Schulischer Mehrsprachenerwerb
Sekundarstufe I
am
Übergang
zwischen
Primarstufe
und
Kooperationsprojekt zwischen der PH St. Gallen (Prof. Dr. Mirjam Egli Cuenat, Institut Fachdidaktik Sprachen, und Prof. Dr.
Christian Brühwiler, Institut Professionsforschung und Kompetenzentwicklung) und der PH der FHNW (Prof. Dr. Giuseppe
Manno, Institut Sekundarstufe (Hauptgesuchsteller) und Prof. Christine Le Pape Racine, Institut Primarstufe)
Im dreijährigen, vom SNF finanzierten Kooperationsprojekt zwischen der PHSG und der PHFHNW
wird der doppelte Fremdsprachenerwerb bei 30 Schulkassen des Kantons St.Gallen erforscht. Im
Zentrum steht der Erwerb von Lese-, Schreib- und Sprechkompetenzen in den drei schulisch
geförderten Sprachen Deutsch-Englisch-Französisch im 6. und 7. Schuljahr. Untersucht wird, wie
dieselben Schülerinnen und Schüler, die ab der 3. Klasse Englisch und ab der 5. Klasse Französisch
lernen, in den verschiedenen Sprachen Texte lesen und schreiben und kurze mündliche
Präsentationen vortragen. Im Fokus steht dabei die parallele Entwicklung der Sprachen, d.h. ob die
Lernenden Verbindungen zwischen den Sprachen knüpfen und Transferleistungen erbringen.
Zusätzlich wird ein Vergleich angestellt mit Daten aus einem Vorprojekt mit Lernenden, die noch nach
dem alten Modell Französisch ab der 5. Klasse und Englisch ab der 7. Klasse erworben haben.
Ziel des Schweizer Fremdsprachenunterrichts ist gemäss Sprachenstrategie der EDK von 2004 und
HarmoS, dass die Schülerinnen und Schüler funktional mehrsprachig werden, d.h. dass sie lernen,
neben ihrer Schulsprache eine zweite Landessprache und Englisch in alltäglichen Situationen zu
gebrauchen.
Eine wichtige Frage, die zur Zeit in der europäischen Sprachforschung und -didaktik debattiert wird, ist
in der Tat, wie die Sprachen beim Mehrfacherwerb zusammenwirken und aufeinander aufbauen
können: Schliesslich muss nicht in jeder Sprache immer wieder bei Null angefangen werden. Unsere
Schülerinnen und Schüler erwerben zum Beispiel in der Schulsprache Deutsch Strategien des
Textverstehens oder die Fähigkeit einen zusammenhängenden Text zu schreiben oder vorzutragen;
diese Fähigkeiten können auch in jeder weiteren Sprache genutzt werden – genau wie übertragbare
Wörter, z.B. Internationalismen. Untersuchungen über Transferprozesse und Synergien zwischen
mehreren Sprachen unter den Bedingungen des mehrfachen Fremdsprachenerwerbs in der
Volksschule, welche sprachen- und fächerübergreifende didaktische Ansätze im konkreten Unterricht
in immer heterogeneren Klassen empirisch stützen, sind dringend notwendig.
Für die Zwecke des Kooperationsprojektes wurden stufengerechte, parallele Lese-, Schreib- und
Sprechaufgaben für die drei Sprachen erarbeitet. Untersucht wird beim Lesen, ob sich zwischen den
Fremdsprachen
Französisch,
Englisch
und
der
Schulsprache
Deutsch
im
Global-
und
Detailverständnis feststellen lassen und ob die Lernenden sprachenübergreifend gemeinsame Wörter
nutzen können. Beim Schreiben und beim vorbereiteten Sprechen werden Zusammenhänge zwischen
den drei Sprachen (z.B. Textlänge, Textstruktur, Wortschatzvielfalt, Bindewörter) untersucht. Im
Längsschnitt wird erforscht, welche Fähigkeiten die Lernenden aus der Primarstufe mitbringen und wie
sich diese auf der Oberstufe weiterentwickeln. Anhand von Fragebogendaten wird ferner erhoben,
inwiefern
sich
die
Gestaltung
des
Unterrichts
und
individuelle
Lernvoraussetzungen
wie
Migrationshintergrund, Bildungsnähe oder Sprachlernmotivation auf die beobachteten Leistungen
auswirken. Die erwarteten Ergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung der
Sprachendidaktik sowie die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen.
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Schulischer Mehrsprachenerwerb am Übergang zwischen