünschen Dir alles Gute
für die Zukunft.
Geschäftsleitung LEGR
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