Bericht über die Tagung „Zukunftsträchtige Dichtung“. Friedrich Hölderlin und die Musik des 20. Jahrhunderts Eine Veranstaltung der Fondazione Archivio Luigi Nono, il Centro Tedesco di Studi Veneziani, la Fondazione Giorgio Cini (Istituto per la Musica), l’Accademia Europea di Musica e Arte a Montepulciano in Zusammenarbeit mit der Fondazione Teatro La Fenice e con il sostegno dell’Ambasciata della Repubblica Federale di Germania / und mit der Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien 8. September 2014 - Teatro La Fenice, Sale Apollinee, Venedig Anlass der Tagung war der 90. Geburtstag des international renommierten Luigi Nono, der zeit seines Wirkens auf der einen Seite eng mit der Lagunenstadt Venedig verbunden war, über Jahrzehnte auf der venezianischen Insel la Giudecca lebte und arbeitete, auf der anderen Seite eine besonders intensive Beziehung zu Deutschland pflegte, wo seine Kompositionen teilweise größere Wirkung hatten als in Italien. Auf Initiative der Europäischen Musikakademie Montepulciano und ihrem künstlerischen Leiter Prof. Werner Lohmann, Hochschule für Musik Köln, bot das junge, ausgezeichnete Minguet Quartett (Köln) an, in Venedig Luigi Nonos Streichquartett „Fragmente. Stille – An Diotima“ aufzuführen aus Anlass der Feierlichkeiten von Nonos 90. Geburtstag. Das Konzert wurde für Abend des 8. Septembers 14 geplant, wofür mit dem Kammermusiksaal des Teatro La Fenice in Venedig ein idealer Ort gefunden werden konnte. Der für das Streichquartett Nonos offensichtliche Bezug zur Dichtung Friedrich Hölderlins wurde zum Anlass genommen, um der Beziehung der Musik des 20. Jahrhunderts in einem konzentrierten Symposium am Tag des Konzerts am selben Tag nachzugehen. Es konnten dafür einerseits renommierte Spezialisten für die Interpretation Hölderlins gewonnen werden, mit Prof. Frank/ Universität Tübingen, und Prof. Reitani, Universität Udine, andererseits namhafte Komponistinnen verschiedener Generationen, die sich kompositorisch und intellektuell der Herausforderung Hölderlins gestellt hatten bzw. diese reflektierten. Prof. Manzoni vertrat die – Nono näher stehende – ältere Generation, die nach produktiven Lösungen der Vertonung Hölderlins suchte, Charlotte Seither die mittlere Generation, die reflektierte, warum sie sich von der Tradition der Hölöderlin-Vertonung absetzte, als Teil ihres kompositorischen Selbstverständnisses. Prof. Caccari, renommierte Philosoph und ehemaliger Freund Nonos, führte in die Thematik auf einer persönlich gelebten Ebene ein, während Prof. Borio anfangs die Thematik innerhalb der musikwissenschaftlichen Forschung zur musikalischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts und ihres Bezugs zur Poesie einordnete. Ebenso sprach Frau Schönberg-Nono, Präsidentin der Luigi-Nono-Archivs ein Grußwort. Zur Intensivierung der Diskussion zwischen den zentralen Vortragssprachen deutsch und italienisch konnte eine Simultanübersetzung realisiert werden, die durch die Deutsche Botschaft sowie die Europäische Musikakademie gefördert werden konnte. Die spezifischen Inhalte der Referate können den nachfolgenden Abstracts entnommen werden. Die Referate ergänzten sich fruchtbar und führten zu lebhaften Diskussionen. Besonders die Referate von Prof. Frank, der in klarster Weise Hölderlins diffizile Poetik und Philosophie und deren Verhältnis zur Musik vermittelte, und von Prof. Reitani, der die Vertonung Hölderlins im Kontext der Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts reflektierte, ermöglichten vielfache Querverbindungen zwischen den ReferentInnen einerseits und dem Publikum andererseits. Das Publikum war ausgesprochen zahlreich, es waren stets über 50 externe Besucher anwesend, über die beteiligten Vertretungen der Institutionen hinaus. Zu einem Teil waren dies WissenschaftlerInnen und viele VertreterInnen der deutschen Kulturmittler Italiens aus dem Netzwerk des Deutschen Studienzentrums, das am selben Tag, dem Vormittag des 8.9., seinen Direktorenwechsel beging und eines der beteiligten Institute war. Es ergab sich daher ein besonders starkes, auch interdisziplinäres Echo der Tagung. Der Anschluss zum Konzert war ideal, das künstlerisch hochkarätig und sehr gut besucht war. Im Namen aller Veranstalter danke ich allen Förderern für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung. Prof. Dr. Sabine Meine, [email protected], bis 15.9. 2014, Direktorin Deutsches Studienzentrum in Venedig, www.dszv.it Ausführliches Programm mit Abstracts und Biografien der Referentinnen und Referenten Una poesia “gravida di futuro”. Friedrich Hölderlin e la musica del XX secolo „Zukunftsträchtige Dichtung“. Friedrich Hölderlin und die Musik des 20. Jahrhunderts Un’iniziativa della / Eine Veranstaltung der Fondazione Archivio Luigi Nono, il Centro Tedesco di Studi Veneziani, la Fondazione Giorgio Cini (Istituto per la Musica), l’Accademia Europea di Musica e Arte a Montepulciano in collaborazione con la / in Zusammenarbeit mit der Fondazione Teatro La Fenice e con il sostegno dell’Ambasciata della Repubblica Federale di Germania / und mit der Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien 8 settembre 2014 - Teatro La Fenice, Sale Apollinee, Venezia 8. September 2014 - Teatro La Fenice, Sale Apollinee, Venedig 14:30 – 18:45 INCONTRO DI STUDIO E RIFLESSIONE / ÜBERLEGUNGEN UND DISKUSSIONEN Relazioni di / Beiträge von Massimo Cacciari, Manfred Frank, Giacomo Manzoni, Luigi Reitani, Charlotte Seither Moderazione / Moderation: Gianmario Borio, Sabine Meine PROGRAMMA / PROGRAMM 14:30-14:50: Saluti / Begrüßung 14:50-15:15: Introduzione di Massimo Cacciari/ Einleitung von Massimo Cacciari 15:15-16:00: Manfred Frank, Über die Erzeugung von Bedeutung aus der Stille/ Sul prodursi del significato dal silenzio ABSTRACT: Il quartetto di Luigi Nono, Fragmente – Stille, An Diotima, mi ricorda il pensiero e l’idea poetica centrale di Hölderlin, secondo la quale senza un cambio di alternanza dei toni poetici nessun tono sia davvero percepibile. La convinzione che il senso derivi dalla contrapposizione non era mai stato fissato nell’opera in maniera così forte prima di Fichte, maestro di Hölderlin nonché suo maggiore antagonista. Un pensiero, perfino un veicolo di parole e di suoni, “significa” qualcosa, possiede il “valore” che tutti gli altri elementi, che ne costituiscono e delimitano il contesto, non sono in grado di avere. Questa è “la legge della riflessione di tutta la nostra conoscenza – vale a dire: niente di quel che è viene conosciuto, senza farci pensare anche a quel che non è”. La linguistica di Humboldt e di Saussure si basano su questo concetto. Sartre gli darà la seguente accezione: “È ciò che non è che dà senso a ciò che è“. Sartre chiama lo spazio vuoto che genera significato (o silenzio) anche “elemento non significante”, “ciò che viene taciuto del discorso“. Qui vedo il contatto più profondo del quartetto di Nono con il mondo concettuale di Hölderlin. Nonos Quartett Fragmente – Stille, An Diotima erinnert mich an den poetologischen Grund- und Zentralgedanken Hölderlins: die Idee, dass ohne einen „Wechsel der Töne“ keiner von ihnen "fühlbar" würde. Die Einsicht, dass Bedeutung aus Entgegensetzung entsteht, hat niemand so kraftvoll ins Werk gesetzt wie Hölderlins philosophischer Lehrer (und Gegner) Fichte. Ein Gedanke, gar ein physischer Wortoder Klangträger "bedeutet" das oder hat den "Wert", den alle anderen, die seinen Kontext bilden und sich gegen ihn abgrenzen, nicht haben. "Dies ist das REFLEXIONS-Gesetz aller unserer Erkenntnis –nämlich: Nichts wird erkannt, was es sey, ohne uns das mit zu denken, was es nicht sey." Die Humboldt'sche und die Saussure'sche Linguistik gründen auf diesem Gedanken. Sartre wird ihm diese Wendung geben : "C'est ce qui n'est pas qui donne du sens à ce qui est." Er nennt die bedeutungsgenerierende Leerstelle (oder Stille) auch das „élément non-signifiant“, „ce qui se tait du discours“. Hier sehe ich die tiefste Berührung von Nonos Quartett mit Hölderlins Gedankenwelt. BIOGRAFIA / BIOGRAPHIE: Manfred Frank (Wuppertal-Elberfeld 1945), ha studiato filosofia e storia della letteratura ad Heidelberg e a Berlino, conseguendo il dottorato di ricerca nel 1971 e l’abilitazione all’Università di Düsseldorf nel 1977 (Textstrukturierung und -interpretation nach Schleiermacher). Nel 1982 è stato chiamato ad insegnare all’Università di Ginevra e dal 1987, da professore ordinario, ha ricoperto la cattedra di filosofia teoretica alla Eberhard-Karls-Universität di Tübingen. Tra i suoi scritti si annoverano numerosi e importanti progetti editoriali sulla filosofia di I. Kant, F.W.J. Schelling, F.D.E. Schleiermacher e L. Tieck. Le sue monografie sono state tradotte in diverse lingue (tra le altre Das Problem 'Zeit' in der deutschen Romantik. Zeitbewußtsein und Bewußtsein von Zeitlichkeit in der frühromantischen Philosophie und in Tiecks Dichtung; Der unendliche Mangel an Sein. Schellings Hegelkritik und die Anfänge der Marxschen Dialektik; Die unendliche Fahrt. Ein Motiv und sein Text. Die Geschichte des Fliegenden Holländers und verwandter Motive", Leipzig 1995). È stato invitato a tenere prestigiose serie di lezioni (Theodor-Heuß-Professur 1998 alla New School di New York) ed è stato insignito di onoreficenze, come quello di „Officier dans l’Ordre des Palmes Académiques“. È membro dell’Academia Europaea, della Heidelberger Akademie der Wissenschaften, della Société Européenne de Culture (a Venezia) e fa parte dell’Advisory Board di numerose riviste specializzate internazionali. Zudem ist er Ehrendoktor der Universitäten Pécs und Klausenburg/Cluj. Manfred Frank (Wuppertal-Elberfeld 1945). Seine glänzende, internationale akademische Karriere begann er mit dem Studium der Philosophie und zweierlei Literaturwissenschaften in Heidelberg und Berlin. 1971 promovierte er mit einer Arbeit zum Problem der ‚Zeit’ in der deutschen Romantik. Sechs Jahre später, als Assistent am Germanistischen Seminar der Universität Düsseldorf, habilitierte er sich mit einer Arbeit zur Textstrukturierung und –interpretation nach Schleiermacher, bevor er 1982 einem Ruf an die Universität Genf („philosophie moderne et contemporaine“) folgte. 1987 wechselte er auf ein Ordinariat an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen für theoretische Philosophie. Weitere Rufe erhielt er an die Universitäten Bielefeld, Davis/CA und Jena. Zu seinen Schriften zählen bedeutende Editionsprojekte zur Philosophie I. Kants, F.W.J. Schellings, F.D.E. Schleiermachers und L. Tiecks. Seine Monografien erfuhren vielfache Neuauflagen und Übersetzungen in etliche Sprachen (u.a. Das Problem 'Zeit' in der deutschen Romantik. Zeitbewußtsein und Bewußtsein von Zeitlichkeit in der frühromantischen Philosophie und in Tiecks Dichtung; Der unendliche Mangel an Sein. Schellings Hegelkritik und die Anfänge der Marxschen Dialektik; Die unendliche Fahrt. Ein Motiv und sein Text. Die Geschichte des Fliegenden Holländers und verwandter Motive", Leipzig 1995). Vielfach ist Manfred Frank international ausgezeichnet worden, durch Einladungen zu renommierten Vorlesungsreihen und Gastprofessuren (u. a. Theodor-Heuß-Professur 1998 an der New School in New York) oder Ehrungen wie der zum Officier dans l’Ordre des Palmes Académiques und Mitgliedschaften in Poetik & Hermeneutik, in der Academia Europaea, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Société Européenne de Culture (Sitz Venedig) oder im Advisory Board internationaler Fachzeitschriften. Zudem ist er Ehrendoktor der Universitäten Pécs und Klausenburg/Cluj. 16:00-16:45: Giacomo Manzoni, Perché Hölderlin/ Warum Hölderlin ABSTRACT: Il compositore traccia un breve percorso sui suoi rapporti con la figura e i testi di Hölderlin, anche ricordando in proposito scambi di idee con Luigi Nono: scoperta del poeta, emarginazione, "follia", i frammenti estremi. ABSTRACT: Der Komponist geht seiner Beziehung zu Hölderlins Persönlichkeit und Texten nach, und wird dabei auch den Ideenaustauschmit Luigi Nono erinnern: Entdeckung des Dichters, Marginalisierung, „Verrücktheit“, extreme Fragmente. BIOGRAFIA / BIOGRAPHIE: Giacomo Manzoni (Milano 1932) ha composto lavori per il teatro (tra gli altri, La sentenza, e Atomtod, su libretto di E. Jona, e Per Massimiliano Robespierre, su testi vari, in collaborazione con L. Pestalozza e V. Puecher), per orchestra da camera, per coro e orchestra (su testi di Hölderlin, Nietzsche, Bachmann, A. Artaud). Le sue opere sono state eseguite da B. Maderna, A. Markowski, M. Pollini, C. Abbado, R. Muti, G. Bertini. È stato critico musicale per l'Unità, ha insegnato nei conservatori italiani di Milano e Bologna e tenuto corsi e seminari presso numerose istituzioni e università di tutto il mondo. Ha tradotto testi di Schönberg (A. Schönberg. L’uomo, l’opera, i testi musicati, Elementi di composizione musicale, Esercizi preliminari di contrappunto) e Adorno (Dissonanze, Il fido maestro sostituto, Filosofia della musica moderna) e pubblicato tra l'altro Scritti (a cura di C. Tempo, Firenze 1991), Tradizione e utopia (a cura di A. De Lisa, Milano 1994), Écrits (a cura di L. Feneyrou, Parigi 2006), Parole per musica (Palermo 2007) e Musica e progetto civile (a cura di R. Pozzi, Lucca-Milano 2009). È stato insignito di numerosi premi internazionali, tra i quali il Leone d’Oro alla carriera, nell’ambito della Biennale Musica, Venezia 2007. Giacomo Manzoni ( 1932 in Mailand geb.) hat Theaterwerke komponiert (u.a. La sentenza, und Atomtod, nach Textbuch von E. Jona, und Per Massimiliano Robespierre, nach verschiedenen Texten in Zusammenarbeit mit L. Pestalozza e V. Puecher), Werke für Kammerorchester, Chor und Orchester (nach Texten von Hölderlin, Nietzsche, Bachmann, A. Artaud). Seine Werke wurden aufgeführt durch B. Maderna, A. Markowski, M. Pollini, C. Abbado, R. Muti, G. Bertini. Manzoni war Musikkritiker von l'Unità, er hat an den Konservatorien in Mailand und Bologna sowie vielen Instituten und Universitäten in der ganzen Welt gelehrt. Als Übersetzer hat er sich Texten von Schönberg (A. Schönberg. L’uomo, l’opera, i testi musicati, Elementi di composizione musicale, Esercizi preliminari di contrappunto) und Adorno gewidmet (Dissonanze, Il fido maestro sostituto, Filosofia della musica moderna). Zudem hat er eigene Schriften verfasst, u.a. Scritti (hg. v. C. Tempo, Firenze 1991), Tradizione e Utopia (hg. v. A. De Lisa, Milano 1994), Écrits (hg v. L. Feneyrou, Parigi 2006), Parole per musica (Palermo 2007) e Musica e progetto civile (hg.v. R. Pozzi, Lucca-Milano 2009). Manzoni wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Goldenen Löwen im Rahmen der Biennale Musica, Venedig 2007. 16:45-17:15: PAUSA CAFFÈ / KAFFEEPAUSE 17:15-18:00: Luigi Reitani, Friedrich Hölderlin: un poeta musicale?/ Friedrich Hölderlin: ein musikalischer Dichter? ABSTRACT: A nessun altro poeta di lingua tedesca sembra aver arriso nel Novecento la fortuna musicale destinata a Friedrich Hölderlin: da Kurtág a Maderna, da Nono a Holliger, per non citare che alcuni nomi. Eppure la sontuosa tradizione liederistica dell’Ottocento sembra aver quasi del tutto trascurato i versi del poeta svevo. Se si eccettua lo svizzero Friedrich Theodor Fröhlich (1803-1836), oggi ignoto ai più, bisogna aspettare Brahms per veder trasposta in musica la poesia di Hölderlin. Ciò dipende forse dal fatto che i suoi versi, articolati in forme classicheggianti e per lo più prive di rime, mal si prestano ad essere adattati ai canoni della composizione liederistica. D’altra parte la poesia di Hölderlin è intrinsecamente musicale ed egli stesso ha formulato la sua poetica nei termini di una “alternanza dei toni”. In questo il poeta risente con ogni probabilità di un dibattito estetico che risale a Rousseau e che in Germania passa attraverso Wilhelm Heinse, approdando infine ad August Wilhelm Schlegel. Keinem anderen deutschen Dichter scheint im 20. Jahrhundert ein musikalischer Erfolg zuteil geworden sein wie Friedrich Hölderlin: da Kurtág zu Maderna, von Nono zu Holliger, um nur einige Namen zu nennen. Hingegen scheint die reiche Liedtradition des 19. Jahrhunderts den schwäbischen Dichter fast ganz vernachlässigt zu haben. Nach dem Schweizer Friedrich Theodor Fröhlich (1803-1836), heute nahezu unbekannt, muss man auf Brahms warten, um Hölderlin in die Musik überführt zu sehen. Dies mag daran liegen, dass sich seine Verse, antikisierend und meist frei von Reimen, nur schlecht in die tradierten Normen der Liedkomposition einfügen. Andererseits ist Hölderlins Dichtung an sich musikalisch und er selbst hat seine Poesie in der Begrifflichkeit den “Tonwechsels” formuliert. Darin spürt Hölderlin wahrscheinlich einer ästhetische Debatte nach, die bis zu Rousseau zurück führt und die in Deutschland über Wilhelm Heinse bis hin zu August Wilhelm Schlegel zu verfolgen ist. BIOGRAFIA / BIOGRAPHIE: Luigi Reitani (Foggia 1959), ha studiato letteratura italiana e tedesca a Bari e Vienna. Dal 2005 è professore ordinario di letteratura tedesca all’Università di Udine ed è stato professore ospite all’Università di Klagenfurt. Ha curato opere di I. Bachmann, Th. Bernhard, J.W. Goethe, E. Jandl, E. Jelinek, F. Mayröcker, F. Schiller, A. Schnitzler, J. Winkler. È autore di numerosi studi su Hölderlin e sulla letteratura austriaca del Novecento. Per “I Meridiani” di Mondadori ha tradotto e commentato la prima edizione italiana integrale delle liriche di Friedrich Hölderlin, di cui ha anche rivisto il testo critico tedesco (Tutte le liriche, Milano 2001). Per questo lavoro ha ricevuto il Premio internazionale Mondello per la traduzione. Scrive per il supplemento culturale del «Sole24 ore» e per «Il Piccolo» di Trieste. Insieme ad Annalisa Cosentino dirige la collana Anemoni di Marsilio, dedicata ai classici centroeuropei. È membro dell’Ufficio di Presidenza della Internationale Hölderlin-Gesellschaft di Tubinga e del comitato scientifico del Freies Deutsches Hochstift di Francoforte. Luigi Reitani, (Foggia 1959), studierte italienische und deutsche Literatur in Bari und Wien. Seit 2005 ist er ordentlicher Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Udine , zudem lehrte er an der Universität Klagenfurt. Als Forscher hat er sich ebenso profiliert durch Studien zur Goethezeit und zur österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts wie auch durch Übersetzungen und kommentierte italienische Editionen von Werken deutschsprachiger Autoren , darunter Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Johann Wolfgang Goethe, Elfriede Jelinek, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Friedrich Schiller, Arthur Schnitzler und Josef Winkler. Luigi Reitani ist Herausgeber und Übersetzer einer kommentierten zweisprachigen Ausgabe der gesamten Lyrik Friedrich Hölderlins (Milano: Mondadori 2001; Internationaler Mondello-Preis für literarische Übersetzung 2002). Zudem ist er Mitherausgeber der literarischen Reihe „Anemoni“ beim Verlag Marsilio in Venedig , Vorstandsmitglied der Hölderlin-Gesellschaft und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Freien Deutschen Hochstifts. Reitani ist ebenso als journalistisch tätig bei verschiedenen italienische Tageszeitungen und im italienischen Rundfunk. 18:00-18:45: Charlotte Seither, Unberührbar: Der ferne Hölderlin/Intangibile. Hölderlin lontano ABSTRACT: Spätestens seit den ausgehenden 1970er Jahren übt Hölderlin eine bewerkenswerte Anziehungskraft auf Komponisten der Neuen Musik aus. Die Komponistin untersucht, warum das Werk dieses Autors für die musikalische Rezeption so überaus fruchtbar erscheint und zeigt strukturelle Gegebenheiten auf, die den musikalischen Zugang zu seinem Werk in der Neuen Musik begünstigen. Zugleich reflektiert sie die Grenzen der Vertonbarkeit, aus denen sich neue Ebenen der Wort-Ton-Beziehung aufzeigen lassen. Hölderlin bietet Formen des Kunstoffenen, die ein Weiterdenken von Kunst auf verschiedenen Ebenen möglich machen. Seine Strukturen wirken übersprachlich, darin laden sie auch andere Künste ein. Als „Kunst über Kunst“ erlangt die Komposition dabei einen eigenständigen Status, der über die bloße Ausdeutung des Textes hinaus reichen kann. Hölderlin, so die abschließende These, mag einerseits als „unvertonbar“ erscheinen, wird er in der musikalischen Struktur jedoch entgrenzt, so eröffnet er neue Formen von Autonomie. Al più tardi dalla fine degli anni ‘70 Hölderlin ha esercitato un’influenza considerevole sui compositori di musica contemporanea. La compositrice tedesca indaga i motivi per cui l’opera poetica di questo autore sia sembrata tanto produttiva per una sua recezione musicale, indicando le condizioni strutturali che hanno favorito un approccio musicale all’opera hölderliniana all’interno della musica contemporanea. Al contempo Charlotte Seither riflette circa i confini della musicalità a partire dai quali sia possibile indicare nuovi elementi del rapporto tra parola e musica. Hölderlin dispone delle forme dell’apertura verso le arti, che rendono possibile continuare a pensare all’arte anche su piani diversi. Le sue strutture poetiche sembrano oltrepassare il linguaggio, e proprio in questo senso invitano anche altre arti al dialogo. In quanto “arte sull’arte” la composizione raggiunge in tal modo uno status autonomo, che va al di là della mera interpretazione testuale. La tesi conclusiva è che se da un lato Hölderlin può apparire “non musicabile“, dall’altro sconfina tuttavia nelle strutture proprie della musica, aprendo così a nuove forme di autonomia artistica. BIOGRAFIA / BIOGRAPHIE: Charlotte Seither (Landau/Pfalz 1965). Als erste Deutsche wurde sie 1995 mit dem 1. Preis im Internationalen Kompositionswettbewerb „Prager Frühling“ ausgezeichnet. Neben dem Kompositionsstudium (Friedrich Goldmann, Aribert Reimann) promovierte sie 1998 bei Rudolf Stephan an der FU Berlin und ist eine gefragte Jurorin und Referentin bei internationalen Symposien und Wettbewerben. Als Stipendiatin lebte und arbeitete sie in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom, daneben auch im Deutschen Studienzentrum Venedig, der Citè des Arts Paris und der Villa Aurora Los Angeles. Ihr Orchesterwerk „Language of Leaving“ kam 2013 bei den BBC Proms in London zur Uraufführung. Im Mai wurde Charlotte Seither mit dem Deutschen Musikautorenpreis 2014 der GEMA ausgezeichnet. Charlotte Seither (Landau/Pfalz 1965). È stata la prima tedesca a conseguire il primo premio nel 1995 nel concorso internazione “Prager Frühling“. Accanto agli studi di composizione con i maestri Friedrich Goldmann e Aribert Reimann ha conseguito nel 1998 il titolo di dottore di ricerca presso Rudolf Stephan alla Frei Universität di Berlino; è una giurata e relatrice assai richiesta nei simposi e nei concorsi internazionali. Ha vissuto e lavorato a Roma come borsista dell’Accademia Tedesca di Villa Massimo, a Venezia presso il Centro Tedesco di Studi Veneziani, a Parigi nella Citè des Arts e a Los Angeles a Villa Aurora. La sua composizione per orchestra Language of Leaving è stata eseguita nel 2013 a Londra nell’ambito dei BBC Proms. Nel maggio di questo anno Charlotte Seither è stata premiata con il premio degli autori musicali tedeschi della GEMA. 18:45-19:45: aperitivo Ore 20:00-21:00 A Luigi Nono. Concerto per il 90esimo anniversario della nascita