Combattimento
Monteverdi – Rossi – Landi – Marini – D’India
STERZINGER OSTERSPIELE 2014
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Monteverdi – Rossi – Landi – Marini – D’India
Combattimento
Eine barocke Phantasmagorie
in italienischer Sprache mit deutschen Texten
15. April 2014 | Stadttheater Sterzing | 20:30 Uhr
Einführung mit Johannes Pramsohler | 19:15 Uhr
Tasso/Testo | Vladimir Kapshuk
Armida/Clorinda/Erminia | Mercedes Arcuri
Rinaldo/Tancredi | Matthieu Chapuis
Sprecher | Christian Hettkamp
Musikalische Leitung | Johannes Pramsohler
Inszenierung | Florent Siaud
Dramaturgie | Pierre-Damien Traverso
Bühnenbild | Philippe Miesch
Licht | Nicolas Descôteaux
Kostüme | Jean-Daniel Vuillermoz
Video | David Ricard
ENSEMBLE DIDEROT
Violine | Johannes Pramsohler, David Chivers
Viola | Céline Lamarre
Violoncello | Gulrim Choi
Violone | Riccardo Coelati Rama
Cembalo | Frédéric Rivoal
Theorbe | Alexander McCartney
Einführung
« Es war um die Stunde, wo die Sonne bereits den Horizont zu erhellen beginnt (und ich lag in
meinem weichen Bett während der Schlaf meine Gedanken so luftig und leicht aneinanderreihte,
dass ich mich in einem Zustand zwischen Wachen und Träumen befand), als sich ein liebenswerter
Geist bemerkbar machte. »
So beginnt Torquato Tassos Il Messaggiero, ein
geheimnisvoller Dialog, den er im Sommer 1580
verfasste, während er im Irrenhaus St. Anna in
Gefangenschaft gehalten wurde. In Schlaf versunken,
erscheint ihm ein Geist, mit dem er spricht. Diese
myteriöse Stimmung nimmt er zum Anlass, mit
sich selbst Konversation zu führen und wandelt im
dunklen Labyrinth seiner eigenen Gedanken wo ihn
der Weg über Petrarcas Stanzen und Virgils Verse von
der Liebe bis zur Magie führt.
Umrahmt von einerseits melancholischen, andererseits aufregend wirbelnden Instrumentalwerken steht
diese Auswahl bekannter Madrigale und Arien als
Beispiel für ein Italien, das sich im 17 Jhdt. von der
Polyphonie freigemacht hat, um sich dem Ausdruck
der Kraft menschlicher Regungen zu widmen. Der
Höhepunkt wird mit dem theatralischsten aller
Madrigale Monteverdis erreicht: das Combattimento
im « stile concitato », das er für den Karneval von
Venedig als unsterbliches Drama geschaffen hat.
Combattimento ist das sensible Echo dieses
immaginären Spaziergangs. In einem von
Kerzenschein erhellten Kerker wird Tasso von Figuren
besucht, denen er selber in seinen Werken (Aminta,
Rime, Gerusalemme liberata) Leben eingehaucht
hat. Als Zeuge der Missgeschicke des Ritters Rinaldo
und der Zauberin Armida (Stefano Landi, Libro
d’arie, 1637) hört er, wie die schöne Erminia ihre
Tränen vergießt (Biagio Marini, Le lagrime d’Erminia,
1623) und beschreibt als halluzinierender Erzähler
das Duell, das sich Clorinda und Tancredi (Claudio
Monteverdi, Il combattimento di Tancredi e Clorinda,
1624) liefern.
In der Nüchternheit eines chiaro-scuro
Ambientes, in dem nur ein Bett umgeben von
losen Manuskriptblättern steht, verkörpern drei
Sänger diese geheimnisvollen Silhouetten, die,
wie Luftspiegelungen, in einem bizarren Ballett
von Schatten und Körpern erscheinen und wieder
verschwinden. Von sieben Musikern begleitet,
lassen sie die Figuren wieder aufleben, die der Feder
eines der größten Autoren des 16. Jahrhunderts
entsprungen sind.
Perücken und Maske | Catherine Saint-Sever
Beleuchtungstechniker | Ludovic Heime
Edition | Brian Clark | primalamusica.com
Coproduktion | Ensemble Diderot, Les Songes Turbulents, Théâtre Roger Barat Herblay,
Festival Baroque de Pontoise, Atelier des Musiciens du Louvre
Uraufführung | 15. Oktober 2013, Théâtre Roger Barat
Coverfoto: © Agathe Poupeney / PhotoScene.fr | Gestaltung: Christian Möhring
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Johannes Pramsohler | Musikalische Leitung
In Südtirol geboren, wuchs Johannes Pramsohler am
Schneidepunkt zweier sehr verschiedener Kulturen
auf. Durch seine musikalische Familie kam er schon
früh mit dem traditionellen Volksmusik seiner Heimat
in Kontakt. Dieser authentische Klang prägt sein Spiel
bis heute. Mit seinem unverfälscht frischen Ton hat
er sich seit seiner Ausbildung in Bozen, London und
Paris innerhalb kürzester Zeit als Solist, gefragter
Kammermusikpartner und Konzertmeister einen
Namen gemacht.
Bereits während des Studiums wurde Johannes
Pramsohler von Orchestern wie Concerto Köln,
Orchestra of the Age of Enlightenment, Les Arts
Florissants und Academy of Ancient Music eingeladen
und konnte sich somit früh einen außergewöhnlichen
Überblick über Europas Alte-Musik-Szene verschaffen.
Die Beherrschung von fünf Sprachen, Meisterkurse
bei nahezu allen wichtigen Barockgeigern und
die Offenheit gegenüber den verschiedensten
historisierenden Ansichten bezüglich Spieltechnik
und Interpretation erlaubten ihm, sich einen reichen
Erfahrungsschatz anzueignen.
Heute arbeitet Johannes Pramsohler vordergründig
mit seinem von ihm gegründeten Ensemble Diderot
und den International Baroque Players. Ebenso tritt
er regelmäßig als Konzertmeister mit The King’s
Consort, Le Concert d’Astrée, Concerto Köln, Arte
dei Suonatori und dem European Union Baroque
Orchestra auf. Konzerttourneen führten ihn in alle
wichtigen Säle Europas, nach Nord- und Südamerika,
in den Nahen Osten, nach Japan und nach Taiwan.
Seit 2008 hat Johannes Pramsohler die Ehre,
Reinhard Goebels Geige sein Eigen zu nennen, eine
‘Pietro Giacomo Rogeri’ von 1713. 2011 erhielt er
den Bärenreiter Urtext Preis beim 6. Internationalen
Telemann Wettbewerb in Magdeburg. 2012 erschien
seine erste Solo-CD ‘Pisendel – Violinkonzerte
aus Dresden’, die von der internationalen Presse
euphorisch aufgenommen wurde. 2013 hat Johannes
Pramsohler sein zweites Album veröffentlicht –
diesmal mit seinem eigenen Label Audax Records.
2014 debütiert er beim Budapest Festival Orchestra
unter Iván Fischer.
Florent Siaud | Inszenierung
Nach literarischen Studien lehrt Florent Siaud
Theater-, Opern- und Inszenierungsgeschichte an der
Universität von Montreal und an der “Ecole Normale
Supérieure“ in Lyon. Durch seine Regie-Hospitanz
in der Inszenierung von Händels Teseo (Gilbert
Blin, Oper von Nizza, 2007), Hippolyte et Aricie von
Rameau (Ivan Alexandre, Kapitol Toulouse, 2009) und
als Begleiter der dramaturgischen Arbeit Benjamin
Lazars für Les amours tragiques de Pyrame et Thisbé
- ein Stück des Barockdichters Théophile de Viau
(Theater von Caen / Theater l’Athénée, Paris, 2009
- 2010) - zeigt er sein besonderes Interesse für das
Barocktheater. Von 2007 bis 2009 betreut Florent
Siaud in Montreal als Dramaturg und Regieassistent
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drei Theaterproduktionen von Denis Marleau, der in
Kanada für seine ästhetische Strenge, seine
Arbeit an der Sprache und seine innovative
Herangehensweise mit audiovisuellen Medien
bekannt ist. Mit ihm arbeitet Florent Siaud an
zahlreichen Stücken von Shakespeare wie Othello
im staatlichen Kulturzentrum von Ottawa und in der
„Usine C“ in Montreal (2007). Weiters arbeitet er
an zeitgenössischen Werken wie Chaurettes Ce qui
meurt en dernier in Ottawa und im „Espace GO“ in
Montreal, aber auch an Thomas Bernhards „Ein Fest
für Boris“ für das Avignon Theaterfestival (2009).
An der Oper von Nizza ist er Regieassistent für die
Inszenierungen von Mozarts Le nozze di Figaro und
Rossinis Il viaggio a Reims (2009), an der Pariser
Oper für Hippolyte et Aricie von Rameau.
2010 inszeniert Florent Siaud Purcells Dido & Aeneas
und La Capricciosa corretta von Martín y Soler für
das Pariser Conservatoire Supérieure. Im selben
Jahr gründet er die Theaterkompanie „Les Songes
turbulents“, mit der er französische Barockkantaten
für Les Musiciens du Louvre auf die Bühne bringt
und 2012 Heiner Müllers Quartett inszeniert. 2013
inszeniert er eine Trilogie über Sir John Falstaff für die
Pariser Oper, für die er auch das Libretto verfasst hat
und 2014 inszeniert er u.a. das Stück Illusions von
Ivan Vyrypaev.
Vladimir Kapshuk | Bariton
Vladimir Kapshuk, geboren in der Ukraine, studierte
Gesang an der Staatlichen Musikakademie in
Kiev und erhielt dort 2006 sein Diplom. Noch im
selben Jahr wurde er im Atelier Lyrique der Opéra
National de Paris aufgenommen, wo er an zahllosen
Produktionen, Konzerten und Meisterklassen
teilnahm, wodurch er sein Repertoire erweiterte
und seine gesangliche Weiterbildung besonders im
Bereich der französischen Musik vervollständigte.
Im Rahmen der Salzburger Festspiele nahm er
am „Young Singers Project“ teil, wo er mit Christa
Ludwig und Olaf Bär Schubert- und Brahms-Lieder
sowie die Rolle des Don Giovanni mit Thomas Allen
einstudierte.
Sein vielfältiges Repertiore umfasst die Rollen von
Eugen Onegin, des Prinzen Eletsky in Pique Dame,
des Valentins in Faust, der Uhr und der Katze in
L’enfant et les Sortilèges, die Rollen des Testo in Il
Combattimento di Tancreri e Clorinda, Enée in Didon
et Enée, Tarquinius in The rape of Lucretia, Guglielmo
in Cosi fan tutte und die Titelrolle des Don Giovanni.
Vladimir Kapshuk gewann den Internationalen
Gesangswettbewerb „L’Art du XXIe siècle“ und wurde
vom „Cercle Carpeaux” sowie vom Förderverein
der Opéra National de Paris mit dem „Prix Lyrique”
ausgezeichnet.
Zahlreiche Konzerte führten ihn bisher nach
Frankreich (Palais Garnier, Théâtre de l’Athénée,
Opéra de Toulon), Italien (Scala di Milano, Fenice di
Venezia, Villa Médici a Roma) und nach Österreich
(Salzburger Festspiele), wo er Schubert’s Winterreise
und Lieder von Tchaikovsky, Rachmaninov, Ravel und
Poulenc interpretierte. An der Opéra Bastille in Paris
stand er u.a. in Idomeneo, Don Carlos, Billy Budd,
Hoffmanns Erzählungen, Ariadne auf Naxos, Madama
Butterfly, Il Barbiere di Siviglia auf der Bühne.
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Mercedes Arcuri | Sopran
In Buenos Aires geboren, studierte Mercedes Arcuri
Gesang am „Instituto superior de Arte“ des Teatro
Colón und privat mit Inés Dupén und Horacio Amauri.
Parallel dazu studierte sie Orchesterdirigieren an
der Universidad Católica Argentina. Seit 2003 lebt
Mercedes Arcuri in Madrid, wo auch ihre Karriere
ihren Anfang nahm.
Ihre letzten Engagements führten sie zum London
Handel Festival, wo sie mit den International Baroque
Players unter der Leitung von Johannes Pramsohler
Händels Kantate „Il delirio amoroso“ aufführte, an
die Oper in Lyon, wo sie ihr Debüt mit Ravels „L’enfant
et les sortilèges“ und mit Zemlinskys “Der Zwerg”
unter der Leitung von Martyn Brabbins gab, und zum
Festival in Aix-en-Provence.
Ihre Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Alan
Curtis, Iñaki Encina, Lorenzo Ramos und Jean-Luc
Tingaud führte sie unter anderem zum Wexford
Opera Festival (Le roi malgré lui, Chabrier), an
das Teatro de la Zarzuela in Madrid (Viento es la
dicha de amor, De Nebra), an das Théâtre Roger
Barat, Herblay (Rigoletto, Verdi), an das Teatro de la
Maestranza, Sevilla (Walküre, Wagner), an das Teatro
Cervantes, Malaga (Die Zauberflöte, Mozart), und
an das Auditorio Nacional, Madrid (Carmina Burana,
Orff). 2012 hatte sie einen Fernsehauftritt mit dem
Spanischen Rundfunkorchester unter Adrian Leaper.
Ihr Interesse an der Interpretation von Barockmusik
spiegelt sich in der Zusammenarbeit mit
Spezialensembles wie La Capilla Real, Sphera AntiQva
und den International Baroque Players wieder.
Mercedes Arcuri ist Preisträgerin internationaler
Gesangswettbewerbe. Tourneen führten sie bisher
nach Asien und nach Südamerika.
Jérôme Corréas und Jean Tubery.
Nachdem er 2007 seine ersten solistischen Rollen
übernimmt, beginnt seine Solokarriere 2009 mit der
Rolle des Scaramuccio in Ariadne auf Naxos (Richard
Strauss). In letzter Zeit konnte man ihn in als Erster
Soldat und Liberto in Monteverdis „Incoronazione
di Poppea“ und als Evangelist in Bachs
Matthäuspassion und im Liederzyklus „Biondina“
von Gounod hören. In der Saison 2012/13 war er
in Charpentiers „Médée“ am Théâtre des Champs
Elysées und an der Opéra de Lille zu hören.
Christian Hettkamp | Sprecher
Christian Hettkamp wurde am Schauspielstudio
von Hildburg Frese in Hamburg ausgebildet. Erste
Engagements führten ihn an die Kampnagel Fabrik
sowie an die Landesbühne Niedersachsen Nord. Nach
einer Zwischenstation am Münchner Volkstheater
ging er für drei Jahre an das Theater Regensburg. Im
Jahr 2002 erhielt er den Bayerischen Theaterpreis.
Seit 2004 gehört er zum Schauspielensemble des
Theaters St. Gallen.
Ensemble Diderot
Matthieu Chapuis | Tenor
Matthieu Chapuis beginnt seine musikalische
Ausbildung im Alter von sieben Jahren mit Unterricht
in Querflöte und tritt mit dreizehn der „Maîtrise des
Hauts de Seine“ (Kinderchor der Pariser Oper) bei.
Nach dem Stimmbruch entscheidet er, sich dem
Studium (Ingenieur in Elektronik) und dem Sport
(Rugby ist immer noch zweite seine Leidenschaft) zu
widmen. Während seiner Studienzeit nimmt er an der
Gründung des „Jeune Choeur de Paris“ mit Laurence
Equilbey teil.
Das Ingenieursdiplom in der Tasche, geht er für
zwei Jahre in die USA um bei ST-Microelectronics
in Dallas (Texas) zu arbeiten. 2001 kommt er nach
Frankreich zurück und beschließt 2003, seinen Beruf
als Ingenieur endgültig aufzugeben und stattdessen
am „Centre de Musique Baroque de Versailles“ das
Gesangsstudium wieder aufzunehmen. Drei Jahre
später singt er mit Dirigenten wie u.a. Emmanuelle
Haïm, William Christie, Hervé Niquet, David Stern,
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Das Ensemble Diderot ist eine auf die Musik des
17. und 18. Jahrhunderts spezialisierte Gruppe
von jungen Musikern, die sich der Aufführung und
Erforschung des barocken Triosonaten-Repertoires
verschrieben hat. In Paris von Johannes Pramsohler
gegründet, wurde das Ensemble schnell bekannt für
seine energievollen, virtuosen Interpretationen und
entwickelt sich zu einer der interessantesten und
originellsten Kammermusikformationen in Europa.
Benannt nach Denis Diderot, dem großen
Unbekannten unter den großen Bekannten
der französischen Aufklärung, dem brillanten
Schriftsteller, Denker und Philosoph, widmet sich das
Ensemble vorrangig der Interpretation der barocken
Form der Triosonate in ihrer ursprünglichen und
klangvollsten Besetzung mit zwei Violinen, Cembalo
und Cello. Für besondere Projekte wird die Besetzung
je nach Anforderung erweitert.
Der besondere Stil des Ensembles war von
Beginn an hörbar, ein intensiver, kraftvoller Klang,
außerordentliche Akkuratesse in Phrasierung und
Artikulation und die kreative Auseinandersetzung
mit der historischen Aufführungspraxis. Alle
Ensemblemitglieder sind auf das Spiel historischer
Instrumente spezialisiert.
Das Ensemble Diderot ist bei seinen Konzerten in
Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien
und Italien ob seiner überzeugenden künstlerischen
Vision und der unkonventionellen Programmplanung
von Publikum und Kritik hoch gelobt worden.
Während der Saison 2008/09 waren die Musiker
als Ensemble in Residence in Amilly (Frankreich)
und bei den „Aldeburgh Residencies“ in Suffolk/
Großbritannien eingeladen, wo sie ein enthusiastisch
aufgenommenes Konzert in der Jubilee Hall gaben.
2010 residierte das Ensemble als „Rheinsberger
Hofkapelle“ in der Schlossanlage von Friedrich
dem Großen und Prinz Heinrich von Preußen in
Rheinsberg/Brandenburg und gab dort sechs
Konzerte. Seit 2012 besteht eine fruchtbringende
Zusammenarbeit des Ensembles mit dem Théâtre
Roger Barat in Herblay, einem Vorort von Paris.
Die erste CD erscheint am 18. April beim Label Audax
Records.
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Prolog
Armidas Verzauberte Insel
TARQUINIO MERULA (1594/5 – 1665)
Canzonetta spirituale sopra alla nanna
(Curtio precipitato et altri capricii, Libro secondo, 1638)
CLAUDIO MONTEVERDI (1567 – 1643)
Si dolce è il tormento
(Quarto scherzo delle ariose vaghezze, 1624)
Hor ch’e tempo di dormire,
dormi figlio e non vagire,
perché tempo ancor verrà,
che vagir bisognerà.
Nun, da es Zeit zu Schlafen ist,
schlaf, mein Sohn, und weine nicht,
denn die Zeit der Tränen
wird noch kommen.
Deh ben mio, deh, cor mio fa’,
fa’ la ninna ninna na.
Ach, mein Liebster, ach, mein Herz,
eia, eia, schlaf ein.
Amor mio, sia questo petto
hor per te morbido letto,
pria che rendi ad alta voce
l’alma al Padre su la croce.
Mein Liebster, dieser Busen
sei dir heute ein weiches Bette,
eh du laut klagend deine Seele
am Kreuz dem Vater empfiehlst.
Posa hor queste membra belle,
vezzosette e tenerelle,
perché poi ferri e catene
gli daran acerbe pene.
Ruh deine schönen Glieder aus,
die anmutigen und zarten,
denn einst werden ihnen Eisen und Ketten
herbe Schmerzen bereiten.
Queste mani e questi piedi,
ch’hor con gusto e gaudio vedi,
ahimé, come in vari modi
passeran acuti chiodi!
Diese Hände und Füße,
die du heute mit Staunen und Freuden siehst,
weh, sie werden einst vielfach
von spitzen Nägeln durchbohrt.
Questa faccia gratiosa,
rubiconda, hor più che rosa,
sputi e schiaffi sporcheranno
con tormento e grand’affanno.
Dies holde Antlitz,
das heute gesund und rosig strahlt,
werden Speichel und Schläge
qualvoll und schmerzlich beschmutzen.
Ah, con quanto tuo dolore,
sola speme del mio core,
questo capo e questi crini
passeran acuti spini.
Ach, wie schmerzvoll,
du einzige Hoffnung meines Herzens,
werden die spitzen Dornen
dein Haupt und deine Stirn durchbohren.
Ah, ch’in questo divin petto
amor mio dolce diletto,
vi farà piaga mortale,
empia lancia e disleale.
Ach, deiner göttlichen Brust,
mein süßer, teurer, Liebster,
wird die grausame Lanze des Verräters
eine tödliche Wunde bereiten.
Dormi dunque, figliol mio,
dormi pur, Redentor mio,
perché poi con lieto viso
ci vedrem in paradiso.
Darum schlafe, mein Sohn,
schlafe nur, du mein Erlöser,
denn einst werden wir uns selig
im Paradies wiedersehen.
Hor che dorme la mia vita,
del mio cor gioia compita,
taccia ogn‘un con puro zelo
taccian sin la terra e ‚l cielo.
Nun, da mein Leben schläft,
die ganze Freude meines Herzens,
möge ein jeder ergeben schweigen,
auch Erde und Himmel mögen schweigen.
E Frau tanto io che farò?
Il mio ben contemplerò:
ne starò col capo chino
sin che dorme il mio Bambino.
Und was werde ich indessen tun?
Ich werde meinen Liebsten betrachten,
ihm mit gesenktem Haupt beistehen,
so lange mein Sohn schläft.
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Si dolce è ’l tormento
che in seno mi sta,
ch’io vivo contento
per cruda beltà.
Nel ciel di bellezza
S’accreschi fierezza
et manchi pietà:
ché sempre qual scoglio
all’onda d’orgoglio
mia fede sarà.
So süß ist die Qual
in meiner Brust,
dass ich selig
für die grausame Schöne lebe.
Möge auf dem Gipfel der Schönheit
ihre Grausamkeit noch wachsen
und ihr Mitleid schwinden:
Gleich einem Felsen im Sturm
wird meine Treue
im Angesicht des Stolzes standhaft sein.
La speme fallace
rivolgami il piè.
diletto né pace
non scendano a me,
e l’empia ch’adoro
mi nieghi ristoro
di buona mercé:
tra doglia infinita,
tra speme tradita
vivrà la mia fé.
Möge die trügerische Hoffnung
sich von mir kehren,
möge weder Freude noch Frieden
über mich sinken,
möge meine grausame Angebetete
mir die Erquickung
gütiger Gnade versagen:
In unendlichem Schmerz,
bar jeder Hoffnung,
wird meine Treue doch überleben.
Per foco e per gelo
riposo non ho;
nel porto del cielo
riposo haverò.
Se colpo mortale
con rigido strale
il cor m’impiagò,
cangiando mia sorte
col dardo di morte
il cor sanerò.
Feuer und Eis
werden mir keine Ruhe schenken;
im Hafen des Himmels
werde ich Ruhe finden.
Wenn der spitze Pfeil
mit tödlichem Schlag
mein Herz durchbohrt,
wird sich mein Schicksal wenden,
und am Pfeil des Todes
wird mein Herz gesunden.
Se fiamma d’amore
già mai non sentì
quel rigido core
ch’il cor mi rapì,
se nega pietate
la cruda beltate
che l’alma invaghì:
Ben fia che dolente,
pentita e languente
sospirimi un dì.
Wenn es die Flammen der Liebe
noch niemals fühlte,
jenes harte Herz,
das mir das meine stahl,
wenn sie mir keine Gnade gewährt,
jene grausame Schöne,
die meine Seele verzauberte,
so mag sie eines Tages
voller Schmerzen und Reue
in Sehnsucht um mich seufzen.
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STEFANO LANDI (1587 – 1639)
Quando Rinaldo
(Libro d’Arie, 1637)
LUIGI ROSSI (1597 - 1653)
Choro dei Pastori
(Erminia sul Giordano, 1633)
Con note canore
fra dolci concenti
spieghiamo d’Amore
le cure pungenti.
Mit unseren Gesängen
in sanften Harmonien
erläutern wir Amors
spitze Pfeile.
Quando Rinaldo invitto
Armida abbandonò,
sentendo il cor trafitto
per duolo ella mancò.
Als der siegreiche Rinaldo
Armida verließ,
fühlte sie ihr Herz so verraten,
dass sie gramerfüllt in Ohnmacht fiel.
Di questo che ancide
le Furie son guide,
e seco ne vanno
la Frode e l’Inganno.
Die Furien sind die Anführer
dieses mörderischen Gottes,
und in seiner Begleitung:
Betrug und Täuschung.
Tal piaga sentì,
tal doglia soffrì,
che in tanta pena suo desir fù
non viver più.
Die Wunde war so groß,
die Schmerzen so stark,
dass ihr einziger Wunsch in solcher Pein
nicht mehr zu leben war.
Quest’Argo bendato,
che cieco si finge,
con laccio dorato
ogn’alma ne stringe.
Dieser Argus mit verbundenen Augen,
der sich blind stellt,
führt jede Seele
in die goldene Falle.
Con mille ohimè dolenti
i lidi ella ferì,
e in questi amari accenti
l’acerba doglia aprì:
Tausend klagende Rufe
schickt sie an ihre heimatlichen Ufer,
und in diesen bitteren Tönen
gib sie ihre Qualen wieder:
Acerbi e mortali
avventa gli strali,
nemico di pace
accende la face.
Bitter und sterblich
sind die Pfeile, die er schleudert.
Als des Friedens Feind,
entzündet er die Flamme.
« Hor dunque da me
vuoi volgere il piè?
Hor dunque il cielo
mirar potrà
tua crudeltà?
„So willst du mich
jetzt verlassen?
So wird der Himmel
jetzt deine
Grausamkeit sehen?
Oh quanto m’alletta
un vago sembiante,
che l’alma saetta
con chioma ondeggiante!
Oh, wie bezaubernd
ist dieses schleierhafte Gesicht,
das mit seinem lockigen Haar
die Seele verletzt!
Perfido, mancatore!
Sia maledetto il dì
che coi suoi sguardi Amore
il petto mi ferì.
Verräter, Eidbrecher!
Der Tag sei verflucht
an dem Amor meine Brust
mit seinen Blicken verletzt hat.
Ma spesso quell’onde,
ch’un crine diffonde,
all’alma funesta
minaccian tempesta.
Aber oft drohen
die Wellen dieser Haare
meiner Seele
einen unheilvollen Sturm an.
Diversa mercè
sperò la mia fe,
e provo -- ahi lassa -tua ferità senza pietà. »
Eine andere Belohnung
erwartete meine Treue,
und ich fühle – ach –
wie du mich gnadenlos verletzt hast.“
Se splende la rosa
in guancia ridente,
nel petto / core ascosa,
la spina si sente.
Wenn die Rose
auf lächelnder Backe leuchtet,
spürt man den Dorn
versteckt in der Brust.
Ciò detto, ella oprò poi
sua magica virtù:
e agl’incanti suoi
Pluto ubbidiente fù.
Dies gesagt, vollbrachte sie alsdann
ihre magische Zauberei:
Pluto leistete
ihren Beschwörungen Folge.
Or dunque d’Amore
dall’empio rigore,
dai lacci, dai dardi,
ogn’uno si Guardi.
Und so ist jeder
vor der bösen Härte,
den Fallen und Pfeilen Amors
auf der Hut.
Il sol s’oscurò,
la terra tremò
e d’atre nubi, velando il dì,
ella chiarì:
Die Sonne verdunkelte sich,
die Erde bebte
und den Tag mit düsteren Wolken verschleiernd
erklärte sie:
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Der Kampf
LUIGI ROSSI
Se la magica verga... Il nemico
(Erminia sul Giordano, 1633)
Recitativo
Se la magica verga oggi non mente,
questa è la selva ove l’eroe in breve
spinto da cura ardente
con sollecito piè giunger pur deve.
Rezitativ
Wenn mein Zauberstab heute nicht lügt,
ist dies hier der Wald, wo der Held bald,
von brennender Sorge angetrieben,
eiligen Schrittes ankommen wird.
Io, che colà nel campo invan tentai
farlo mio prigioniero,
ancor dall’alta impresa
non rallento il pensiero;
E di giust’ira accesa
Armida non sia mai
stanca à tentar degl’avversari i danni.
Userò nuovi inganni
per adescar quell’alma;
che sè il prode guerriero
lungi ne guiderò, ben presto tutto
il suo campo è distrutto.
Ich, die ich auf dem Schlachtfeld vergebens versuchte,
ihn zu meinem Gefangenen zu machen,
habe die Gedanken an dieses
edle Vorhaben nicht aufgegeben;
Und von dieser Wut angetrieben,
wird Armida nie
müde, sich den Gefahren des Gegners zu stellen.
Ich werde neue Täuschungen aufbieten,
um sein Herz zu verführen;
denn wenn ich diesen stolzen Ritter
weit fort führen kann,
wird bald alles zerstört sein.
Cosi le schiere armate
rimarran sol per me vinte e disfatte:
Poiche saggia beltate
vince ogni forza, ogni potere abbatte.
So werden die Truppen
von mir allein besiegt und zerschlagen werden:
Weil so eine weise Schönheit
jede Kraft besiegt und jede Macht niederreißt.
Nè sia che non si pieghi,
benché il guerrier il core abbia di smalto,
s’io moverò l’assalto
di lagrime, di preghi:
e se otterrò la desiata palma,
oh, quai doglie, oh, qual pena io gli preparo!
Onde al mondo sia chiaro
che son d’Armida i vanti,
amar d’esser amata, odiar gl’amanti.
Und sie wird sich nicht unterwerfen,
(obwohl der Ritter ein Herz aus Stein hat)
wenn ich einen Angriff
von Tränen und Bitten wage:
Und wenn ich den begehrten Sieg davontrage,
oh, welche Schmerzen, welche Pein wird er erfahren!
Damit es der Welt klar ist,
dass es Armidas Privileg ist,
lieben, geliebt zu werden und die Liebhaber zu hassen.
Aria
Il nemico attendo al varco
sol con armi di beltà;
e d’Amor lo strale e l’arco
solo un guardo oggi sarà.
Arie
An der Schwelle warte ich auf den Feind
allein mit den Waffen der Schönheit;
Und meine Blicke werden heute
Amors Pfeil und Bogen sein.
Sia pur severo,
sia pur`altero,
che trafitto ei resterà.
Er wird umsonst grausam sein,
er wird umsonst hochmütig sein,
er wird vernichtet.
Sarà strale ogni mia voce
ch’allettando anciderà;
e non sia che quel feroce
trovi poi da me pietà.
Der Pfeil wird meine Stimme sein,
die mit ihren Verlockungen tötet;
Und nie wird dieser Grausame
von mir Gnade erhalten.
Sia pur quel’ empio
de’ forti esempio,
che trafitto ei resterà.
Der Gottlose wird umsonst
ein tapferer Held sein;
er wird vernichtet.
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BIAGIO MARINI (1594 – 1663)
Sonata sopra ‘la Monica’
CLAUDIO MONTEVERDI
Il Combattimento di Tancredi e Clorinda, 1624
(Ottavo libro di madrigali guerrieri et amorosi, 1638)
Tancredi, che Clorinda un uomo stima,
vol ne l’armi provarla al paragone.
Va girando colei l’alpestre cima
ver altra porta, ove d’entrar dispone.
Segue egli impetuoso, onde assai prima
che giunga, in guisa avvien che d’armi suone
ch’ella si volge e grida: – O tu, che porte,
correndo sì – Rispose: E guerra e morte.
Tancredi, der Clorinda für einen Mann hält,
will sie auf die Waffenprobe stellen.
Sie schreitet um den Berggipfel herum
auf ein anderes Stadttor zu, wo sie hineinzugehen sich anschickt.
Er folg ihr derart ungestüm, dass viel früher,
als er sie erreicht, seine Rüstung zu hören ist,
und sie sich umdreht und ruft: „Du da, was bringst du,
der du so läufst?“ Er antwortete: „Krieg und Tod.“
– Guerra e morte avrai – disse – io non rifiuto
dàrlati, se la cerchi, e ferma attendi. –
Né vuol Tancredi, ch’ebbe a piè veduto
il suo nemico, usar cavallo, e scende.
E impugna l’un l’altro il ferro acuto,
ed aguzza l’orgoglio e l’ire accende;
e vansi incontro, a passi tardi e lenti,
quai due tori gelosi e d’ira ardenti.
„Krieg und Tod sollst du haben“, sagte sie, „ich habe nichts
dagegen,
ihn dir zu geben, wenn du ihn suchst und still stehenbleibst.“
Und Tancredi, der seinen Feind zu Fuß gesehen hat,
will nicht zu Pferd kämpfen und steigt ab.
Beide greifen zu den scharfen Schwertern
und reizen ihren Stolz und entflammen ihren Zorn;
und gehen sich entgegen mit verhaltenen, langsamen Schritten
wie zwei lauernde, wutentbrannte Stiere.
Notte, che nel profondo oscuro seno
chiudeste e nell’oblio fatto sí grande,
degne d’un chiaro sol, degne d’un pieno
teatro, opre sarian sí memorande.
Piacciati ch’io ne’l tragga, e’n bel sereno
a le future età lo spieghi e mande.
Viva la fama lor; et tra lor gloria
splenda dal fosco tuo l’alta memoria.
Nacht, die du in deiner tiefen, dunklen Brust
und in Vergessenheit eine so bedeutende Tat einschlossest
(Würdig des hellen Sonnenlichts, würdig eines vollen
Theaters wären so bemerkenswerte Taten).
Möge es dir gefallen, dass ich sie hervorhole, und im hellen Licht
künftigen Generationen erzähle und überliefere.
Möge ihr Ruhm leben; und die edle Erinnerung
an ihre Heldentaten leuchte aus deinen Dunstschleiern.
Non schivar, non parar, non pur ritrarsi
voglion costor, né qui destrezza ha parte.
Non danno i colpi or finti, or pieni, or scarsi:
toglie l’ombra e ‘l furor l’uso dell’arte.
Odi le spade orribilmente urtarsi
a mezzo il ferro, il piè d’orma non parte:
sempre è il piè fermo e la man sempre in moto,
né scende taglio in van, né punta a voto.
Nicht ausweichen, nicht abwehren und nicht zurückweichen
wollen sie, noch spielt Geschicklichkeit hier mit.
Sie teilen die Schläge nicht mal vorgetäuscht, mal voll, mal knapp
aus,
die Dunkelheit und ihre Wut verhindern jede Kampfeskunst.
Hör ihre Schwerter schrecklich klirren
in der Mitte der Klinge, und jeder bleibt dem anderen auf den
Fersen:
immer stehen sie auf festen Füßen, ihre Hände immer in Bewegung,
und kein Schlag fährt vergeblich nieder, kein Stich trifft ins Leere.
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Torna l’ira ne’ cori, e li trasporta,
benché deboli, in guerra. Ah fera pugna!
U’ l’arte in bando, u’ già la forza è morta,
ove, in vece, d’entrambi il furor pugna!
Oh che sanguigna e spaziosa porta
fa l’una e l’altra spada, ovunque giugna
ne l’armi e ne le carni! e se la vita
non esce, sdegno tienla al petto unita.
Der Zorn kehrt in ihre Herzen zurück und treibt sie,
obgleich sie schwach sind, zum Kampf. Ach wilder Streit!
Wo die Kampfeskunst darniederliegt und die Kraft schon
gebrochen ist,
wo statt dessen beider Wut den Kampf bestimmt!
Ach, welche blutigen, klaffenden Wunden
schlagen beide Schwerter, wo immer sie
in die Rüstung und ins Fleisch treffen! Und wenn das Leben
nicht schwindet, so nur, weil Zorn es in der Brust zurückhält.
Ma ecco omai l’ora fatale è giunta
che ‘l viver di Clorinda al suo fin deve.
Spinge egli il ferro nel bel sen di punta
che vi s’immerge, e ‘l sangue avido beve:
e la veste, che d’or vago trapunta,
le mammelle stringea tenera e lieve,
l’empie d’un caldo fiume. Ella già sente
morirsi, e ‘l piè le manca egro e languente.
Doch sieh, nun ist die Schicksalsstunde gekommen,
da Clorindas Leben zu Ende gehen muss.
Er stößt die Spitze seines Schwertes in ihre schöne Brust,
die dort tief eindringt und das Blut begierig trinkt,
und das goldbestickte Gewand,
das die Brüste sanft und leicht umschloss,
tränkt es mit einem warmen Strom. Sie fühlt schon
den Tod nahe, und der Fuß wird schwach und matt.
Segue egli la vittoria, e la trafitta
vergine minacciando incalza e preme.
Ella, mentre cadea, la voce afflitta
movendo, disse le parole estreme:
parole ch’a lei novo spirto aditta,
spirto di fé, di carità, di speme,
virtù ch’or Dio le infonde, e se rubella
in vita fu, la vuol in morte ancella.
Er treibt seinen Sieg zum Ende und setzt
der durchbohrten Jungfrau drohend nach und bedrängt sie.
Sie sprach im Fallen mit gequälter Stimme
die letzten Worte:
Worte, die ein neuer Geist ihr eingibt,
der Geist des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung,
Tugenden, die Gott ihr eingibt, und wenn sie rebellisch
im Leben war, so will er sie im Tod als sein Geschöpf.
Armseliger! Woran hast du gefallen? O wie traurig
werden die Triumphe sein und wie unglücklich dein Grund zur
Prahlerei!
Deine Augen werden (wenn du am Leben bleibst)
jeden Tropfen dieses Blutes mit einem Meer von Tränen bezahlen.
So, schweigend und sich anstarrend, unterbrachen diese
blutüberströmten Krieger einige Zeit ihren Kampf.
Tancredi schließlich brach das Schweigen und sprach,
auf dass einer dem anderen seinen Namen entdecke:
– Amico, hai vinto: io ti perdon ... perdona
tu ancora, al corpo no, che nulla pave,
a l’alma sì: deh! per lei prega, e dona
battesmo a me ch’ogni mia colpa lave. –
In queste voci languide risuona
un non so che di flebile e soave
ch’al cor gli scende ed ogni sdegno ammorza,
e gli occhi a lagrimar gli invoglia e sforza.
„Freund, du hast gesiegt: Ich vergebe dir – vergib
auch du, nicht dem Leib, der nichts fürchtet,
aber der Seele: Ach, bete für sie und gib mir
die Taufe, die all meine Schuld fortwäscht.“
In diesen sehnsuchtsvollen Worten klingt
etwas so Wehmütiges und Süßes,
dass es ihm das Herz anrührt und seinen Zorn dämpft
und ihm die tränen in die Augen treibt.
– Nostra sventura è ben che qui s’impieghi
tanto valor, dove silenzio il copra.
Ma poi che sorte ria vien che ci neghi
e lode e testimon degno de l’opra,
pregoti (se fra l’armi han loco i prieghi)
che ‘l tuo nome e ‘l tuo stato a me tu scopra,
acciò ch’io sappia, o vinto o vincitore,
chi la mia morte o la mia vita onore. –
„Es ist wohl unser Missgeschick, dass wir hier
so große Tapferkeit beweisen, wo Schweigen sie verdeckt.
Doch da ein freundliches Schicksal uns
Lob und Zeugnis, die der Tat würdig wären, versagt,
bitte ich dich (wenn Bitten in Kampf Platz haben),
mir deinen Namen und deinen Stand zu enthüllen,
damit ich wissen möge, ob als Besiegter oder Sieger,
wer mich mit Tod oder Leben beehrt.“
Poco quindi lontan nel sen d’un monte
scaturia mormorando un picciol rivo.
Egli v’accorse e l’elmo empiè nel fonte,
e tornò mesto al grande ufficio e pio.
Tremar sentì la man mentre la fronte
non conosciuta ancor sciolse e scoprìo.
La vide, la conobbe, e restò senza
e voce e moto. Ahi vista! ahi conoscenza!
Und nicht weit entfernt am Fuße eines Berges
quoll murmelnd ein kleiner Bach hervor.
Er lief dorthin und füllte seinen Helm an der Quelle
und kehrte traurig zu seiner großen, frommen Aufgabe zurück.
Er fühlte seine Hand zittern, während er die unbekannte Stirn
freimacht und entblößt. Er sah und erkannte sie: und erstarrte
ohne Sprache und Bewegung. O welch Anblick! O welche
Erkenntnis!
Rispose la feroce: – Indarno chiedi
quel ch’ho per uso di non far palese.
Ma chiunque io mi sia, tu innanzi vedi
un di quei due che la gran torre accese. –
Arse di sdegno a quel parlar Tancredi:
– E in mal punto il dicesti
E ‘l tuo dir e ‘l tacer di par m’alletta
barbaro discortese, alla vendetta. –
Wild erwiderte sie: „Umsonst fragst du
nach dem, was ich gewöhnlich nicht kundtue.
Doch wer auch immer ich sei, du siehst vor dir
einen der beiden, die den großen Turm in Brand setzten.“
Vor Wut brannte Tancredi bei diesen Worten:
„In einem ungünstigen Augenblick hast du dies gesagt.
Dein Reden und dein Schweigen reizt mich gleichermaßen,
unhöflicher Barbar, zur Rache.“
Non morì già che sue virtuti accolse
tutte in quel punto e in guardia al cor le mise;
e premendo il suo affanno a dar si volse
vita con l’acqua a chi col ferro uccise.
Mentre egli il suon de’ sacri detti sciolse,
colei di gioia trasmutossi, e rise:
e in atto di morir lieta e vivace,
dir parea: «S’apre il ciel; io vado in pace»
Doch starb er nicht, weil er seine ganze Kraft zusammennahm
in diesem Zeitpunkt und sie in seinem Herzen bewachte.
Und seinen Schmerz bezähmend gab er mit dem Wasser
derjenigen das Leben, die er mit dem Schwert tötete.
Während er die heiligen Worte sprach,
wurde sie von Freude durchdrungen und lächelte;
und im sterben schien sie froh und lebhaft
zu sagen: „Der Himmel öffnet sich, ich gehe in Frieden.“
L’onta irrita lo sdegno alla vendetta,
e la vendetta poi l’onta rinova:
onde sempre al ferir, sempre alla fretta
stimol novo s’aggiunge e cagion nova.
D’or in or più si mesce e più ristretta
si fa la pugna, e spada oprar non giova:
dansi con pomi, e infelloniti e crudi
cozzan con gli elmi insieme e con gli scudi.
Schmähworte reizen die Feindseligkeit zur Rache,
und die Rache erneuert drauf die Beleidigung,
weshalb es zum Verletzen und zum Hasten
immer neuen Anreiz gibt und immer neue Wunden.
Mit der Zeit teilen sie immer mehr Schläge aus, und enger
wird der Kampf, und das Schwert ist nicht mehr angebracht;
Sie schlagen sich mit den Schwertknäufen, und wild und grausam
stoßen sie mit den Helmen und Schilden aufeinander.
Tre volte il cavalier la donna stringe
con le robuste braccia, ed altrettante
poi da quei nodi tenaci ella si scinge,
nodi di fier nemico, e non d’amante.
Tornano al ferro, e l’una e l’altro il tinge
di molto sangue: e stanco ed anelante
e questi e quegli al fin pur si ritira,
e dopo lungo faticar respira.
Dreimal presst der Ritter die Frau an seine Brust
mit seinen starken Armen, und ebensooft
befreit sie sich aus diesen festen Umarmungen,
Umarmungen eines wilden Feindes und nicht eines Liebhabers.
Sie greifen erneut zu den Schwertern und beflecken es beide
mit viel Blut; und müde und außer Atem
ziehen sich beide schließlich zurück
und schöpfen Atem nach dem mühevollen Kampf.
L’un l’altro guarda, e del suo corpo esangue
su’l pomo de la spada appoggia il peso.
Già de l’ultima stella il raggio langue
al primo albor ch’è in oriente acceso.
Vede Tancredi in maggior copia il sangue
del suo nemico, e sé non tanto offeso.
Ne gode e insuperbisce. Oh nostra folle
mente ch’ogni aura di fortuna estolle!
Sie blicken sich gegenseitig an und stützen ihre matten Körper
schwer auf den Schwertknauf.
Schon verlöscht das Licht des letzten Sterns
im ersten Morgenlicht, das sich im Osten zeigt.
Tancredi sieht mehr Blut
an seinem Feind und sieht sich selbst nicht so sehr verletzt.
Er freut sich und wird stolz. O unser törichter
Sinn, der jeden Glückshauch gleich verherrlichen muss!
Misero, di che godi? Oh quanto mesti
fiano i trionfi ed infelice il vanto!
Gli occhi tuoi pagheran (se in vita resti)
di quel sangue ogni stilla un mar di pianto.
Così tacendo e rimirando, questi
sanguinosi guerrier cessaro alquanto.
Ruppe il silenzio al fin Tancredi e disse,
perché il suo nome l’un l’altro scoprisse:
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BIAGIO MARINI
Passacaglio a 4
Tancredi und Erminia
LUIGI ROSSI
Ferma, Tancredi, il passo... O valle, o bosco
(Erminia sul Giordano, 1633)
Recitativo
Ferma, Tancredi, il passo,
ch’omai si regge a pena
il fianco infermo e lasso,
anzi morto ed esangue:
Non perché il fiero guerrier
abbia tratto in duello
dalle mie vene il sangue,
ma perché Amor più fero e più rubello
con acerba ferita
mi toglie, ohimè, la vita.
Rezitativ
Halte an, Tancredi,
denn schwach und ausgezehrt,
was sage ich, blutleer,
kannst du dich kaum aufrecht halten:
Nicht weil der stolze Krieger
mir im Duell
alles Blut aus den Venen
sondern weil Amor, noch grausamer und rebellisch,
mit bitterer Wunde
mir, Ah, das Leben nahm.
O Clorinda, o scoglio, o sasso,
o della tigre altera,
che minacciar su l’elmo tuo si vede,
e più cruda e più fera!
Tosto che il tuo venir da me s’intese,
rapido più che lampo io mossi il piede.
Ma, lasso, io non la trovo.
Forse qualche contesa
or la ritiene, o da cruel periglio
forse rimane offesa.
Ach Clorinda, du Fels, du Stein,
Ach, du bist wie der stolze, bedrohliche Tiger,
den man auf deinem Helm sieht,
noch grausamer und noch hochmütiger!
Seit ich wusste, dass du kommst,
bin ich schneller als der Blitz herbeigelaufen.
Jedoch finde ich sie leider nicht.
Vielleicht wird sie von einem Streit
aufgehalten, oder eine grausame Gefahr
verletzt sie.
Ma s’altri ardì cotanto,
giuro, per quelle luci ond’io tutt’ardo,
per quelle chiome aurate,
in cui l’alma è ristretta,
di farne alta vendetta.
Ma se alla voglia non adula il guardo,
presso a quell’antro io miro
muover non so che fronda:
Chi sà; da quella sponda
forse colei ne vien, per cui sospiro!
Wenn dies aber jemand versucht,
schwöre ich bei den Augen, die mich entflammen
bei diesem goldenen Haar,
das ihre Seele behütet,
Rache zu üben.
Wenn mich aber meine Augen nicht trügen,
glaube ich, neben dieser Höhle,
sich bewegende Äste zu sehen:
Wer weiß, vielleicht kommt an diesem Ufer
diejenige, für die ich atme!
Ah no, che l’aura è solo
nella verde campagna
che fa scuoter le frondi ed al mio duolo
forse sospira e per pietà si lagna;
Ahi, che gioco dei venti,
misero me, mi fanno i miei tormenti!
Io, per aver di lei qualche novella
della selva ogni fronda, ogni virgulto
ricercherò con flebile singulto.
Ach nein, es ist nur der Wind,
der in diesen grünen Gefilden
die Äste bewegt und über meinen Schmerz
seufzt und sich aus Mitleid mit mir beklagt;
Ach, wie sich die Winde mit ihrem Spiel
über meine Marter lustig machen!
Um irgend eine Neuigkeit von meiner Schönen zu erfahren,
werde ich jeden Ast, jeden Spross
mit leisem Seufzen untersuchen.
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Aria
O valle, o bosco, o ninfe,
o chiare linfe
vezzosette e serene,
ditemi ov’è il mio bene.
Arie
Oh du Tal, du Hein, ihr Nymphen,
oh klare Quellen
anmutig und heiter,
sagt mir, wo ist mein Schatz.
O fiori, o erbe, o piante,
d’un mesto amante
per raddolcir le pene,
ditemi ov’è il mio bene.
Oh ihr Blumen, ihr Gräser, ihr Pflanzen,
um die Leiden
eines bedrückten Liebenden zu lindern
sagt mir, wo ist mein Schatz.
SIGISMONDO D’INDIA (1582 - 1629)
Ma che? Squallido e oscuro
(Primo libro di musiche da cantar solo, 1609)
Ma ché? Squallido e oscuro anco mi piaci.
Anima bella, se qui intorno gire,
se odi il mio pianto, a le mie voglie audaci
perdona il furto e ’l temerario ardire:
da le pallide labbra i freddi baci,
che sì caldi sperai, vuo’ pur rapire;
parte torrò di sue ragioni a morte
baciando queste labbra esangui e smorte.
Was nun? Selbst elend und düster gefällst du mir.
Schöne Seele, weilst du noch hier,
hörst du mein Weinen, so vergib mein dreistes Verlangen
und mein verwegenes Glühen:
Kalte Küsse, die ich mir heiß erhoffte,
will ich von deinen bleichen Lippen stehlen;
einen Teil von dir will ich den Klauen des Todes rauben,
indem ich diese toten, blassen Lippen küsse.
BIAGIO MARINI
In solitario piano
(Le lagrime d’Erminia, 1623)
In solitario piano
di fiori adorno e di romite piante
vicino al bel Giordano
giace la bella e sconsolata amante,
e tra que’ muti horrori
piange solinga i suoi negletti amori.
In einer einsamen, mit Blumen
und Sträuchern geschmückten Ebene
nah am schönen Jordan
liegt die schöne und untröstliche Geliebte,
und in dieser stummen Düsterkeit
weint sie einsam, ihre Liebe verschmäht.
Dalle mani ristrette,
da begl’occhi piangenti al ciel rivolti,
dalle guancie umidette,
a cui la doglia i ricchi pregi ha tolti,
da penosi sospiri,
par che la morte se medesma spiri.
Man sieht an ihren verkrampften Händen,
an den weinenden, gen Himmel gerichteten Augen,
den feuchten Wangen,
denen der Schmerz die reichen Trümpfe nahm,
an ihren qualvollen Seufzern,
dass es scheint, der Tod selbst sterbe.
L’aure che già ridenti
in torno a l’aureo crin vaghe scherzaro,
e de’ suoi dolci accenti
l’aure felici al ciel ricche volaro
hor le fanno funeste
come a morta d’amor l’esequie meste.
Die Lüfte, die früher, lachend, scherzend
mit ihrem goldenen Haar spielten
und mit ihren süßen Worten
gen Himmel flogen,
machen ihr nun düstere,
betrübliche Trauerfeiern, wie für einen Liebestod.
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Piange ed ha per consorte
nel pianto suo l’aurora, e s’odon l’onde
sol mormorar di morte,
e con sussurri flebili le fronde
e i pietosi augelletti
imparano a spiegar lugubri affetti.
Sie weint und hat in ihren Tränen
die Morgenröte als Gefährtin; man hört die Wellen
nur von Tod murmeln,
und mit klagendem Geflüster lernen die Blätter
und die mitleidsvollen Vögel
traurige Empfindungen zu verkünden.
Misera Erminia oppressa
dal suo dolor ne’ suoi lamenti tace,
ma l’alta doglia espressa
nel volto è nuncia d’interrotta pace.
Non parla e piange solo
che’ l duol non lascia ch’ella esprima il duolo.
Die unglückliche Erminia, bedrückt
von ihrem Schmerz, hört mit dem Klagen auf,
aber ihr gequältes Antlitz
verkündet, dass ihr Frieden gebrochen ist.
Sie schweigt, sie weint nur,
weil der Schmerz sie ihren Schmerz nicht ausdrücken lässt.
Non ha la lingua il moto,
stagna il pianto negli occhi
e non ha’l petto voce; pallido, immoto
giace il corpo languente ...
Al fin l’affetto ministra le parole
e sgorga il pianto, ella così si duole.
Sie kann ihre Zunge nicht bewegen,
Tränen stehen in ihren Augen,
ihre Brust hat keine Stimme; blass, starr
liegt ihr schwacher Körper da ...
Am Ende ersticken die Gefühle ihre Worte,
die Tränen sprudeln, so groß ist der Schmerz.
BIAGIO MARINI
Sonata in eco con tre violini
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STERZINGER OSTERSPIELE 2014
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