Helpline
Wie lange hat jemand Anrecht auf Rehabilitation?
Wiederholt gelangen Betroffene an die Help­
line mit der Frage, wie lange die Kosten eines
Aufenthaltes in einer Rehabilitationsklinik von
der obligatorischen Grundversicherung der
Krankenkasse zu übernehmen sind, ob allen­
falls andere Leistungsträger für solche Kosten
aufkommen, und ob die Regelung im Falle
von unfallbedingten Hirnverletzungen eine
andere ist.
Dr. Mark Mäder, Chefarzt des Zentrum für
Querschnittgelähmte und Hirnverletzte, REHAB
Basel und Martin Hablützel, Rechtsanwalt
und Präsident FRAGILE Zürich nehmen zu die­
sen Fragen je separat aus medizinischer und
juristischer Sicht Stellung:
Dr. Mark Mäder:
Rehabilitation ist notwendig, wenn die Be­
handlung nach Schädigung des Gehirns
durch eine Krankheit oder durch einen Unfall
nicht zu einer Heilung geführt hat und
Funktionen ausgefallen sind respektive einge­
schränkt sind und wenn ein sogenanntes Rehabilitationspotential besteht. Grundsätzlich
hat ein Versicherter Anspruch auf Rehabili­
tation, wenn die oben beschriebenen Voraus­
setzungen erfüllt sind.
Auf zwei Problemkreise möchte ich hinweisen:
Die Begriffe «Prognose» und «Rehabilitations­
potential» sind nicht ganz genau definiert.
Beide Begriffe bilden bei der Beurteilung für
das Recht auf Rehabilitation eine zentrale
Rolle und beide Begriffe sind unscharf.
Natürlich gibt es Beurteilungskriterien für bei­
des, sie fallen aber nicht unter die vom
Kostenträger verlangten und akzeptierten «hard
facts». Sogar die Akutmedizin, die ihre natur­
wissenschaftliche Basis betont, hat oft nicht
nur «hard facts» zur Verfügung, da es sich ja
um das «multifaktorielle System Mensch»
handelt. Vor allem die Prognose entzieht sich
diesem Anspruch. In der Rehabilitation muss
aus der Prognose und anderen Faktoren das
Rehabilitationspotential beurteilt werden.
Hier geht die Schere zwischen der Zielsetzung
aus dem Potential (zum Beispiel der Patient
wird selbständig) und der dafür gebrauchten
Zeit (zum Beispiel drei Monate) sowie der
Wichtigkeit dieses Ziels auseinander. Die
«Reparaturfähigkeit» des zentralen Nerven­
systems hat uns neue Perspektiven gebracht,
aber nach wie vor benötigt diese Regene­
ration ihre Zeit. Eine Wunde, eine Fraktur und
auch die Lernfähigkeit des Gehirns können
trotz Spar- und Zeitdruck nicht beliebig
beschleunigt werden. So bleibt die Frage kon­
20
FRAGILCxlra 2/2006
trovers: Was nützt das wem, und was kostet
das wen? Hier lohnt es sich anzusetzen: Die
Argumente müssen für beide Seiten unter­
mauert und gerecht begründet werden kön­
nen. Das Geld darf nicht alleinige WertvorStellung sein.
Martin Hablützel:
Nach den Bestimmungen des Krankenversi­
cherungsgesetzes (KVG) hat die obligatori­
sche Grundversicherung die Kosten für ärzt­
lich durchgeführte oder angeordnete Mass­
nahmen der medizinischen Rehabilitation zu
übernehmen. Voraussetzung ist, dass die
Rehabilitation in einer geeigneten und aner­
kannten Klinik erfolgt. Eine stationäre Reha­
bilitation bedarf zusätzlich der vorgängigen
Kostengutsprache der Krankenkasse und
einer ausdrücklichen Bewilligung von deren
Vertrauensarzt.
Generell sind Krankheitskosten von der Kasse
nur zu übernehmen, sofern eine medizinische
Behandlung oder Therapie wirksam, zweck­
mässig und wirtschaftlich äst, wobei die
Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Metho­
den nachgewiesen sein muss. Eine Leistungs­
pflicht für eine stationäre Behandlung setzt
voraus, dass eine Krankheit vorliegt, die eine
Akutbehandlung oder medizinische Rehabili­
tation unter Spitalbedingungen erforderlich
macht. Es wird also verlangt, dass die Mög­
lichkeiten ambulanter Behandlung erschöpft
sind und nur noch im Rahmen eines Spital­
aufenthaltes Aussicht auf einen Behandlungs­
erfolg besteht. Gemäss Bundesgericht kann
dies aber auch der Fall sein, sofern wegen
besonderer persönlicher Lebensumstände die
P i a H e f p l in t e
ftirs Hirn»
mm
tié
Behandlung nicht anders als im Spital bzw.
der Rehabilitationsklinik durchgeführt werden
kann.
Der Aufenthalt in einer spezialisierten Reha­
bilitationsklinik ist demnach bei Hirnver­
letzungen zu decken, sofern eine solche Be­
handlung im stationären Rahmen erforderlich
ist, eine anderweitige Behandlung nicht mög­
lich ist, damit das Leiden verringert und der
Gesundheitszustand verbessert werden kann.
Abzugrenzen ist die Rehabilitation ausdrück­
lich von der Erholungskur, für die keine Lei­
stungspflicht der Krankenkasse besteht. Die
Rehabilitation ist darauf ausgerichtet, beein­
trächtigte Funktionen mit medizinischen
Mitteln zu verbessern, wogegen Erholungs­
kuren in der Regel zur Erholung und Gene­
sung nach Erkrankungen dienen - ohne das
eine besondere Pflege - und Behandlungsbedürftigkeit vorliegen würde.
Weder das Gesetz noch die Gerichte sehen
eine bestimmte Dauer für Aufenthalte in
Rehabilitationskliniken vor. Vielmehr ist im
Einzelfall und unter den medizinischen Ge­
sichtspunkten zu prüfen, ob die Voraus­
setzungen für einen Aufenthalt nach drei,
sechs oder mehr Wochen noch gegeben ist.
Sofern die Krankenkasse die Kostengutspra­
che verweigert oder nach einer gewissen Zeit
die Leistungen einstellen will, kann ein ent­
sprechender Entscheid bei den Kantonalen
Sozialversicherungsgerichten angefochten
werden. Wird der Aufenthalt dennoch fortge­
setzt, so besteht die Gefahr, dass man - bei
Ablehnung der gerichtlichen Beschwerde eigens für diese Kosten aufkommen muss.
Sofern der Aufenthalt in der Rehabilitations­
klinik unmittelbar auf die Eingliederung ins
Erwerbsleben gerichtet und geeignet ist, die
Arbeitsfähigkeit im Beruf oder im Haushalt
dauerhaft und wesentlich zu verbessern, so
muss die Invalidenversicherung für die ent­
sprechenden Kosten (in der Allgemeinen
Abteilung) aufkommen. Empfehlenswert ist
deshalb, sowohl um Kostengutsprache bei der
Krankenkasse als auch bei der Invalidenver­
sicherung zu ersuchen.
Die Fragen, welche Voraussetzungen im Falle
einer unfallbedingten Hirnschädigung erfüllt
sein müssen, richtet sich bei erwerbstätigen
Patienten nach den Bestimmungen des
Unfallversicherungsgesetzes (UVG). Die Kos­
ten des Rehabilitationsaufenthaltes sind
dabei vom Unfall Versicherer zu übernehmen,
sofern die Behandlung zweckmässig ist. Weil
die Unfallversicherung ein grosses Interesse
hat, dass die Arbeitsfähigkeit eines Unfall­
opfers verbessert wird, wird sie weniger
zurückhaltend sein bei der Finanzierung sol­
cher Aufenthalte als die Krankenkasse.
Schliesslich kommt hinzu, dass die Unfallver­
sicherer die Rehabilitation in ganz bestimm­
ten Rehabilitationskliniken durchführen, mit
welchen entsprechende Tarifverträge beste­
hen. Dies führt dazu, dass erwerbstätigen
Personen, welche unfallbedingt einen Hirn­
schaden erleiden, längere Rehabilitationsauf­
enthalte gewährt werden.
Helpline
Pendant combien de temps ai-je droit à la réhabilitation?
Il est fréquent que des personnes trauma­
tisées cérébrales s'adressent à la Helpline
pour nous demander pendant combien de
temps les coûts du séjour en clinique de
réhabilitation sont pris en charge par l'assurance-maladie obligatoire, si d'autres four­
nisseurs de prestations peuvent couvrir ces
frais, et s'il existe un règlement spécifique
dans le cas des lésions cérébrales dues à un
accident.
Dr. Mark Mäder, médecin chef du centre
pour paraplégiques et traumatisés crâniocérébraux REBAB Bâle, et Martin Hablützel,
avocat et président de FRAGILE Zurich,
répondent à ces questions d'un point de vue
médical et juridique:
Dr. Mark Mäder:
Une réhabilitation est nécessaire quand le
traitement qui a suivi la lésion cérébrale
causée par une maladie ou un accident n'a
pas conduit à la guérison, quand certaines
fonctions cérébrales sont entravées et qu'un
«potentiel de réhabilitation» existe. Fonda­
mentalement, si ces exigences sont remplies,
l'assuré a droit à une réhabilitation. J'aime­
rais rendre attentif à deux problèmes: les ter­
mes «pronostic» et «potentiel de réhabilita­
tion» ne sont pas clairement définis.
Ces deux termes jouent un rôle central lors
de la détermination du droit à la réhabilita­
tion, et tous deux sont peu précis. Nous dis­
posons certes de critères d'évaluation, mais
ils n'entrent pas dans la catégorie des «hard
facts» exigés par les assureurs. Même la
médecine d'urgence, qui opère sur des bases
scientifiques, ne dispose souvent pas de
«hard facts», l'être humain étant un «systè­
me à facteurs multiples». C'est avant tout le
pronostic qui souffre de cette imprécision.
Durant la réhabilitation, le pronostic, entre
autres facteurs, détermine le potentiel de
réhabilitation. Il s'agit de peser le pour et le
contre entre l'objectif visé, dépendant du
potentiel (par exemple: le patient retrouve
son indépendance), et le temps nécessaire à
atteindre ce but (par exemple: trois mois).
Les possibilités de «réparation» du système
nerveux central ont apporté de nouvelles
perspectives, mais cette régénération prend
un certain temps. Comme la guérison d'une
blessure ou d'une fracture, le temps d'ap­
prentissage du cerveau ne peut être accéléré
à volonté, malgré notre désir d'économiser
du temps et de l'argent. La question la plus
délicate demeure: qui en profitera, combien
ça coûtera, et qui payera? C'est ici que se
situe le débat: les arguments doivent être
fondés et justifiés de part et d'autre. L'argent
ne peut pas être l'unique critère.
Martin Hablützel:
Selon les directives de la Loi fédérale sur
l'assurance-maladie (LAMal), l'assurance de
base doit assumer les coûts des mesures de
réhabilitation qui font l'objet d'une prescrip­
tion médicale. La réhabilitation doit être
effectuée dans une clinique reconnue, Une
réhabilitation stationnaire nécessite de
surcroît une garantie de payement de l'assurance-maladie eî une autorisation formelle
du médecin de confiance de cette dernière.
De manière générale, l'assurance-maladie
n'assumera les coûts que si un traitement
médical ou une thérapie est efficace, appro­
prié et économique, l'efficacité devant être
prouvée scientifiquement. Le devoir de prise
en charge pour le traitement stationnaire
s'applique uniquement dans le cas d'une
maladie exigeant un traitement d'urgence
ou une réhabilitation médicale en milieu
hospitalier, il faut que les possibilités de trai­
tement ambulant aient été épuisées, et que
seul le séjour en clinique offre une chance
d'amélioration. Selon le Tribunal fédéral, le
traitement en hôpital ou dans une clinique
de réhabilitation spécialisée est également
justifié lorsque des conditions de vie spécifi­
ques ne permettent pas d'effectuer le traite­
ment ailleurs.
Le séjour dans une clinique de réhabilitation
spécialisée sera pris en charge par l'assureur
dans le cas d'un traumatisme cérébral, à
condition que le traitement stationnaire soit
nécessaire pour alléger les souffrances et
pour améliorer l'état de santé. La réhabilita­
tion est à distinguer formellement d'une
cure de rétablissement, qui ne serait aucu­
nement couverte par l'assurance-maladie. La
réhabilitation vise à améliorer des fonctions
endommagées grâce aux moyens médicaux,
tandis que la cure de rétablissement sert
d'ordinaire à se remettre d'une maladie,
sans que des soins ou un traitement particu­
liers ne soient nécessaires.
Ni la loi, ni les tribunaux ne prévoient une
durée spécifique pour le séjour en clinique
de réhabilitation. Il s'agit plutôt de détermi­
ner au cas par cas si le prolongement du
séjour est encore justifié après trois, six ou
d'avantage de semaines. Si l'assurancemaladie refuse la garantie de payement ou
menace à un certain moment d'interrompre
le payement, il est possible d'attaquer cette
décision devant le Tribunal cantonal des
assurances sociales. Si l'on poursuit le séjour
en clinique, on court toutefois le risque, en
cas de rejet de la plainte, de devoir assumer
la totalité des frais.
Si le séjour en clinique de réhabilitation vise
directement à réintégrer le patient dans la
vie professionnelle, et permet d'améliorer de
manière durable et profonde sa capacité de
travail dans son métier ou dans le ménage,
alors c'est à l'assurance-invalidité d'en assu­
mer les frais (en section générale). Il est donc
recommandé de demander une garantie de
payement à la fois à l'assurance-maladie et
à l'AI.
Les questions sur les conditions spéciales
dans le cas d'un traumatisme crâniocérébral causé par un accident trouvent
réponse dans la Loi fédérale sur l'assuranceaccidents (LAA), Les coûts du séjour en réha­
bilitation sont dans ce cas assumés par l'as­
sura nce-accidents, à condition que le traite­
ment soit adapté aux besoins. L'assuranceaccidents ayant un grand intérêt à améliorer
la capacité de travail du patient, elle se mon­
tre moins réservée que l'assurance-maladie
quand il s'agit de financer un tel traitement,
Par ailleurs, l'assurance-accidents fera effec­
tuer la réhabilitation dans une clinique spé­
cifique avec laquelle elle entretient un con­
trat tarifaire. Cela a pour conséquence que
les personnes exerçant une activité profes­
sionnelle qui subissent une lésion cérébrale
due à un accident de travail bénéficient de
séjours de réhabilitation plus longs.
Il est à espérer que les tribunaux ne
fléchiront pas devant les politiciens et le sec­
teur des assurances qui appellent à la réduc­
tion des dépenses en matière de santé, et
que le bien-être des patients passera avant
tout.
En Suisse romande la Helpline sera en sevice
des l'été 2006.
FRAGILExtra 2/2006
21
Helpline
Per quanto tempo si ha diritto alle cure di riabilitazione?
La nostra Helpline è spesso interpellate per
sapere per quanto tempo I'assicurazione di
base della cassa malati paga la degenza in
una clínica di riabilitazione o se eventualmente ce ne siano altre che coprono tali
costi, e se il regolamento è diverso in caso di
lesioni cerebrali dovute a infortunio.
II Dr. Mark Mäder, capoclinica del Centro di
riabilitazione per parapíegici e cerebrolesi
REHAB Basilea, e Martin Hablützel, awocato e presidente di FRAGILE Zurigo, esprimono ¡I proprio parere in mérito, risp. dal punto
di vista medico e da quello giuridico.
Dr. Mark Mäder:
La riabilitazione è necessaria quando la cura
di una lesione cerebrale causata da malattia
o da infortunio non ha portato alia guarigrone e se certe funzioni non sono state ripristinate o sono rimaste limítate, e se esiste
effettivamente ¡I potenziale per una riabilita­
zione. Di principio un assicurato ha dirítto
alia riabilitazione alie suddette condizioni.
Vorrei porre J'accento su due elementi
importanti: i concetti «prognosi» e «poten­
ziale di riabilitazione» non sono definiti con
chiarezza.
Entrambi i concetti sono essenziali per
valutare il diritto alia riabilitazione e ambedue sono poco chiari. Ovviamente ci sono
criteri per valutare entrambi, ma non sono
considerati perentori dalle compagnie assicurative. Persino la medicina delle fasi acute,
che sottolinea la propria natura scientifica,
spesso non ha a disposizione criteri ben defi­
niti, dato che riguardano ¡I «sistema uomo
dai molti fattori». Soprattutto la prognosi
non permette criteri ben definiti. Durante la
riabilitazione è necessario valutare il poten­
ziale di riabilitazione in base alia prognosi e
ad altri fattori. Si tratta di trovare un compromesso tra un traguardo secondo il poten­
ziale (ad esempio il paziente diventerà autosufficiente) e ¡I tempo necessario a raggiungerlo (per esempio tre mesi), e l'importanza
del traguardo. La «capacita di rigenerazione» del sistema nervoso centrale ci offre
nuove prospettive, ma come in passato tale
rigenerazione richiede ¡I suo tempo. Una ferita, una frattura e anche la capacité d'apprendimento del cervello non possono essere migliorate accelerando a piacimento il
trattamento, o perché si ha fretta o per limi­
tare i costi. La questione rimane quindi contraversa: cosa e a chi giova questo, e quan­
to costa a chi? Gli argomenti devono essere
22
FRAGILExîra 2/2006
chiari per ambedue le parti e si devono poter
motivare correttamente. I soldi non devono
essere l'unico elemento di giudizio.
Martin Hablützel:
Secondo ie disposizioni délia legge sull'assicurazione malattie (LaMal), l'assicurazione
obbligatoria di base deve farsi carico dei
costi per prestazioni mediche necessarie alla
riabilitazione effettuate o prescritte, a condizione che le cure riabilitative siano prestate
in una clinica specializzata riconosciuta. Una
cura riabilitativa con degenza deve essere
approvata preventivamente dalla cassa
malati e necessita inoltre di un certificato
redatto da un medico di ftducia délia stessa.
In generaie i costi delie cure mediche sono
assunti dalla cassa malati únicamente se la
cura o la terapia medica è efficace, utile ed
economica, e l'efficacia dev'essere comprovata scientificamente. L'obbligo di prendersi
a carico una cura con degenza presuppone
che ci sia una malattia che richieda una cura
urgente o una riabilitazione medica con
degenza ospedaliera. La condizione è dunque che sia esclusa la possibilité di una cura
ambulatoriaie e che solo una degenza ospe­
daliera possa assicurare la guarigione.
Secondo il tribunale federale questo potrebbe essere il caso se la cura puô essere garantita únicamente in un ospedale o in una cli­
nica di riabilitazione.
In caso di lesioni cerebrali, la degenza in una
clinica riabilitativa specializzata è pagata
dalla cassa malati, se non è possibile una
cura diversa per ridurre il maie e migliorare
lo stato di saiute e se non è evitabile l'ospedalizzazione. Bisogna distinguere c la ra ­
mente tra le cure riabilitative e la cura di
riposo che la cassa malati non è obbligata a
pagare. La cura di riabilitazione punta a mig­
liorare le funzioni lese attraverso trattamenti
medici, mentre la cura di riposo di regola
serve al riposo e alla convaiescenza dopo
una malattia - senza bisogno di particolari
terapie.
Né la legge né i tribunali prescrivono con
precisione la durata di degenza nelle diniche
di riabilitazione. Si deve piuttosto valutare
ogni singolo caso dal punto di vista medico:
esistono ancora i presupposti per una
degenza anche dopo tre, sei o anche piú settimane? Nel caso di rifiuto da parte della
cassa malati di assumersi i costi di degenza
o se essa voglia tagliare le sue prestazioni
dopo un certo periodo, si ha la possibilité di
fare ricorso presso il tribunale cantonale
delle assicurazioni sociali. Se la degenza in
clinica viene comunque prolungata
nonostante ¡I ricorso sia stato respinto, c'è il
pericolo che il paziente debba assumersi
personalmente i costi di degenza.
Nel caso la degenza in clinica di riabilitazio­
ne abbia lo scopo di agevolare ¡I reinserimento nella vita professionale e sia specifica
per favorire e migliorare sensibilmente la
capacita lavorativa sia in ámbito professio­
nale che nell'economia domestica, sará l'assicurazione invalidité che si prenderá a cari­
co i relativi costi (camera comune). ê consigliabile dunque chiedere una conferma di
copertura dei costi sia alla cassa malati che
all'assicurazione invalidité.
Per sapere quali siano i presupposti in caso
di lesioni cerebrali dovute a infortunio per i
pazienti attivi profession a ímente, valgo no le
norme della legge assicurazione contro gli
infortunf (LAI). I costi di degenza in una cli­
nica riabilitativa devono in tal caso essere
coperte dall'assicurazione infortuni, a condi­
zione che la terapia sia conforme. Siccome
l'assicurazione contro gli infortuni ha grande
interesse a migliorare le capacita lavorative
dell'infortunato, sarà piú disposta della
cassa malati ad assumersi i costi di tali
degenze. Infine bisogna considerare che l'assicurazione ha interesse a inviare i suoi pazi­
enti nelle diniche di riabilitazione con cui ha
stipulato una convenzione. Ne consegue che
per chi è attivo professionalmente e che ha
subito una lesione cerebrale a seguito di un
infortunio, l'assicurazione coprirà i costi per
degenze piú lunghe.
È da sperare che i tribunali si oppongano ai
tagli dei costi neU'ambíto sanitario proposti
da pofiticí ed enti assicurativi, ponendo
come priorité la salute degli infortuna!
La Helpline é a disposizione in lingua tedesca
dal lunedi a venerdi, dalle ore 10.00 alie
13.00. Numero verde 0800 256 256.
Per informazioni in lingua italiana formare il
No. 091 880 00 00 del Segretariato FRAGILE
Ticino,
m
____ A U S DER R E C H T S P R E C H U N G
BERNER OBERGERICHT DURCHBRICHT ANWALTS­
MONOPOL FÜR SCHKG-SUMMARVERFAHREN
Grysidsafzgritscfieid auch für andere ICaotone?
MARTIN H A BL ÜT Z E L
MANUEL BADER
Seit dem Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern
vom 16. Mai 2011 sind auch Treuhand- und Inkassobüros
als gewerbsmässige Vertreter in SchKG-Summarverfahren zugelassen. Dieser Grundsatzentscheid ist auch für
andere Kantone wegweisend, sofern die kantonalen Ge­
setzgeber die Zulassung nicht beschränkt haben.
1. EINLEITUNG
Für zivilrechtliche Angelegenheiten vor Gericht gilt seit jeher
das Anwaltsmonopol, welches die Kantone bisher auch für die
gerichtlichen Summarverfahren gemäss dem Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) vorsehen konnten. Mit Inkraft­
treten derschwe\zenschenZivüprozessordnung(ZPO) per 1.1.2011
wurde die gewerbsmässige Vertretung in SchKG-Summarverfahren neu geregelt, den Kantonen aber noch immer die Mög­
lichkeit eingeräumt, eine solche Vertretung an Bedingungen
zu knüpfen. Mangels einer solchen Regelung im Kanton Bern
stellte sich nun die Frage der Zulassung von Treuhand- und
Inkassobüros als gewerbsmässige Vertreter. Nachdem ein
Berner Regionalgericht die Vertretung durch ein Treuhandund Inkassobüro im Rechtsöffnungsverfahren nicht zugelas­
sen hatte, hob nun das Berner Obergericht diese Verfügung
gestützt au f die neue ZPO mit Entscheid vom 16. Mai 2011
(ZK 11184) [ij auf. Der Entscheid ist inzwischen rechtskräftig
und somit die Vertretung durch Treuhand- und Inkassobüros
im Kanton Bern neuerdings zulässig. Dieser Grundsatzent­
scheid ist wohl auch leitend für alle anderen Kantone, womit
davon ausgegangen werden darf, dass Treuhand- und Inkas­
sobüros neu schweizweit zur Vertretung in SchKG-Summarverfahren ohne weitere Voraussetzungen zuzulassen sind.
Dies mindestens dann, wenn die kantonalen Gesetzgeber die
Zulassung nicht ausdrücklich beschränken.
2. ENTSCHEID DES O B ER G ER IC HTS
DES KANTONS BERN
Das Treuhand- und Inkassobüro X. AG (Beschwerdefüh­
rerin) reichte für die Y. AG (Beteiligte) beim Regionalgericht
MARTIN HABLÜTZEL,
Berner Jura-Seeland ein Rechtsöffnungsgesuch ein. Das Re­
gionalgericht forderte daraufhin die Beteiligte auf, ihr Ge­
such gehörig zu unterzeichen, worauf die Beschwerdeführerin
erneut Zulassung zur Vertretung beantragte. Das Berner Re­
gionalgericht verfügte daraufhin, die Beschwerdeführerin
werde nicht als Vertreterin der Beteiligten zugelassen und
forderte die Beteiligte ein zweites Mal auf, ihr Gesuch gehö­
rig zu unterzeichnen. Gegen diese Verfügung hat die X. AG,
notabene anwaltlich vertreten, beim Obergericht des Kantons
Bern Beschwerde erhoben.
Die Beschwerde wurde gutgeheissen. Das Gericht erwog
vorerst, dass keine Gründe ersichtlich seien, zwischen Berufsm ässigkeit und Gewerbsm ässigkeit zu unterschei­
den. Da sich die Beschwerdeführerin jedoch nicht weiter zu
Umfang und Entgeltlichkeit ihrer Tätigkeit oder zur Un­
bestimmtheit bzw. Offenheit ihres Kundenkreises geäussert habe, wurde sie als «i'c/it-gewerbsmässige Vertreterin
zugelassen. Während kaum angenommen werden könne,
die Beschwerdeführerin erbringe ihre Leistung unent­
geltlich, sei es doch denkbar, dass sie nicht regelmässig
in Betreibungsverfahren als Vertreterin auftrete oder sol­
che Dienste nicht einem unbestimmten Kundenkreis an­
biete.
Wenn mit der neuen ZPO die Parallelität zulässiger Ver­
tretung zwischen Betreibungsverfahren und den gerichtli­
chen SchKG-Summarverfahren angestrebt werde und im
Betreibungsverfahren die «/'c/zt-gewerbsmässige Vertretung
durch juristische Personen nach Art. 27 SchKG ohnehin zu­
lässig sei, so müsse die mc/zf-berufsmässige Vertretung i.S. v.
Art. 68 Abs. 1 ZPO auch in den SchKG-Summarverfahren
durch juristische Personen möglich sein. Damit komme es
au f die Gewerbsmässigkeit bzw. BerufsmässigkeitderTätiglceit der Beschwerdeführerin nicht an.
Die Frage, ob gewerbsmässige Vertreter gemäss Art. 27
SchKG angesichts der zuweilen komplexen rechtlichen und
tatsächlichen Fragestellungen ohne entsprechende Prüfung
ihrer Fähigkeiten zugelassen werden sollten, sei nicht von
den Gerichten, sondern vom kantonalen Gesetzgeber zu be­
antworten. Damit wurde entschieden, dass die Vorinstanz
Art. 68 Abs. 2 lit. c ZPO i. V. m. Art. 27 SchKG verletzte, in­
MANUEL BADER,
RECHTSANWALT,
MLAW, SCHADEN-
FACHANWALT HAFTPFLICHT-
ANWAELTE.CH,
UND VERSICHERUNG S­
ZÜRICH,
RECHT SAV. SCHADEN-
BADER @SCH ADEN-
ANWAELTE.CH, ZÜRICH
ANWAELTE.CH
UND ZUG,
HABLUETZEL® SCHADEN
ANWAELTE.CH
614
DER SC HW EIZER TREUHÄNDER 2011(8
B E R N E R O B E R G E R I C H T D U R C H B R I C H T A N W A L T S MO N O P O L F ÜR S C H K G - S U M M A R V E R F A H R E N
AUS DER RECHTSPRECHUNG
dem sie die Beschwerdeführerin im Rechtsöffnungsverfah­
ren nicht als Vertreterin zugelassen hat.
der Betreibung;
Entscheid über das Vorliegen neuen Ver­
mögens; -* Anordnung der Gütertrennung.
3. BEDEUTUNG FÜR DIE P R A X IS
Gemäss dem Entscheid des Obergerichts kommt es nicht da­
rauf an, ob jemand gewerbsmässiger Vertreter ist oder nicht,
um zur Vertretung in SchKG-Summarverfahren zugelassen
zu werden. Eine berufliche Qualifikation ist nicht notwen-
Es ist davon auszugehen, dass die Zulässigkeit der Vertretung
in allen Kantonen gilt, in denen von den Legiferierungsmög­
lichkeiten i. S. v. Art. 27 SchKG nicht Gebrauch gemacht und
damit die Vertretung nicht beschränkt wurde.
Noch unklar ist, ob juristische Personen in anderen Kanto­
nen ebenfalls zur Vertretung zugelassen werden. Gemäss
einem Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich vom
19.5.2011 können nur natürliche Personen Vertreter sein [2].
Daher ist juristischen Personen vorerst zu empfehlen, für
SchKG-Summarverfahren im Kanton Zürich eine natürli­
che Person zu bevollmächtigen.
Das Anwaltsmonopol wird somit im SchKG-Summarverfahren durchbrochen. Der Entscheid wird Leitcharakter in
anderen Kantonen haben und trägt den Bedürfnissen vieler
Gläubiger Rechnung, welche die Durchsetzung ihrer ausge­
wiesenen Forderungen gerne den dafür oft kompetenten
Treuhand- und Inkassobüros übertragen. Einen weiteren
Entscheid erwarten wir diesbezüglich auch vom Obergericht
des Kantons Luzern.
■
«Treuhand- und Inkassobüros
können also ihre Klienten
in allen SchKG-Summarverfahren
vertreten, soweit keine kantonalen
Regelungen entgegenstehen.»
dig, sofern die gewerbsmässige Vertretung durch keine kan­
tonale Regelung beschränkt oder reguliert wird.
Treuhand- und Inkassobüros können also ihre Klienten
in allen SchKG-Summarverfahren vertreten, soweit keine
kantonalen Regelungen entgegenstehen. Dies sind insbe­
sondere folgende Verfahren:
-*■Verfahren betreffend Entscheide des Rechtsöffnungs-,
Konkurs-, Arrest- und Nachlassgerichts; -*■Bewilligung des
nachträglichen Rechtsvorschlages und des Rechtsvorschlages
in der Wechselbetreibung; -* Aufhebung oder Einstellung
A n m erk u n gen : 1) Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern, ZK 11184,
vom 16. M ai 2011; online verfügbar a u f http://www.justice.be.ch/justice/de/
index/entscheide. 2} Vgl. h ierzu Beschluss des Obergerichts des Kantons
Zürich vom 19.5.2011; online verfügbar unter http://www.gerichte-zh.ch/
entscheide/entscheide-neue-zpo.htmi.
_________________________________ R E S U M E _________________________________
La Cour suprême du canton de Berne et le monopole
des avocats dans les procédures sommaires LP 1
Le monopole des avocats existe depuis toujours en droit civil
et pouvait jusqu’à présent être prévu par les cantons pour les
procédures judiciaires sommaires selon la loifédérale sur la
poursuite-pour dettes et la faillite (LP). L’entrée en vigueur du code
de procédure civile suisse (CPC) le icrjanvier 2011 a modifié la ma­
nière dont la représentation professionnelle dans le cadre des
procédures sommaires selon la LP est réglée, mais il restait
possible pour les cantons d ’assortir une telle représentation
de conditions. À défaut d’un tel règlement dans le canton de
Berne, la question de la possibilité pour les sociétés fiduciaires
et les bureaux de recouvrement d ’agir en tant que représen­
tant professionnel s est posée. Dans un arrêté du 16 mai 2011,
la Cour suprême du canton de Berne a annulé, en se fondant
sur le nouveau CPC, une décision d’un tribunal régional ber­
nois qui avait refusé la représentation par un bureau de fidu­
8 12011 DER S C H W EIZER TREUHÄNDER
cie et de recouvrement dans une procédure de mainlevée. Cet
arrêté ayant obtenu force de chose jugée, la représentation par
des bureaux de fiducie et de recouvrement est désormais ad­
mise dans le canton de Berne. Cette décision de principe étant
probablement applicable à tous les autres cantons, on est en
droit de penser que les bureaux de fiducie et de recouvrement
sont désormais autorisés sans autres conditions à agir en tant
que représentant dans les procédures sommaires selon la LP
dans toute la Suisse, pour autant que le législateur cantonal
ne restreigne pas à nouveau explicitement cette autorisa­
tion. MH/MB
‘ Décision de la Cour suprêm e du Canton de Berne, ZK 11184, du 16 mai
2011; accessible en ligne sous http://www.justice.be.ch/justice/fr/index/entscheide
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fragile extra, 2/2006, S. 20