Bernd Heller
Geschichten aus
deinem Kopf
Eine Segelreise um die Welt
Storie dalla
tua Testa
Un Giro del Mondo in Barca a Vela
Schnumbumbel und Röschenrot
Solimar e Rosetta
www.eduarts.eu
6
Tico und der Dollar
Tico e il dollaro
14
Sheila und das unfreiwillige Bad
Sheila e il bagno involontario
26
Jason und die Geschichte vom Zahn Sir
Jason e la storia del “Signore dei denti”
30
Jabiru und die große Reise
Jabiru e il grande viaggio
36
Mohamed und der verklemmte Anker
Mohamed e l’ancora incastrata
46
Tsunami in Phuket
Tsunami a Phuket
60
Ole und das Unterseeboot in Suez
Ole e il sommergibile a Suez
72
Hans und der Hustensaft
Hans e lo sciroppo per la tosse
84
ISBN 3-930149-06-0
im VTP-Fürst Verlag
Illustration und Gestaltung: Barbara Bollerhoff
Konzeption: Petra Ringelmann-Blank
Übersetzung: Raffaella Radice
Satz: Frank Plechschmidt, Böhm+Partner
Für Luca
– ohne die diese Geschichten niemals entstanden wären.
PER LUCA
Senza la quale queste storie non esisterebbero.
Vor wort
Wir, das sind Kerstin, Bernd und Luca. Wir sind fast 5 Jahre um die Welt gesegelt. Diese Reise war schon
unser Traum, als Luca noch gar nicht geboren war. Kerstin und ich haben einen, wie man so sagt, bürgerlichen Beruf, und so war es nicht zu erwarten, dass wir unseren „Tagtraum“ in die Realität umsetzen
würden.
Dann kam unsere Tochter Luca zur Welt und durch günstige Fügung standen wir vor der Entscheidung,
es zu wagen oder weiter ab und zu unserem „Tagtraum“ nachzugehen. Luca konnten wir natürlich nicht
fragen, sie war gerade erst geboren und war mit Schlafen und Trinken voll beschäftigt. So haben wir
uns ein Herz gefasst und nach fast 40 Jahren des so genannten geregelten Lebens in Fürth, das liegt in
Franken, etwas Neues, etwas ganz Anderes gewagt. Die Aufregung war groß, als wir unseren Freunden
und Verwandten erzählten, dass wir mit Segelboot und Kind losfahren wollten. Von „verantwortungslos“
bis zu „Rabeneltern“ waren die Kommentare. Aber Gott sei Dank gab es auch einige Stimmen, die unsere
Begeisterung mitgetragen haben und uns unterstützten.
So sind wir also losgesegelt mit unserer Luca, der es in der ersten Zeit völlig egal war, wo wir uns gerade
befanden, Hauptsache Mama und Papa und natürlich ihr Lieblingsstofftier Bär-Bär waren da. Luca war
damals gerade zwei Jahre alt und in der glücklichen Lage, 24 Stunden zwei Entertainer bei sich zu haben,
die wie selbstverständlich den ganzen Tag vorlasen, bastelten oder sonstiges Unterhaltungsprogramm boten. Unsere Tochter lernte aber auch zu spüren, wann es besser war, die Eltern alleine zu lassen, nämlich,
wenn wieder einmal beide fluchend im Motorraum lagen oder in ein Riff einfuhren. Zu diesen Zeiten hat
sich Luca mit einem Buch in eine Ecke verkrümelt. Selbstverständlich war sie sofort wieder zur Stelle, als
sie meinte, die Anspannung sei jetzt vorbei – und nun wäre wieder Zeit für etwas Action.
2
Irge
Irgendwann,
ich kann mich noch genau daran erinnern, wo das war, kam
wi
wieder die Aufforderung von unserem heimlichen Kapitän: „Papa, lies mir
was vor!“ Ich war müde und musste auch noch immer ein Auge auf die Segel
wa
ha
haben, da der Wind ständig drehte. Vorlesen war also gerade nicht möglich,
un
und so erfand ich die erste Geschichte und erzählte sie meiner aufmerksamen
Tochter. Luca juchzte und lachte. Zu meinem Erstaunen war sie völlig begeisToch
tert
tert. Wie Kinder eben so sind, musste ich die Geschichte 100mal erzählen,
und wehe: Wenn ich nur die kleinste Kleinigkeit geändert habe, erntete ich
un
sofo
sofort heftigen Protest. Irgendwann kamen immer mehr Geschichten dazu,
und Luca fragte mich, wo die Geschichten denn alle her seien. Ich sagte ihr,
un
da
dass die Geschichten alle aus meinem Kopf kommen würden.
Se
Seit dieser Zeit fing sie immer wieder an und bat: „Papa, erzähl mir eine
Ge
Geschichte aus deinem Kopf.“
3
Prefazione
Noi, cioè Kerstin, Bernd e Luca, siamo andati in giro per il mondo in barca a vela per quasi cinque anni.
Questo viaggio era già un nostro sogno ancor prima che Luca nascesse. Io e Kerstin abbiamo un lavoro,
per così dire, borghese e quindi non ci aspettavamo che il nostro sogno potesse diventare realtà.
Poi è venuta al mondo nostra figlia Luca e grazie a circostanze favorevoli ci trovammo a decidere se
era arrivato il momento di realizzare il nostro sogno. Non lo potevamo certo chiedere a Luca che era
appena nata ed era molto impegnata a mangiare e a dormire. Così ci siamo fatti coraggio e dopo circa
quarant’anni di, come si suol dire, vita regolare a Fürth, che si trova in Franconia, abbiamo affrontato
qualcosa di diverso. Tutti si agitavano quando raccontavamo ad amici e parenti che volevamo partire
in barca a vela con la bambina. Alcuni ci definivano “irresponsabili”, altri addirittura ci consideravano
“genitori snaturati”. Ma grazie a Dio ci furono anche quelli che condivisero il nostro entusiasmo e ci appoggiarono.
Così siamo partiti con la nostra Luca, per la quale all’inizio non contava dove si trovasse; l’importante per
lei era avere accanto la sua mamma e il suo papà, oltre naturalmente al suo pupazzo preferito Bär-Bär.
Luca aveva all’epoca due anni e si trovava nella fortunata condizione di avere due animatori tutti per sé
che, 24 ore su 24, le sedevano accanto leggendo fiabe, facevano lavoretti per passare il tempo insieme
a lei e si inventavano altri divertenti programmi. Nostra figlia imparò presto a capire quando era meglio
lasciare i genitori da soli, per esempio quando scendevano nervosi per un’emergenza nella sala motori o
si avvicinavano pericolosamente a una barriera corallina. In questi momenti Luca si rintanava in un angolo
della barca con un libro. Ovviamente tornava subito in azione quando secondo lei il pericolo era passato
e quindi si poteva ricominciare a giocare.
4
Ogni tanto, mi ricordo come se fosse ora, il nostro piccolo capitano veniva da me e mi esortava dicendo: “Papà, leggimi una
storia!” Io ero stanco e dovevo sempre dare un’occhiata alle vele
perché il vento soffiava costantemente. Non potevo di certo leggere in quei momenti e così inventai la prima storia e la raccontai
alla mia attenta bambina. Luca rise e fece grandi esclamazioni.
Con mia grande sorpresa la mia storia le piacque moltissimo. In
seguito mi fece raccontare la storia altre cento volte e guai se per
caso cambiavo anche il minimo dettaglio: protestava subito con
tutte le sue forza. Ma si sa, i bambini sono fatti così! Di volta in
volta mi inventavo sempre più storie finché un giorno Luca mi chiese da dove venissero queste favole. Io le dissi che tutte le storie
uscivano dalla mia testa.
Da quel giorno cominciò a venire da me e a chiedere: “Papà, mi
racconti una storia dalla tua testa?!”
5
Schnumbumbel und Röschenro t
Schnumbumbel war ein richtiger Seebär. Er fuhr schon lange mit seinem großen, weißen Katamaran
namens Mango durch die Inselwelt der Kanaren. Sein Schiff hatte er daheim in Deutschland mit seinen
eigenen Händen gebaut. Darauf war er sehr stolz. Schnumbumbel war natürlich nicht sein richtiger Name.
Aber wie das mit Spitznamen so ist, sie schleichen sich ein, man gewöhnt sich daran und bald kennt
keiner der Freunde mehr den richtigen Namen. Schnumbumbel war eigentlich sehr zufrieden mit seinem
Leben auf dem Boot in dieser paradiesisch schönen Gegend, und doch fühlte er sich manchmal einsam.
Nicht, dass er keine Freunde gehabt hätte – oh nein! Da waren viele Segler von anderen Booten und
einige Freunde auch unter den Einheimischen auf den Inseln. Und doch – manchmal wünschte er sich in
seinen Träumen eine Frau, die mit ihm segeln und dieses angenehme Leben teilen würde.
6
Solimar e Rose t ta
Solimar era un vero lupo di mare. Navigava già da tempo all’arcipelago delle Canarie con il suo grande catamarano bianco chiamato Mango. Aveva costruito l’imbarcazione con le sue mani nella sua casa
in Germania. E di questo andava molto fiero. Solimar ovviamente non era il suo vero nome. Ma come
succede con i soprannomi, ti si appiccicano addosso, la gente ci si abitua e un bel giorno nessuno degli
amici si ricorda più il tuo vero nome. Solimar era in effetti molto contento della sua vita in barca a vela in
questo luogo paradisiaco, ma alle volte si sentiva un po’ solo. Non che non avesse amici, al contrario.
Ne aveva molti tra i velisti di altre barche e alcuni anche tra i nativi delle isole. Malgrado ciò a volte
sognava di trovare una donna che navigasse insieme a lui e condividesse questa piacevole vita.
7
Eines schönen Morgens lief er mit seiner Mango in den Hafen von Las Palmas de Gran Canaria ein – eine
Stadt mit richtigem Hafen für Segler und mit einer großen Uferpromenade, an der immer viele Leute spazieren gehen. Schnumbumbel war während der letzten drei Tage und Nächte gesegelt und so freute er sich
auf eine heiße Dusche und auf sein Bett, um mal wieder ausschlafen zu können. Schon auf See hatte er
seinen alten Freund José, den Hafenmeister, angefunkt und von ihm einen Platz direkt an der Hafenmauer
zugewiesen bekommen. Jose´ meinte, er müsse nur immer an der Uferpromenade entlang fahren, bis zum
Platz Nummer 7. Gesagt, getan – und so tuckerte er unter Motor ganz langsam an der langen Promenade
entlang. Viele Touristen schlenderten dort um diese Jahreszeit, und manche winkten ihm freundlich zu. Als
er so dahinfuhr und dabei die Leute beobachtete, entdeckte er plötzlich eine wunderschöne Frau. Sie war
noch schöner als die Frau, von der er manchmal träumte! Er stellte den Gashebel ganz runter, so dass
die Mango nur noch langsam an der Kaimauer entlang glitt. Neugierig und auch ein bisschen schüchtern
schaute er dieser Frau im weißen Kleid nach, wie sie mit einem Eis in der Hand langsam verschwand.
„Ups, da ist ja schon mein Platz Nummer 7!“ Beinahe wäre Schnumbumbel an seinem zugewiesenen
Liegeplatz vorbeigefahren! Schnell brachte er die Fender aus, damit sein schöner weißer Katamaran nicht
an der Hafenmauer beschädigt würde.
Mit dem gekonnten Sprung eines erfahrenen Seglers sprang er mit den Festmacherleinen auf die Mole,
vertäute sein Schiff, und nur einige Minuten später saß er schon entspannt in seinem Lieblingsstuhl an Deck
und genehmigte sich erstmal ein „Anlegebier“. Das war Tradition auf der Mango. Immer wenn das Schiff
gut in einem Hafen oder Ankerplatz ankam, feierte Schnumbumbel die Ankunft ein kleines bisschen mit
einem „Anlegebier.“ Als er so da saß, etwas müde von der Reise und auf die Promenade schaute, sah er
sie! Ja, ja, genau sie! Die schöne Frau im weißen Kleid!! Er überlegte kurz, ob er eingeschlafen sei und
bereits träumte, doch da stand sie direkt vor seinem Katamaran. Er wurde ganz rot im Gesicht, denn es
fiel ihm ein, dass er noch ungewaschen und zerzaust von der harten Segeltour war und deshalb brachte
er auch nur ein schüchternes, aber freundliches „Hallo“ heraus.
8
Un bel giorno giunse col suo Mango nel porto di Las Palmas de Gran Canaria – una città con un vero
porto per velisti e con una lunga passeggiata lungomare, dove c’era sempre molta gente a spasso -.
Solimar aveva navigato per tre giorni e tre notti consecutive perciò non vedeva l’ora di farsi una bella
doccia calda e di dormire nel suo letto finché ne avesse voglia. Mentre era in mare aveva già chiamato
il suo vecchio amico José, il capitano di porto che gli aveva assegnato un posto direttamente al pontile.
José gli aveva spiegato che avrebbe dovuto solo costeggiare la passeggiata lungomare fino al posto
numero sette. Detto, fatto. proprio così lentamente avanzò per tutta la passeggiata. C’erano molti turisti
a passeggio in quella stagione e alcuni sollevavano la mano cordialmente in segno di saluto. Proprio
mentre procedeva in questo modo osservando i passanti, notò improvvisamente una donna bellissima. Era
persino più bella della donna dei suoi sogni! Ridusse al minimo l’acceleratore per far scivolare il Mango
con la massima lentezza lungo il molo. Curioso ma anche un po’ intimidito, seguì con lo sguardo quella
donna vestita di bianco che si allontanava piano piano col suo cono gelato.
„Ops, sono già arrivato al mio posto numero sette!“, per poco Solimar non oltrepassava il posto che gli
era stato assegnato! Tirò fuori rapidamente i parabordi, per non danneggiare il bel catamarano bianco
contro il pontile.
Con un abile salto, tipico del navigatore esperto, balzò sul molo con le cime da fissaggio, ormeggiò
la sua barca e solo dopo qualche minuto se ne stava tutto rilassato sul ponte, seduto sulla sua poltrona
preferita, a gustarsi la birra dell’approdo. Questa era la tradizione del Mango. Ogniqualvolta la barca
giungeva felicemente in porto o a un posto di ancoraggio, Solimar si concedeva un piccolo festeggiamento bevendosi la birra dell’approdo. Mentre se ne stava lì seduto a osservare la passeggiata, avvertendo
la stanchezza del viaggio, la rivide. Sì, proprio lei, la bella signora dal vestito bianco!!! Si chiese per un
attimo se stesse dormendo e se quello fosse un sogno, ma lei era lì, proprio davanti al suo catamarano.
Diventò tutto rosso in viso perché si accorse che non si era ancora lavato ed era tutto spettinato dopo
quella difficile navigazione ma, in qualche modo, riuscì a pronunciare un gentile, seppur timido, “Buon
giorno”.
9
Mit einem bewundernden Gesichtsausdruck machte die schöne Frau ihm ein großes Kompliment über das
tolle weiße Boot, was natürlich jedem Bootsbesitzer voller Stolz die Brust anschwellen lässt. Da fasste er
sich ein Herz und sagte: “Ich bin Schnumbumbel – zumindest nennen meine Freunde mich so – willst du
nicht mal mein Boot von innen anschauen?“ Im gleichen Augenblick dachte er daran, dass es fürchterlich
ausschaute im Boot, denn nichts war an seinem Platz geblieben beim Sturm der letzten Nacht! Er erschrak
ein wenig über seine Frage. Sie aber nickte schon heftig und antwortete: „Gerne, und übrigens: Ich heiße Röschenrot!“ Mit einem verschmitzten Lächeln fügte sie hinzu: „Zumindest nennen mich meine Freunde
so“.
Mit diesen Worten nahm sie die Hand von Schnumbumbel zu Hilfe und sprang gekonnt auf das Deck.
Voller Neugierde besichtigte sie das ganze Boot und Röschenrot wollte alles erklärt haben, was Schnumbumbel gerne und geduldig tat. Nach der Besichtigungstour durch die Mango lud er sie noch auf einen
Drink an Deck ein. Röschenrot seufzte: „Ach muss das schön sein, auf so einem tollen Boot zu segeln“. Da
erkannte Schnumbumbel seine Chance und lud Röschenrot für den nächsten Tag zu einem Tagestörn rund
um die Insel ein. Beide waren überglücklich und verabschiedeten sich mit dem Versprechen, sich hier am
nächsten Morgen um 8.00 Uhr wieder zu treffen.
10
Con un’espressione ammirata in volto, la bella signora gli fece i complimenti per
la splendida barca bianca, cosa che naturalmente fa inorgoglire il proprietario
di ogni imbarcazione. A quel punto lui si fece coraggio e disse: “Io sono Solimar,
o almeno è così che mi chiamano i miei amici. Ti va di visitare la mia barca?”
In quel medesimo istante pensò che la barca era tutta sottosopra, che niente era
più al suo posto dopo la tempesta della notte precedente! Si smarrì un po’ per
la sua domanda. Ma lei annuì convinta e rispose: “Ma certo e, a proposito, io
mi chiamo Rosetta!” E con un sorrisino furbo aggiunse: “O almeno è così che mi
chiamano i miei amici”.
Con queste parole afferrò la mano che Solimar le porse in aiuto e saltò a bordo
con destrezza. Con grande curiosità Rosetta ispezionò l’intera barca facendosi
spiegare ogni cosa: Solimar gliela illustrò con pazienza ed immenso piacere.
Dopo la visita guidata del Mango, lui la invitò a fermarsi per un drink sul ponte. Rosetta sospirò: “Certo deve essere bello poter navigare su una barca così
bella”. Solimar prese al volo l’occasione e invitò Rosetta a fare un giro intorno
all’isola il giorno successivo. Erano entrambi entusiasti e si lasciarono con la
promessa di ritrovarsi lì la mattina seguente alle 8.00.
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