Die Schuldigkeit des ersten Gebots, K. 35 L’obbligo del primo comandamento CD 1 Der Ort der Vorstellung ist eine anmutige Gegend an einem Garten und kleinen Wald. Der laue Christ in einem Blumengesträuche schlafend. La scena della rappresentazione è un paesaggio ameno presso un giardino e un boschetto. Il cristiano tiepido sta dormendo in un cespuglio di fiori. 1 Sinfonia Sinfonia 2 Rezitativ GERECHTIGKEIT: Die löblich’ und gerechte Bitte, die du dem Heil der Sterblichen zu gut mitleidend mir hast vorgebracht, ist mir zwar angenehm, doch bin ich nicht bedacht, den faulen Knechten zu verschonen: du weiβt, mein ist, die Frommen zu belohnen und jene abzustrafen, wenn sie durch Büβen und Bereuen sich nicht der Schuld befreien; und dies geschieht durch unverdiente Gnade, die nur des Höchsten Güte allein gewähren kann, so wie es ihr gefällt. Recitativo GIUSTIZIA: La prece giusta e commendevole che a pro’ della salute dei mortali pietoso mi hai recato, molto mi piace, ma non ho in animo il servo pigro di risparmiare: sai che a me tocca il pio ricompensare e castigar ciascuno che senza pentimento o espiazione non si sa dalla colpa liberare; e questo per la grazia immeritata, che la bontà soltanto dell’Altissimo a suo piacer concede. CHRISTGEIST: Wohlan! so sei mein wiederholtes Fleh’n auf gleiche Weis’ an dich gestellt, o göttliches Erbarmen! SPIRITO CRISTIANO: Orsù! La reiterata mia supplica del pari a te rivolta sia, o divina Misericordia! BARMHERZIGKEIT: Was je erwartest du? MISERICORDIA: E che dunque t’attendi? CHRISTGEIST: Ach! Alles von deiner Huld und deinen Helferarmen. SPIRITO CRISTIANO: Ah! Tutto dalla tua grazia e dalle tue soccorrevoli braccia. BARMHERZIGKEIT: Und was bekümmert dich so sehr? MISERICORDIA: E che ti turba tanto? CHRISTGEIST: Ach, der bedauernswerte Stand, die Blindheit, die Gefahr der lauen Menschensöhne, die kleine Zahl, die sich bemüht zu gehn den schmalen Weg zum wahren Vaterland; die Menge, die zum öffnen Hollenschlund mit dem betörten Haufen auf breiter Blurnenstraβe laufen. Der schlaue Geist der Welt, der unter Blendewerk verhüllt die Sünden und Gefahren, entführet ganze Scharen. SPIRITO CRISTIANO: Ah, il deplorabil stato, la cecità, il periglio, dei tiepidi figli dell’uomo, il picciol numero di color che cercano l’angusto sentiero per la vera patria; i troppi che verso le fauci abissali d’inferno con la folla traviata camminano sul largo viale fiorito. Lo scaltro spirito mondano, che occulta sotto l’illusione i peccati e i pericoli, seduce schiere d’uomini. 3 4 Nr. 1, Arie CHRISTGEIST: Mit Jammer muβ ich schauen unzählig teure Seelen in meines Feindes Klauen den Untergang erwählen, wenn deine Wunderkraft nicht Heil, nicht Rettung schafft. N.1, Aria SPIRITO CRISTIANO: Con duol devo vedere tra quei nemici artigli anime senza numero andare in perdizion, se tua virtù mirabile salute non arreca. Ihr zügelfreier Sinn, gleich ausgebrochnen Flüssen, die schäumend sich ergieβen, reiβt nach den tausend hin. I lor sensi disfrenati, come fiumi straripati che spumando si riversano, le migliaia seco traggono. Rezitativ BARMHERZIGKEIT: So vieler Seelen Fall ist zwar mit allem Fug beweinungswürdig anzusehn, doch ist es selbst ihr Will’, daβ sie zu Grunde gehn. Das erste, gröβte, ja das wichtigste Gebot: aus ganzer Seel’, aus Herz und Kräften zu lieben ihren Herrn und Gott, scheint ihrem trägen Sinn gleich einer Last zu sein. Recitativo MISERICORDIA: Anche se la caduta di tante anime è senza dubbio vista lacrimevole, è pur sempre la loro volontà che li manda in rovina. Il primo, il massimo, il sommo precetto: con tutto il cuore, l’anima e le forze amare il Signore e Dio tuo pare al loro spirito neghittoso un peso troppo grave. GERECHTIGKEIT: Flöβt ihnen der Verstand, ja endlich die Natur nicht diese Pflicht als Kindern ein, weil er als Vater sie aus Nichts gebildet hat, weil er sie schützet, liebet, nähret und ewiglich belohnet? GIUSTIZIA: Ma la loro ragione o almeno la natura non ispira quest’obbligo filiale; ché come padre Ei li formò dal nulla, li protegge, li ama, li nutrisce, e in eterno li premia? BARMHERZIGKEIT: Ist er denn nicht das einzig wahre Gut, mithin auch höchster Liebe wert? MISERICORDIA: Non è forse il vero bene e di sommo amore degno? GERECHTIGKEIT: Pracht, Wollust, Eigennutz und eitler Ehre Schein sind die gemeinen Götzen, die sie dem Schöpfer gleich, ja höher schätzen. GIUSTIZIA: Voluttà, fasto, egoismo e splendor di vanagloria, sono gl’idoli insulsi che al Creator pareggiano e ancor pongono innanzi. BARMHERZIGKEIT: Derselben Ausspruch gilt viel mehr als Gottes Wort. MISERICORDIA: I loro detti stimano assai più del Verbo divino. GERECHTIGKEIT: Sie wenden nur nach deren falschen Schimmer die blöden Augenlichter, und schauen doch sich selber nicht, noch Himmel, Hölle, Tod und Richter. GIUSTIZIA: Solo al vano splendore volgono il debil guardo, ma non veggon se stessi, né il ciel, l’abisso, il giudice e la morte. BARMHERZIGKEIT: Sie lieben die Unwissenheit der Lehre ihres Heils und ihrer Schuldigkeit. MISERICORDIA: Amano la stoltezza dei maestri, che trascurano di predicare salute e dovere. GERECHTIGKEIT: Wenn sie auf solche Weise noch Beispiel der Belohnten, noch der Bestraften wollen sehen, GIUSTIZIA: Se dunque in tale guisa rifiutan di vedere l’esempio dei puniti e dei premiati, 5 6 7 BARMHERZIGKEIT: wenn sie mein Rufen, mein Ermahnen nicht wollen hören, noch verstehen, MISERICORDIA: se i miei richiami, i miei moniti, non voglion udire né comprendere, GERECHTIGKEIT: so kann Gerechtigkeit sie nicht der Schuld entbinden, GIUSTIZIA: più non li può Giustizia dalle lor colpe assolvere, BARMHERZIGKEIT: so kann Barmherzigkeit für sie kein Mittel finden. MISERICORDIA: non può Misericordia rimedio a lor trovar. Nr. 2, Arie BARMHERZIGKEIT: Ein ergrimmter Löwe brüllet, der den Wald mit Forcht erfüllet, rings herum nach Raube sieht. N.2, Aria MISERICORDIA: Rugge leon furente le selve sgomentando e ovunque cerca preda. Doch der Jäger will noch schlafen, leget hin die Wehr, die Waffen, achtet Schutz und Helfer nicht. Ma il cacciator pur dorme tra l’armi al suolo sparse e soccorso non reca. Rezitativ BARMHERZIGKEIT: Was glaubst du, wird man wohl mit vielem Trauern desselben schnöden Tod bedauern? Recitativo MISERICORDIA: Credi tu forse che molto sarà pianta la sua ignobile morte? GERECHTIGKEIT: Anstatt ihn zu beklagen, wird man von ihm ja billig sagen, sein Eigensinn sei Schuld daran? GIUSTIZIA: Invece di compiangerlo, di lui si dirà non a torto: ne fu cagione il suo ostinato spirto. CHRISTGEIST: Daβ sie zu sorgenlos und wie betäubet sind, ist leider allzu wahr. Doch ist denn keine Art von Mitteln zu ergründen? Es würde des Verstandes Licht vielleicht sich bald in seiner Helle finden, und der verkehrte Will’ sich bald ergeben, wenn ihnen sichtbar sollte vor ihren Augen schweben das Pein- und Schrecken-bild des offnen Höllengrund, Begleitetes Rezitativ wenn aus so vieler Tausend Mund das gräβliche Geheul erschallte, wenn ein Verdammter sich aus seinem Grab erhebte, sie durch sein’ unbeglückten Fall des groβen Hauptgebot gemeβne Schuldigkeit, den Eifer, die Beflissenheit, die Wissenschaft des Heils zu lehren. SPIRITO CRISTIANO: Che sian troppo spensierati e presso che storditi questo è purtroppo vero. Ma che nessun rimedio sia dato di trovar? Della ragione il lume forse comparirebbe presto nel suo splendore; e presto arrenderebbesi la volontà insensata, se dinnanzi ai lor sguardi aperta si mostrasse la vista cruda e orrenda dell’abisso infernal. BARMHERZIGKEIT: Sie können dich, dein Beispiel und deine Wort’ durch ihrer Lehrer Stimme genug beschauen, kennen, hören. MISERICORDIA: Possono ben mirare a sufficienza conoscere e ascoltare te, il tuo esempio e il tuo verbo, attraverso la voce dei maestri. Recitativo accompagnato Se udisser gli alti gemiti di bocche senza numero, se sorgesse un dannato dall’avello, a mostrare coll’esempio del suo fallo infelice il debito del gran comandamento: lo zelo, la solerzia, e l’apprendere i mezzi di salute. 8 9 CHRISTGEIST: Ach, wenigest, laβ ein förchtliches Ermahnen in ihre lauen Herzen gehen. SPIRITO CRISTIANO: Ah, che almeno si mandi un monito severo ai cuori tiepidi. BARMHERZIGKEIT: Wohlan, es soll nach deinem Wunsch geschehen. MISERICORDIA: Ebbene, si farà quanto tu brami. GERECHTIGKEIT: Gerechtigkeit will dich hierin gewähren, doch muβ der Menschen Will’ mit mir beflissen sein, der Auserwählten Zahl zu mehren. Denn daβ ich ihren Willen zwinge, das kannst du nicht von mir begehren: es bleibet ihnen freigestellt, zu folgen meinem Ruf, zu fliehen jenen Weg, der führt zum weiten Höllenrachen. Sieh’, hier will ich die Probe machen an diesem Sterblichen, den falsche Sicherheit in tiefen Schlaf versenket hat. GIUSTIZIA: Giustizia anco il concede, ma dee l’umana voglia, me secondando, ambire ad aumentar lo stuolo degli eletti. Poi che lor voglie astringo, tanto non puoi richiedermi: rimetto al loro arbitrio se obbedire al mio cenno e schivar quel sentiero che conduce agli abissi ampi d’inferno. Guarda, qui voglio far subito prova, sopra questo mortale che falsa sicurezza ha addormentato in un profondo sonno. CHRISTGEIST: O, daβ doch jeden trägen Geist dein heilsames Erschrecken aus seinem Schlummer möcht’ erwecken! SPIRITO CRISTIANO: Ah, che ogni spirto inerte grazie a questo spavento salutare dal suo sonno si possa risvegliare! Nr. 3, Arie GERECHTIGKEIT: Erwache, fauler Knecht, der du den edlen Preis so vieler Zeit verloren, und doch zu Müh’ und Fleiβ, zur Arbeit bist geboren. Erwache, fauler Knecht, erwarte strenges Recht. N.3, Aria GIUSTIZIA: Svegliati, servo pigro! Tu che per tanto tempo perdesti il nobil premio; e pure a travagliarti con zelo e fatica fosti creato. Svegliati, servo pigro, aspro giudizio è qui. Es rufet Höll’ und Tod: Du wirst von deinem Leben genaue Rechnung geben dem Richter, deinem Gott! Te chiaman morte ed inferno, darai della tua vita l’esatto rendiconto al giudice divin! Rezitativ CHRISTGEIST: Er reget sich. Recitativo SPIRITO CRISTIANO: Si muove. BARMHERZIGKEIT: Er scheinet zu erwachen. MISERICORDIA: Par che alfine si desti. GERECHTIGKEIT: Nun kannst du hier verborgen sehn, ob meine Wort’ erwünschte Würkung machen. GIUSTIZIA: Adesso qui nascosto puoi vedere se avran miei detti il desiato effetto. (Barmherzigkeit und Gerechtigkeit begeben sich auf den Wolken von hinnen.) (Misericordia e Giustizia si involano sopra le nuvole.) CHRISTGEIST: Ich will das Beste hoffen. SPIRITO CRISTIANO: Vo’ sperar per il meglio. (Er verbirgt sich.) (Si nasconde.) 10 Begleitetes Rezitativ DER CHRIST: Wie, wer erwecket mich? Ich sehe niemand hier. War dieses Blendewerk? die Wahrheit oder Scherz? Tod, Hölle, Rechenschaft, ihr Sinne, saget mir ... Recitativo accompagnato CRISTIANO: Come, chi mi destò? Io qui non scorgo alcuno. Sarà stato un miraggio? È scherzo o verità? Morte, giudizio, inferno, ditemi voi, miei sensi... WELTGEIST: Was Rechenschaft? was Tod? was Hölle? was sollen diese Grillen sein? SPIRITO MONDANO: Che giudizio ? Che morte ? Che inferno? Cosa son questi grilli ? DER CHRIST: Freund! wie erwünschlich triffst du ein! CRISTIANO: Amico mio! Come opportuno giungi! CHRISTGEIST: (beiseite) (Nun hört er meinen Feind, o Ungelücke!) SPIRITO CRISTIANO: (a parte) (Or dà ascolto al nemico, ahi che sventura!) DER CHRIST: Ach Trost, ach Rat in meiner Seelennot! CRISTIANO: Deh, consiglio e conforto all’anima straziata! WELTGEIST: Was ist geschehn? SPIRITO MONDANO: Cos’è accaduto? DER CHRIST: Ein ungewohnter Ruf, der meinen Schlaf gestört und Höllenstrafe droht, hat mich so gar erschreckt, daβ ich vor banger Forcht ... CRISTIANO: Un insolito appello che disturbò il mio sonno e, minacciando le infernali pene, tanto mi ha sbigottito che, per trepido affanno... WELTGEIST: Ich hab’ genug verstanden: Ist dies nicht ein Betrug von unsrer beiden Feind, so war es nur ein eitler Traum, ein Irrwisch, der erlöscht, kaum da er uns erscheint: ein buntes Nichts, ein Schattenwerk. Darum beruhe dich, leg’ alle Sorge hin. SPIRITO MONDANO: Abbastanza ho compreso: se questo non è inganno del comune nemico, fu allora un sogno vano, un fuoco fatuo, che comparso appena subito sparve: un nulla colorato, un gioco d’ombre. Perciò non angustiarti e deponi ogni cura. DER CHRIST: Es klingen aber noch in meinem Sinn die Wort’: Erwache, fauler Knecht! du wirst von deinem Leben genaue Rechnung geben. CRISTIANO: Ma ancor mi suona in seno la parola: “Svegliati servo pigro, darai della tua vita l’esatto rendiconto”. WELTGEIST: Ich weiβ nicht, was ich nun von dir gedenken soll. Verläβt dich deine Witz? Bist du denn auβer dir? Gewiβ, du bist Verwirrung voll. Ein Traum, ein’ elende Geburt des wallenden Geblüte erschröcket dich, betöret dein Gemüte. Ein Glückes Sohn wie du, der sonst so wohl belebt, bisher von klugen Geist, von Umgang edel war, von Jedermann geehrt, verlieret sich sogar, daβ er, ich weiβ nicht was, SPIRITO MONDANO: Non so ch’io debba ormai di te pensare. Forse hai perduto il senno? Forse sei fuor di te? Certo sei ben confuso. Un sogno, un parto misero dell’umor ribollente ti spaventò, sviò l’animo tuo. Un figlio di fortuna qual tu sei, che fino a qui sempre ha vissuto bene; finor sempre assennato, di nobili maniere, da tutti riverito, si smarrisce a tal punto, che - non capisco come - auf Träumebilder hält. Hätt’ ich so manchen Träumen geringsten Glauben zugestellt, so hätt’ ich mir vor Angst und Sorgen schon längst das Leben müssen rauben; du wirst nun besser mir als Träumen glauben. 11 Nr. 4, Arie dà retta alle visioni. Se avessi a tanti sogni prestato la mia fede, per le cure e i timori da molto mi sarei tolta la vita. Credi piuttosto a me che non ai sogni. WELTGEIST: Hat der Schöpfer dieses Leben samt der Erde uns gegeben, o so jauchze, so lache, so scherze, lasse Träume Träume sein. N. 4, Aria SPIRITO MONDANO: Poiché il Creator questa vita in un con la terra ci dié, Tu giubila e scherza, tu ridi, e ai sogni non devi badar. Dein Ergötzen, deine Freude, gehe durch Büsche, Feld und Heide, und dein so beklemmtes Herze räume sich der Wollust ein. Il diletto tuo, la tua gioia, vaghi per boschi e convalli, e il tuo cuor tanto oppresso si abbandoni a voluttà. 12 Begleitetes Rezitativ Recitativo accompagnato CRISTIANO: Che i sogni siano sogni lo ammetto volentieri; ma questa fu una voce che mi ha con violenza strappato al riposo, e non può essere soltanto un sogno. Chiare mi tornan tutte le parole, perché nell’ascoltarle mi svegliai. Risento ancor del cuore il fioco battito, gelido scorre il sangue nelle vene e fa tremar le membra fiacche; mi sento vivo a malapena. 13 Nr. 5, Arie DER CHRIST: Jener Donnerworte Kraft, die mir in die Seele dringen, fordern meine Rechenschaft. N.5, Aria CRISTIANO: La forza del verbo tonante che mi risuona nell’anima, m’impone la resa dei conti. Ja mit ihrem Widerhall hört mein banges Ohr erklingen annoch den Posaunenschall. E col suo rombo possente il mio orecchio ansioso sente dell’estrema tromba il suon. DER CHRIST: Daβ Träume Träume sind, gesteh’ ich willig ein, doch war es eine Stimme, die mich hat mit Gewalt aus meiner Ruh’ gebracht, und die ein bloβer Traum unmöglich könnte sein. Ich weiβ noch deutlich alle Worte, denn, sie noch hörend, wacht’ ich auf! Ich fühle noch des matten Herzen Schläge, das kalte Blut hemmt annoch seinen Lauf und macht die zagen Glieder beben, ich spüre fast nur halbes Leben. CD 2 1 Rezitativ WELTGEIST: Ist dieses, o so zweifle nimmermehr, daβ diesen Streich hat jener Feind getan, der dich und mich zu quälen, zu keiner Zeit vergessen kann. Recitativo SPIRITO MONDANO: Se così è, non dubitar mai più, ché questo è un colpo del nemico fiero che di tormentare te e me mai non può cessare. DER CHRIST: Wer ist wohl, der mich haβt, und zwar ohn’ meiner Schuld, da ich noch ihn, noch seinen Namen kenne? CRISTIANO: Ma chi è, che mi detesta senza mia colpa alcuna, ch’io nol conosco, e pur ne ignoro il nome? 2 3 WELTGEIST: Er haβt dich meinetwegen; jedoch verlange nicht, daβ ich ihn nenne; dir sei genug, daβ ich dir seine Lebensgröβe mit wenig Worten zeige. SPIRITO MONDANO: Ti odia a causa mia; ma non voler ch’io te ne faccia il nome; ti basti che te lo dipinga al vivo senza troppe parole. CHRISTGEIST: (beiseite) (Ist’s möglich, daβ ich länger schweige?) SPIRITO CRISTIANO: (a parte) (Possibil mai ch’io più mi taccia oltre?) WELTGEIST: Er ist ein Mückenfänger, der andern, wie ihm selbst fast keine Freude gönnt, der allen Unterhalt und das Gespräche flieht der weltbelebten Leute, der jede Grille des Gewissen miβt nach der Länge, Tiefe, Breite, der seine Sittenlehre sucht allen aufzudringen, die voll der dummen Einfalt ist, dabei sehr unbequem und hart; sein Reden, Denken, Tun, ist eitel Pfaffenwerk: mit einem Wort, er ist von ganz besondrer Art. SPIRITO MONDANO: È un tristo acchiappamosche, che a se stesso ed agli altri mai non concede gioia, che non vuol trattenersi e conversare con la gente di mondo, che di ogni grillo che ti salta in capo misura quant’è lungo e quanto è largo, che a tutti vuole imporre suoi precetti di vita, che son pieni di stolta dabbenaggine e insieme duri e scomodi non poco; ogni discorso suo, pensiero, azione è un imbroglio pretesco; insomma, a farla breve, è un tipo assai speciale. CHRISTGEIST: O unverschämtes Lügen! (beiseite) (Wie wahr hingegen spricht der göttlich’ Mund, der niemal kann betrügen: Ihr seid nicht von der Welt, deswegen haβt sie euch! Was soll ich tun? Will ich mein Ziel erhalten, so muβ ich mich verstalten.) SPIRITO CRISTIANO: Oh, sfacciata menzogna! (a parte) (Come è vero il parlare divino che mai non può ingannare: voi non siete del Mondo, e perciò vi detesta ! Che dunque farò ? Se il mio fin vo’ conseguire, io mi devo travestire.) (Geht ab.) (Parte.) Nr. 6, Arie WELTGEIST: Schildre einen Philosophen mit betrübten Augenlichtern, von Gebärden herb und schüchtern, in dem Angesicht erbleicht. N.6, Aria SPIRITO MONDANO: Riguarda qui un filosofo che turbati ha gli sguardi, i modi acerbi e rustici, pallido in volto ognor. Dann hast du ein Bild getroffen, das nur ihm alleine gleicht. Eccoti un bel ritratto che a lui somiglia sol. Rezitativ WELTGEIST: Wen hör’ ich nun hier in der Nähe? Es ist gewiβ nur eben der, so dir den Possen spielte, und, da er dich durch seine Stimm’ erschreckte, hier im Gebüsche sich verhüllte. Recitativo SPIRITO MONDANO: Chi ascolto qui vicino? Sarà giusto quel desso che ti giocava un tiro e, méssoti spavento con la voce, nella boscaglia se ne sta appiattato. (Der Christgeist läβt sich im nächsten Wald als ein Arzt sehen.) (Lo spirito cristiano appare nel bosco vicino, vestito da medico.) Doch nein: es ist jemand, der, wie es scheinet, hier bewährte Kräuter sucht. Ma no: è qualcuno che, a quanto sembra, qui va ricercando erbe officinali. DER CHRIST: Ist er ein Arzt, so sprech’ ich ihn um Mittel an, wodurch ich mein so liebes Leben noch viele Jahr gesund erhalten kann. CRISTIANO: Se si tratta di un medico, vo’ domandargli un farmaco per conservar la mia preziosa vita ancora per molt’anni in sanità. WELTGEIST: Sieh da, er geht bedachtsam hier vorbei. SPIRITO MONDANO: Eccolo che qui passa circospetto. DER CHRIST: Erlaube, unbekannter Freund, ein’ nicht unnütze Frage: Ist deine Wissenschaft vielleicht die Arzenei? CRISTIANO: Permetti, ignoto amico, non oziosa domanda: è forse medicina la tua scienza? CHRISTGEIST: Ja! diese ist mein Tun, die Kranken heile ich, Gesunde weiss ich zu erhalten. SPIRITO CRISTIANO: Sì, questo è l’affar mio, di sanare i malati e conservare i sani. DER CHRIST: Mein Wünschen ist, erst nach sehr späten Jahren vergnügt, gesund, gemächlich zu eralten. Ach, daβ der Tod nicht gar vermeidlich ist! Doch ist ein Mittel dir bekannt, entfernte Fälle zu verhüten? CRISTIANO: Questo io desidero, solo dopo molt’anni contento, sano e placido invecchiare. Ahi, che la morte non si può evitare! Forse conosci un mezzo per scongiurare casi ancor lontani? CHRISTGEIST: Ich bin dem allergröβten Arzt, den je die Welt gesehn, sehr nahe anverwandt. Dies mein besonders Glücke gab mir Gelegenheit, in seinem besten Buch das erste und das gröβte aus den Genesungsmitteln zu finden, zu entdecken. Das Mittel, auβer dem der andern Geist und Kraft zur Heilung nicht erklecken. SPIRITO CRISTIANO: Son del più grande medico che il mondo abbia mai visto assai stretto parente. Questa mia buona sorte mi fornì l’occasione di trovar, di scoprire nel suo libro migliore il primo ed il più grande dei mezzi di sanare. Il mezzo senza il quale ogni altro spirto e forza è impotente a operare. DER CHRIST: Ach, könntest du mir doch für Kummer, Angst und Forcht, die mich viel mehr als jede Krankheit quälen, erwünschte Hilfe schaffen. Wie gerne wollt’ ich dich belohnen! CRISTIANO: Ah, se trovar riparo a cure, ansia e spavento, che mi tormentan più di tutti i morbi, trovar potessi il desïato ausilio, come lieto sarei di compensarti! CHRISTGEIST: Es soll an mir nicht fehlen, jedoch sehr Vieles liegt bei dir. SPIRITO CRISTIANO: Nulla tralascerò da parte mia, ma molto spetta a te. WELTGEIST: Mein Freund! Dein Arzeneigespräch will mir nunmehr zu lange sein,denn mir fällt nichts von Tod und Krankheit ein, wohl aber die gewohnte Stunde, die allgemach zum Frühstück ruft. Du wirst darauf ja nicht vergessen? SPIRITO MONDANO: Amico! Questi medici colloqui mi sembrano oramai troppo prolissi, non vo’ pensare a morte e malattie, ma invece all’ora solita che ci richiama a rompere il digiuno. Non te ne scordi, spero? DER CHRIST: Geh’ hin, dasselbe zu bereiten. CRISTIANO: Va’ dunque a preparar la colazione. 4 5 WELTGEIST: Dies soll mit aller Eil’ und besten Fleiβ geschehn. Ich hab’ alsdann die Ehre, dazu dich zu begleiten. (abseits im Hinweggehen) (Ich weiβ für ihn viel beβre Arzeneien, ein holder Blick von seiner Schönen, gut Essen, Trinken, Spielen, Jagen, wird alles Kummers ihn befreien.) SPIRITO MONDANO: Si farà in fretta e furia e con gran diligenza; sarà per me un onore il farti compagnia. (A parte, andandosene.) (So di farmaci a lui ben più opportuni: un dolce sguardo del suo caro bene, mangiare e ber, giocare, andare a caccia, da tutti i mali lo farà guarire.) CHRISTGEIST: (beiseite) (Dem Himmel sei gedankt, mein Feind entfernet sich, nun kann ich freier mich erklären.) (laut) Ich gebe dir mein teures Wort, dich meiner Hilfe zu gewähren: Du sollst Gesundheit und Vergnügen (beiseite) (der Seele Heil und Ruh’) (laut) forthin genieβen. Allein wirst du dich wohl entschlieβen, zu folgen meinem treuen Rat? zu flieh’n die kalte Luft (beiseite) (den lauen Geist der Welt) (laut) so dir das Aug’ verdirbt, die Brust erkältet hat? SPIRITO CRISTIANO: (a parte) (Il Ciel sia ringraziato: si allontana il nemico, ora potrò con libertà spiegarmi.) (forte) Ti dò la mia parola di concederti aiuto: godrai salute e gioia: (a parte) (salute e pace all’anima,) (forte) per sempre d’ora in poi. Ma ti potrai decidere sul serio a seguitare il fido mio consiglio di schivar le correnti, (a parte) (cioè il tiepido spirito mondano,) (forte) che t’ha guastato gli occhi e raffreddato il petto? DER CHRIST: Wie, meine Brust, mein Aug’ erkältet und verderbt? Du irrest dich, an beiden fehlt mir nicht. Du siehest mir vielleicht in meinem Angesicht den ungemein erlittnen Schrecken an, der kürzlich mir das Herze machte beben. CRISTIANO: Il petto raffreddato e l’occhio rovinato? Ti sbagli, niun dei due mi fa difetto. Forse scorgesti in questo mio sembiante traccia del gran spavento che di recente il cor mi fé tremare. CHRISTGEIST: Glaub’ mir, je mehr sich die Gefahr dem Kranken hält verborgen, je mehr hat er zu sorgen. SPIRITO CRISTIANO: Credimi: più il periglio un ammalato ignora, e più deve temer. Nr. 7, Arie CHRISTGEIST: Manches Übel will zuweilen, eh’ es kann der Balsam heilen, erstlich Messer, Scher’ und Glut. N.7, Aria SPIRITO CRISTIANO: Ci son molti malanni che, prima ancor del balsamo, chiedon ferri e cauterio. Jener Ruf, der dich erweckte, jene Stimme, die dich schreckte, war dir nötig, war dir gut. Se un appello ti ha svegliato e una voce spaventato, tutto fu per il tuo ben. Rezitativ DER CHRIST: (beiseite) (Er hält mich einem Kranken gleich, er weiβ, was mir begegnet ist, was soll ich wohl von ihm gedenken?) Recitativo CRISTIANO: (a parte) (Mi tratta da malato, già sa quel che m’accadde, di lui che mai pensar?) (zum Christgeist) Wer du nun immer bist, erhalte mich gesund, wenn ich es bin gewesen, und bin ich krank, so mache mich genesen. (allo spirito cristiano) Chiunque tu sia, salute mi serba se sano son io; se invece malato, tu fammi sanar. CHRISTGEIST: Nimm dies verschlossne Blatt als eine Schenkung hin, (Der Christgeist gibt ihm ein verschlossnes Blatt) ich weiβ gewiβ, du wirst darin für dich ein solches Mittel finden, dem keines aus all’ andern gleicht. SPIRITO CRISTIANO: Prendi questo chiuso foglio; te lo dono, e son sicuro (Lo spirito cristiano gli porge un foglio ripiegato) che tu qua dentro un farmaco troverai, che a null’altro si può paragonare. DER CHRIST: Ist es vielleicht sehrt hart zu nehmen? CRISTIANO: È forse assai difficil da pigliare? CHRISTGEIST: Wer sich dazu mit Ernst entschlieβt, dem ist es lieblich, süβ und leicht. SPIRITO CRISTIANO: Per chi ha deciso seriamente è delizioso, dolce e facile. DER CHRIST: Und was ist dessen Eigenschaft? CRISTIANO: E quali sono le sue proprietà? CHRISTGEIST: Es wärmet, muntert auf (beiseite) (den lau und trägen Geist), (laut) erheitert den Verstand durch seine Wunderkraft (beiseite) (die Christenpflicht zu fassen), (laut) es schärft das Aug’ (beiseite) (den schlauen Feind zu sehn), (laut) verschafft ein gut Gehör (beiseite) (zu hören Gottes Wort), (laut) es bringet Mut und Stärke, (beiseite) (der Höllenmacht zu widerstehn), (laut) für Schwindel in dem Haupt. SPIRITO CRISTIANO Scalda, dona vigore: (a parte) (allo spirito pigro e tiepido), (forte) rafforza la ragione col suo poter mirabile (a parte) (per sapere i doveri del cristiano), (forte) aguzza la vista (a parte) (per vedere lo scaltro avversario), (forte) dona un udito vigile (a parte) (per udire il verbo divino), (forte) reca forza e coraggio (a parte) (per opporsi ai poteri infernali), (forte) e giova alle vertigini. WELTGEIST: Freund! Alles ist bereit, und eine ganze Reihe der fröhlichen Gemüter von beiderlei Geschlechte erwarten dich. SPIRITO MONDANO: Amico, tutto è pronto, e già ti attende una schiera di begli spiriti di ambo i sessi. DER CHRIST: (zum Christgeist) Verzeihe, der Wohlstand heiβt mich eilend gehen. Hält dieses Mittel seine Probe, so lohn’ ich dich bei unserm Wiedersehen. CRISTIANO: (allo spirito cristiano) Perdonami, la cortesia mi impone di affrettarmi. Se questo farmaco supera la prova, ci rivedremo per la ricompensa. (Geht ab.) (Parte.) 6 7 WELTGEIST: (im Hinweggehen) (So end’ ich ihr Gespräche, denn dieser Arzt will mir so wie verdächtig sein.) SPIRITO MONDANO: (andandosene) (Così pongo termine al loro colloquio, perché quel medico mi diede motivo di sospetto anzichenò.) CHRISTGEIST: (allein) Ach! Also stellt die eitle Lust der Welt des Geistes besten Fortgang ein. Man eilt, man lauft, wohin? Ach! An die Orte, wo nur der Sinnen Freiheit ruft: Man höret meine Worte von wahrer Tugendlehre nicht und folget lieber meinem Feind, der alles Gute unterbricht. SPIRITO CRISTIANO: (da solo) Ahi! Che così del mondo il piacer vano si oppone dello spirito ai progressi. Dove corri e ti affretti? Dove chiama la libertà del senso: non si ascoltan miei detti sulla vera virtù; si seguita piuttosto il mio nemico che ostacola ogni bene. Rezitativ BARMHERZIGKEIT: Hast du nunmehr erfahren, was unser beiden Hilf’ an diesem Menschen nützt? Wenn er verloren geht, wer ist wohl endlich schuld? Recitativo MISERICORDIA: Hai tu dunque compreso quanto l’aiuto nostro può giovare a quest’uomo? Se cade in perdizione, di chi sarà la colpa? CHRISTGEIST: Ach! Er allein, doch habt mit ihm Geduld. Wie könnt’ ein laues Herze, das von dem Geist der Welt mit Schnee bedecket ist, sogleich von Gottes Liebe brennen? Der Anfang gibt mir doch bei ihm den Schein der Hoffnung zu erkennen. SPIRITO CRISTIANO: Ah! Solamente sua, ma portate pazienza. Come potrebbe un tiepido cuore, che dallo spirito mondano è coperto di nevi, ardere tosto pel divino amore? Ma il buon inizio m’ispira per lui un raggio di speranza. GERECHTIGKEIT: Der Mensch bereite sich zu Strafe oder Lohn, bleibt doch dem Höchsten Lob und Preis. Denn hört er dich, o Güte, nicht, so dient er wenigst mir zur Ehre. GIUSTIZIA: Che l’uomo si prepari a pena e ricompensa, all’Altissimo lode e gloria ognora. E se non presta ascolto alla bontà, rispetti almeno la mia maestà. CHRISTGEIST: SPIRITO CRISTIANO: Ich will mich dann dahin bestreben, Voglio dunque sforzarmi damit er sich bekehre, di farlo convertire, und diene so zu beider Ruhm, per aumentare d’ambedue la gloria; daβ ihn Gerechtigkeit belohne, lo compensi Giustizia e lo risparmi Barmherzigkeit verschone. Misericordia. Nr. 8, Terzett N. 8, Terzetto CHRISTGEIST: SPIRITO CRISTIANO: Laβt mir eurer Gnade Schein Fate che non mi manchi niemal fehlen, lo splendor della Grazia, so erhol’ ich neuen Mut. e mi farò coraggio. BARMHERZIGKEIT, GERECHTIGKEIT: Es soll an der Gnade Schein niemal fehlen, wenn der Mensch das Seine tut. MISERICORDIA, GIUSTIZIA: Giammai non mancherà lo splendor della Grazia se l’uom fa il suo dovere. CHRISTGEIST: Allzeit will ich trachten, sinnen, teure Seelen meinem Schöpfer zu gewinnen, dies soll mein Geschäfte sein. SPIRITO CRISTIANO: Per il mio Creatore anime prezïose conquistare mia cura e sforzo ognor sarà. Traduzione di Carlo Vitali