09.12./16.12.2009/13.01.2009
1
Methoden und Probleme
2
GESPROCHENE SPRACHE


Körpergebunden
Erstreckt sich in der Zeit
GESCHRIEBENE SPRACHE


Benötigt ein Werkzeug
Hat eine räumliche
Ausdehnung
3
DEPENDENZHYPOTHESE


Schrift = sekundäres
Zeichensystem
Abhängigkeit der
geschriebenen Sprache von
der gesprochenen
AUTONOMIEHYPOTHESE

Schriftsprache = eigener
Forschungsgegenstand,
der theoretisch und
methodisch von der
gesprochenen Sprache zu
unterscheiden ist
4

Linguistisches Argument:
 Schrift ist nur eine Visualisierung von Sprache, in
Buchstaben umgesetzter Schall

Entwicklungspsychologisches Argument:
 Schrift wird später erworben als Sprache

Logisches Argument:
 Sprache existiert ohne Schrift, aber Schrift nicht ohne
Sprache

Funktionales Argument:
 Gesprochene Sprache wird häufiger eingesetzt als
geschriebene
5

Strukturelles Argument
 Die Schrift besteht aus diskreten Einheiten, die
gesprochene Sprache stellt ein Kontinuum dar
6
7
http://languageserver.uni-graz.at/badip/badip/20_corpusLip.php
badip = banca dati dell‘italiano parlato
8

Tipo A: scambio comunicativo bidirezionale
con presa di parola libera faccia a faccia:
 - conversazioni in casa
 - conversazioni sul luogo di lavoro
 - conversazioni nell'ambito scolastico e
universitario
 - conversazioni in luoghi ricreativi e sui
mezzi di trasporto.
9

Tipo B: scambio comunicativo bidirezionale
con presa di parola libera non faccia a faccia
 - conversazioni telefoniche normali
 - conversazioni telefoniche registrate alla
radio
 - messaggi registrati nelle segreterie
telefoniche.
10

Tipo C: scambio comunicativo bidirezionale con presa
di parola non libera faccia a faccia










- assemblee legislative
- dibattiti culturali
- assemblee studentesche
- assemblee sindacali
- incontri di lavoratori
- interrogazioni nella scuola elementare
- interrogazioni nella scuola secondaria
- esami universitari;
- interrogatori processuali
- interviste alla radio e alla televisione.
11

Tipo D: scambio comunicativo unidirezionale in
presenza del/i destinatario/i









- lezioni di scuola elementare
- lezioni di scuola secondaria
- lezioni universitarie
- relazioni a congressi o convegni politici e sindacali
- relazioni a congressi o convegni scientifici
- comizi politici
- omelie
- conferenze non specialistiche
- arringhe giudiziarie.
12

Tipo E: scambio comunicativo unidirezionale
o bidirezionale a distanza o differito su testo
non scritto
 - trasmissioni televisive
 - trasmissioni radiofoniche.
13
http://www.clips.unina.it/it/corpusviewer.jsp
14
15
16















SPEAKERS_inf.
INp1:
INp2:
L. L., M, 18, Bagno a Ripoli(FI), spontaneo, fluente, G>F
R. F., M, 18, Bagno a Ripoli(FI), spontaneo, fluente, F>G
RECORDING_inf.
TYP:
LOC:
DAT:
DUR:
CON:
DAT
Firenze/abitazione
04/02/01
15.25,336
buone. In alcuni punti il segnale satura e dopo i
tredici minuti si registra anche un'alternanza nella
variazione di volume
17

TRANSCRIPTION_inf.




DAT:
CMT:
Nst:
12/02/02
435
18
p1G#1: allora <breath> <sp> <inspiration> la partenza
<breath>

<tongue-click> starebbe / l'hai presente <sp>
<inspiration>

quella televisione ? <sp> in basso a sinistra ?









p2F#2: sì<ii> #<G#3> <breath>#
p1G#3: #<F#2> ecco# {<NOISE> <lp> a sinistra della
televisione}
p2F#4: okay
19









p1G#5: sulla verticale della macchinina
p2F#6: verticale ?
p1G#7: sì
p2F#8: la partenza ?
p1G#9: sì <sp> a metà <sp> fra la macchinina e il
fondo del foglio


20

<sp>








p2F#10: a metà <sp> <eeh> come fra<aa> la macchina e il fo+ / e la
fine del foglio ? #<G#11> o<oo>#
p1G#11: #<F#10> sì# , a metà fra la macchina e la fine del #<F#12>
foglio <tongue-click> okay ?# a sinistra della #<F#12>
televisione#
p2F#12: #<G#11> okay <sp> sì# <lp> #<G#11> <tongue-click>
okay#


p1G#13: poi <inspiration> {<NOISE> scendi} un po' andando a destra
e

giri intorno <vocal> alla televisione
 […]
21
Die Ethnomethodologie
Eine Forschungsrichtung zwischen
Soziologie, Anthropologie & Linguistik
22
I.
Definition
II.
Geschichte
III.
Verfahrensweise
IV.
Forschungsergebnisse
V.
Kritik
VI.
Auswahlbibliographie
23
Definition

Geschichte
 simplifiziert: „Lehre“ von der „Methodik“ derer sich
Verfahrensweise
Forschungserg.
Kritik
Auswahlbiliographie
Ethnomethodologie
ein „Volk“ bedient, (um im Alltag zu interagieren)
Forschungskonzept und Analyseverfahren
 In Deutschland sprachwissenschaftlich
rezipiert; in den USA eher soziologisch/anthropologisch
 Ideologie:

 Gesellschaftliche Wirklichkeit wird erst durch
Interaktion ihrer Mitglieder erschaffen
(lokal, situativ, audiovisuell)
24
Definition

Forschungsschwerpunkt: Alltagsgespräche

Analyse der (unbewussten) Methodik, die in
Geschichte
Verfahrensweise
Alltagsgesprächen zugrunde liegt
Forschungserg.

„Ethnomethodologie bezeichnet daher die von den
Kritik
Mitgliedern einer Gesellschaft im Handlungsvollzug
Auswahlbibliographie
praktizierte Methodologie, über welche die […]
gesellschaftliche Wirklichkeit und soziale Ordnung
erst produziert wird“ (BERGMANN, 11f.)
25
Definition

begründet durch HAROLD GARFINKEL
Geschichte
 Ende 60er Jahre, anknüpfend an „ethnoscience“
Verfahrensweise
 ausgeprägt u.a. in Studies in ethnomethodology (1967)
Forschungserg.
 Wegbereiter der Konversationsanalyse in Deutschland in
den 70er Jahren
Kritik
Auswahlbibliographie

basiert auf Arbeiten von ALFRED SCHÜTZ

weiter geführt von HARVEY SACKS und EMANUEL
SCHEGLOFF (Schüler GARFINKELS)
 viele Analysestudien von Alltagsgesprächen
26
Definition

 Aufzeichnungen von alltäglichen Interaktionen
Geschichte
Verfahrensweise
Material: nicht literarisch, nicht fiktiv  authentisch

analysiert wird immer situativ  keine Generalisierung
 Aufstellung eines Methodenkatalogs nicht sinnvoll/möglich
Forschungserg.

Kritik
Verfahrensweise an sich:
 Material beschaffen (dauerhaft aufzeichnen)
Auswahlbibliographie
 genaue (!) Transkriptionen anstellen
 Transkriptionen analysieren (Regeln, Abweichungen, Probleme)

Analytiker muss „intuitiv“ handeln; muss sich in Situationen
hineinversetzen können
27
Definition
Geschichte
Verfahrensweise

in Interaktion kommt es vor, dass nicht alle Inhalte vom
Gegenüber verstanden werden
 durch Deiktika (hier, da, so) oder Autosemantika (so ist das Leben) =>
indexikalische Ausdrücke
Forschungserg.
Kritik
Auswahlbibliographie
 verweisen auf etwas, das sich erst durch spezifischen Kontext ergibt
 muss vom Gegenüber erstellt
werden (Reflexivität)
 oft wird Unkenntnis verschwiegen  es wird erwartet, dass eventuelle
Wissenslücke (lacks) im späteren Verlauf noch geschlossen wird
 direktes Ansprechen von indexikalischen Ausdrücken führt oft zu
Verstörung beim Gegenüber (eventuell zum Gesprächsabbruch)
28
Definition

Es gibt eine „anonyme Maschine“ (SACKS) beim
Geschichte
Menschen, die Gespräche zu einem erfolgreichen
Verfahrensweise
Abschluss bringen  natürliches Repertoire an
Methoden (de BEAUGRANDE).
Forschungserg.

Zu Grunde liegende Methodik vom Kulturkreis
Kritik
abhängig
Auswahlbibliographie

Gespräche laufen in turns ab, sind sequenziell
 Mustern folgen Mustern (Gruß-Grußerwiderung, Bitte-
Nachkommen der Bitte etc.)
29
Definition

keine starre Abfolge der Sequenzen in Gesprächen
Geschichte

Gespräche können korrigiert werden
(selbst oder durch den Gesprächspartner)
Verfahrensweise
Forschungserg.

Interaktion gilt als erfolgreich, wenn keine zu großen
Lücken (gaps) zwischen den Sprecherwechseln
Kritik
entstehen oder die Kommunikation ganz abbricht
Auswahlbibliographie
(breakdown) und beide ihr Anliegen klar gemacht
haben
30
Definition

Geschichte
verbale Äußerungen in einem Gespräch und
Verfahrensweise
verhindere damit eine „‘Amputation‘ realer
Forschungserg.
Kritik
Auswahlbibliographie
Verfahren berücksichtige auch kleinste, non-
Interaktionszusammenhänge“ (HEINEMANN, 56).

Analytiker müsse selbst über ausreichenden
Verstehenshorizont verfügen und theoretisch
Gespräche genau so erleben können, um Material
hinreichend bearbeiten zu können (BRINKER, 126).
Definition

BEAUGRANDE, Robert de, New Foundations for a Science of Text and Discourse –
Cognition, Communication, and the Freedom of Access to Knowledge and Society,
New Jersey, Ablex, 1997, 319-325.

BERGMANN, Jörg R., “Ethnomethodologische Konversationsanalyse“, in: SCHRÖDER,
Peter (Hrsg.), Dialogforschung, Düsseldorf, Schwann, 1981, 9-52.

BRINKER, Klaus, SAGER, Sven F. (Hrsg.), Linguistische Gesprächsanalyse – Eine
Einführung, 4. durchgesehene und ergänzte Auflage, Berlin, Schmidt, 2006, 1419,120-127.

GARFINKEL, Harold, Studies in Ethnomethodology, Englewood Cliffs, N.J., 1967.
Fallbeispiele

HEINEMANN, Margot/Wolfgang, Grundlagen der Textlinguistik – Interaktion - Text Diskurs, Tübingen, Niemeyer, 2002, 53-59.
Auswahlbibliographie

JUCHEM, Johann G., Kommunikation und Vertrauen – Ein Beitrag zum Problem der
Reflexivität in der Ethnomethodologie, Aachen, Alano, 1988, 14-17.199ff.

LINKE, Angelika, NUSSBAUMER, Markus, PORTMANN, Paul R. (Hrsg.), Studienbuch
Linguistik, 4. unveränderte Auflage, Tübingen, Niemeyer, 2001, 258-259.

SAVILLE-TROIKE, Muriel, The Ethnography of Communication – An Introduction, 2.
unveränderte Auflage, Oxford, Blackwell, 1989, 130-133.
Geschichte
Verfahrensweise
Forschungserg.
33

Systematische Erforschung der Bedingungen
und Regeln der „natürlichen“
Gesprächskommunikation
Wissenschaftliche Darlegung allgemeiner
Gesetzmäßigkeiten
34

Strukturbezogene Perspektive:
Ermittlung der gesprächskonstitutiven
Einheiten

Prozedurale Perspektive:
Fokus auf der Herausbildung des
Gesprächsverlaufs
35

Strukturbezogen
Handlungsresultat
(actum): Analyse der
vollständig
konstituierten
Handlung

Prozedural
Handlungsvollzug
(actio): Analyse des
Handelns in seinem
Entwicklungsprozess
36

Ermittlung der gesprächskonstitutiven Einheiten
Gesprächsschritt, -sequenz, -phase

Beschreibung derer als Elemente der
Gesprächsstruktur auf verschiedenen
sprachtheoretischen Ebenen (Äußerungs-,
Bedeutungs-, Handlungs- u. Beziehungsebene)
37

Grundeinheit des Gesprächs

Einzelner Sprecherbeitrag

≠ Hörersignale: mhm, ja, hmm, ja ja, ach ja,
wirklich?, genau, eben, tja, so so
38

kommunikativ-funktional definiert

zusammengehörige Gesprächsschritte

durch Erwartbarkeit z.T. stark
konventionalisiert (z.B. Frage – Antwort)
39

Eröffnungsphase: Situationsdefinition und
Herstellung der Gesprächsbereitschaft

Kernphase: Abhandlung der Themen und
Zielverfolgung

Beendigungsphase: gemeinsame Auflösung
der Gesprächsbereitschaft
40

Rekonstruktion der interaktiven Verfahren

Untersuchung der zugrunde liegenden
Prinzipien bei der Herausbildung des
Gesprächsverlaufs
41
Gesprächsorientiertes
Alltagswissen

Partner- und
Selbsteinschätzung

Verfügung über
Handlungsroutinen
und Handlungsnormen
42

Untersuchung der wichtigsten Merkmale
auf der Ebene der Mikrostrukturen:





Themenprägnanz
Direktionalität
Intentionalität
Validität
Relevanz
43

Sinnhaftigkeit für den
Adressaten
Bsp.:
 Abstreiten der
Themenprägnanz („Das müssen
Sie ihr sagen, nicht mir!“)
  Zurückweisen z.B. durch
Hinweis auf Gesprächsnormen
(„Wir haben doch darüber
geredet!“)
44

Klarheit über den
Adressaten

Kennzeichnung des
neuen Adressaten durch
neue Körperorientierung
und ggf. Unterbrechung
Sprachliches Anzeigen
plötzlicher
Umorientierung durch
Gliederungswörter und
Unterbrechungen

45

Klarheit über die Absicht
des Sprechers
z.B.:
 Konvention bei
Telefongesprächen: Angabe
des Grundes für den Anruf
nach Begrüßungsritual („Ich
wollte nur mal hören, wie es
dir geht.“)
46

Verhandlung der
Gültigkeit eines
Beitrags

Abstreiten oder
Infragestellung der
Validität bei
unangemessenen
Äußerungen, z.B. durch
den Versuch einer
anderen
Themenfokussierung
47

Klarheit über die
Bedeutsamkeit
der Äußerung

Direkte Hinzufügung
z.B. beim Fragen nach
dem Weg: „Ich habe es
sehr eilig!“ 
Anzeigen hoher
Relevanz
48
Typen des Wechsels:
a) hinsichtlich der
Entscheidung:
Selbstwahl,
Fremdwahl,
Gesprächsleiterwahl
49
b)
hinsichtlich des
relativen Zeitpunkts:
Wechsel nach
Unterbrechung oder
Pause; glatter
Wechsel
50

Festlegung und
Typisierung der
Sequenzen in ihrem
Gesamtzusammenhang
auf abstraktem,
kommunikativfunktional definiertem
Niveau

Unterschiedliche
Ergebnisse je nach
Theorie
51
Die Aufzeichnung von Gesprächen
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
1. Allgemeines
2. Die 3 Phasen der empirischen
Dokumentation
Heuristische Phase
Technische Phase
Analytische Phase
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
1. Allgemeines
• Forschungsprozess
• Schritte einer empirischen Studie in der
linguistischen Gesprächsanalyse
• wie man zu Erkenntnissen in der Gesprächslinguistik kommt
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
2. Die 3 Phasen
der empirischen
Dokumentation
 Empirische Studie kann in drei aufeinanderfolgende Phasen unterteilt werden
• heuristische Phase
• technische Phase
• analytische Phase
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Heuristische Phase
• Heuristik
= Wissenschaft von den Verfahren,
Probleme zu lösen
•
Entwicklung neuer Fragestellungen und
Hypothesen
•
zwischen zwei Möglichkeiten unterscheiden,
wie Fragestellungen und Hypothesen
abgeleitet werden können
 problemorientiertes
Vorgehen
 materialorientiertes Vorgehen
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Heuristische Phase
a) problemorientiertes Vorgehen
• Fragen und Hypothesen leiten sich aus der theoretischen
Auseinandersetzung mit verschiedenen Begriffen, Konzepten oder Theorieansätzen ab
• Probleme können an unterschiedlichem Material
untersucht werden
b) materialorientiertes Vorgehen
• Frage leitet sich aus Beschäftigung mit bestimmtem
Bereich kommunikativen Verhaltens ab
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Technische Phase
• Herstellung des Datenmaterials  Tonbandoder Videoaufnahmen
• 3 Abschnitte innerhalb dieser Phase:
 Planung
 vorbereitende Organisation
 technische Durchführung
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Technische Phase
Planung
• Wie umfangreich, wie detailliert soll das Material sein?
• Welche Möglichkeiten und Verbindungen zum Feld
bestehen? (persönliche, institutionelle Kontakte?)
• Welche technischen und finanziellen Mittel werden
benötigt?
• Wieviel Zeit steht für die gesamte Datendokumentation zur
Verfügung?
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Technische Phase
Planung
 Detaillierter Dokumentationsplan
• Liste der aufzuzeichnenden
Gespräche
• Zusammenstellung der
benötigten Geräte
• genaue Zeitplanung für
Erhebung des Materials
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Technische Phase
Vorbereitende Organisation
• Kontaktaufnahme zu Mitgliedern des Feldes
 Probanden für Studie finden
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Technische Phase
Durchführung der Aufnahmen
Die Phasen einer empirischen Dokumentation
Analytische Phase
• Material ordnen und evtl. bearbeiten
• aus Material relevante Passagen und Ereignisse
auswählen
• Transkription
• Darstellung der
Analyseergebnisse
In Bezug auf die Aufzeichnung von Gesprächen
§
64
Juristische Aspekte der Gesprächsanalyse
Bei der juristischen Einschätzung des
Materials muss zwischen einem
a) strafrechtlichen Strafbestand
und einem
b) zivilrechtlichen Strafbestand
unterschieden werden
Strafrecht: §201 StGB
Allgemein: Strafrecht regelt rechtliche Ansprüche des
Staates gegenüber den Bürgern
§201 StGB :Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes
Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit
Geldstrafe wird bestraft ,wer unbefugt
1. das nichtöffentlich gesprochene Wort eines
anderen auf einen Tonträger aufnimmt oder
2. eine so hergestellte Aufnahme gebraucht oder
einem Dritten zugänglich macht. [...]
(in: Strafgesetzbuch 2005, 41. Auflage)
Strafrecht: §201 StGB
Rechtsgut: Person in ihrer Privatsphäre
Recht zu bestimmen wer von seinen
eigenen Äußerungen Kenntnis erlangt
Angriffsgegenstände: das nichtöffentliche,
gesprochene Wort
strafbar macht man sich bei
Tonbandaufnahmen ohne vorliegende
Einwilligung der Probanden gem. §201
StGB!!!
Strafrecht: Einschränkungsmöglichkeiten
Ein Tatbestand wird nicht nur bei einer
vorliegenden Einwilligung
ausgeschlossen, sondern z.B. auch bei
folgenden Beispielen:
mutmaßliche Einwilligung
eindeutige Duldung offener
Aufnahmen
Zivilrecht: § 823 BGB
Allgemein: Zivilrecht regelt die die
Rechtsansprüche welche ein Bürger gegenüber
einem anderen Bürger erheben kann
§ 823 Schadensersatzpflicht.
1. Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper,
die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein
sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist
dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden
Schadens verpflichtet. [...]
(in:Bürgerliches Gesetzbuch, 2005. 56. Auflage)
Zivilrecht: §823 BGB
Ziel: Wahrung der Person und ihres Schutzes,
darunter fällt:
Privat-, Geheim-, Intimsphäre; eigenes
Wort, Darstellung der eigenen Person
persönliches Recht zur Selbsbestimmung,
d.h. Kontrolle darüber was an die
Öffentlichkeit gelangt
Juristische Richtlinie
Die gesprächsanalytische Datenerhebung ist
unproblematisch und legitim:
wenn eine Einwilligung vorliegt
wenn eine nachträgliche Einwilligung
eingeholt wird
wenn die persönlichen Daten durch die
Übertragung in den wissenschaftlichen
Kontext entpersonalisiert und abstrahiert
werden (gilt mit Einschränkungen)
Ethische Aspekte der Gesprächsanalyse
Auf welchem Weg bekommt man die
Einwilligungen?
Wurden rhetorisch-strategische Tricks
angewandt?
Formen manipulierter Einwilligung
Erschlichene Einwilligung: z.B. eine bewusste
Verschleierung der Aufnahmeproblematik
erzwungene Einwilligung: Probanden werden
unter Druck gesetzt
a) partnerorientierter Druck, z.B die
(Aus)Nutzung eines Dominanzstatus
b) Sachzwänge
c) suggerierter Selbstzwang
Fazit zu den juristisch-ethischen Aspekten der
Gesprächsanalyse
Nicht jede Aufnahme die mittels einer
Manipulation ermöglicht wurde ist per se
moralisch inakzeptabel
Der Sinn und Zweck der wissenschaftlichen
Untersuchung muss berücksichtigt werden;
das wissenschaftliche Erkenntnisinteresse
kann von dem der Beteiligten abweichen
Letztlich muss jeder Forscher selbst, von
Fall zu Fall, juristische, ethische,
moralische Sachverhältnisse prüfen und
aushandeln

Daniela Zorzi: Contributi dell'analisi della
conversazione all'insegnamento
dell'iataliano L2
▪ Pubbl.nel 1996 in Atti del III convegno ILSA, a cura di M.
Maggini e M. Salvaderi. Comune di Firenze. pp.11-39
75

…l'Analisi della Conversazione (AC): descrive
il discorso orale, con prevalente, ma non
esclusiva attenzione al discorso dialogico,
osservando nei dettagli il "come" e il
"quando" la gente dice "che cosa". E' un
approccio di tipo sociologico, che tenta di
spiegare come si costruiscono le relazioni
sociali, partendo da come si costruisce
l'interazione verbale. […]
76

[…] Da un punto di vista teorico, queste
ricerche sono partite dall'assunto che non era
il contesto dato a priori (ad esempio
un'interrogazione in classe) a determinare
certi comportamenti discorsivi, ma che erano
i partecipanti stessi, attraverso le loro azioni,
a creare il contesto. […]
77


In altri termini
 l'analisi conversazionale non accetta l'idea di un
contesto come precostituito rispetto all'interazione,
composto di fattori come sesso, età, status sociale di
partecipanti che determinano l'andamento
dell'interazione, ma sostiene una visione flessibile e
riflessiva del contesto. Non è il contesto a
predeterminare l'interazione ma è questa che lo
modella, lo plasma; anzi più esattamente sono i
membri che momento per momento lo costituiscono,
creano con le loro azioni il contesto.
▪ (Orletti 1994b:70).
78

Il punto messo in rilievo dall'AC è che uno stesso "evento",
poniamo un'interrogazione, può essere condotto in modi
diversi, lasciando, ad esempio soddisfatti o frustrati i
partecipanti, che turno dopo turno, possono dire e fare le
cose "sbagliate", o al contrario, creare con l'interlocutore
un rapporto facile e collaborativo. I partecipanti, cioè,
anche all'interno delle regole che costituiscono l'evento
(nel nostro esempio è l'insegnante che deve interrogare e
lo studente che deve rispondere) possono localmente
creare contesti diversi: trasformare l'interrogazione in un
interrogatorio di terzo grado, o in una piacevole
conversazione o, ancora, in un'esibizione del sapere
dell'insegnante.
79

Per fare un esempio, osserviamo un
frammento di interazione in classe. E' tratto
dal corpus del LIP, Lessico di Frequenza
dell'Italiano Parlato, (De Mauro et al 1993).
Leggendo l'inizio della trascrizione di
un'interrogazione di geografia alla scuola
Media, si ha l'impressione che l'insegnante sia
particolarmente direttiva e impositiva.
Vediamo se questo giudizio intuitivo può
essere sostenuto dall'analisi:
80

1 A:
2 B:
3 A:
4 B:
5 A:
allora vediamo un attimino oggi eh Roberto
eh comincia un attimino te per cortesia a
farci la presentazione di uno degli stati
europei che abbiamo studiato quest'anno # quale
Scandinavia
preferisci_ raccontare? la Scandinavia bene
sappiamo sempre di dover seguire che cosa? uno
schema che voi stessi avete eh formulato allora
come cominciamo a presentare questa nazione
la Scandinavia e'_ prevalentemente
vai vicino alla carta geografica e fammi vedere un
attimino allora come si presenta di solito una
regione?
81

L'interrogazione è (o dovrebbe essere) costruita
attraverso domande e risposte. Come si diceva,
sulla base delle coppie adiacenti, una domanda
rende immediatamente rilevante una risposta.
Alla domanda al turno 1 lo studente risponde
(Scandinavia). L'insegnante al turno 3 formula
un'altra domanda (preferisci raccontare?) e
senza dare il tempo di rispondere (non c'è
nessuna pausa dopo la domanda) accetta
l'argomento proposto precedentemente dallo
studente e fa una domanda sulla metodologia
dell'esposizione.
82

Anche a questa domanda non lascia il tempo di
rispondere e propone lei stessa lo schema di
presentazione. Chiude questa fase del discorso
(segnalato da "allora" che marca il passaggio da
un argomento all'altro) e sollecita lo studente a
esporre il suo argomento. Questi inizia la
presentazione, ma dopo quattro parole è
interrotto dall'insegnante che - senza scusarsi
dell'interruzione - dà altre istruzioni; ancora una
volta l'insegnante non aspetta la risposta e
ripete la domanda alla quale lo studente aveva
più volte tentato di rispondere.
83

Un'analisi di questo genere ci mostra che l'insegnante
appare "sgradevole", perchè ha sistematicamente
violato la "norma" dell'interrogazione (oltre che le
norme della conversazione comune): ha fatto una
domanda e non ha aspettato la risposta, ha sollecitato
una risposta che lui stesso aveva impedito di produrre,
ha interrotto la risposta (mossa dispreferita), con altri
ordini. E' un buon esempio, inoltre, di come
l'interrogazione non sia solo un costrutto aprioristico
al quale entrambi i partecipanti fanno riferimento, ma
sia una cornice all'interno della quale, localmente,
azione dopo azione, vengono rinegoziati o confermati
i ruoli dei partecipanti.
84
85






Althaus, Peter (Hg.). Lexikon der germanistischen Linguistik.
Tübingen 1980. S. 318-322.
Brinker, Klaus / Sager, Sven: Linguistische Gesprächsanalyse.
Eine Einführung. Berlin 2001.
Diegritz, Theo / Fürst, Carl: Empirische
Sprechhandlungsforschung. Ansätze zur Analyse und
Typisierung authentischer Äußerungen. Erlangen 1999.
Henne, Helmut / Rehbock, Helmut: Einführung in die
Gesprächsanalyse. Berlin, New York 2001.
Hindelang, Götz: „Sprechakttheoretische Dialoganalyse.“ In:
Fritz, Gerd / Hundsnurscher, Franz: Handbuch Dialoganalyse.
Tübingen 1994. S. 95-112.
Linke, Angelika / Nussbaumer, Markus / Portmann, Paul:
Studienbuch Linguistik. Tübingen 2004. S. 293-334.
86
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